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Wirtschaftliche Unsicherheit und ein widersprüchlicher Arbeitsmarkt sorgen derzeit dafür, dass viele Beschäftigte wieder stärker auf Sicherheit setzen. So ist der Anteil derjenigen, die auch in einem Jahr noch bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber tätig sein wollen, wieder gestiegen (2025: 56 Prozent, 2024: 50 Prozent). Doch der Wunsch zu bleiben bedeutet noch lange nicht, sich dem Unternehmen auch verbunden zu fühlen. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des „Engagement Index Deutschland“, eine seit 2001 jährlich durchgeführte Studie des Beratungsunternehmens Gallup, für die dieses Mal rund 1.700 Beschäftigte ab 18 Jahren in Deutschland befragt wurden. Nur zehn Prozent von ihnen weisen derzeit eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf. Nach dem Einbruch auf neun Prozent im Vorjahr ist der Abwärtstrend damit zwar gestoppt, von einer wirklichen Erholung kann jedoch kaum die Rede sein: 2023 lag der Anteil noch bei 14 Prozent. Entsprechend ist der Anteil der Beschäftigten mit geringer emotionaler Bindung weiterhin ausgesprochen hoch: Er liegt aktuell bei 77 Prozent und damit nur knapp unter dem Vorjahreswert von 78 Prozent.
Nur 10% der Beschäftigten weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf.
Mit der Arbeit selbst scheint diese emotionale Distanz zum Arbeitgeber allerdings wenig zu tun zu haben. So sind drei Viertel (74 Prozent) der Befragten mit ihren täglichen Tätigkeiten am Arbeitsplatz zufrieden oder sogar äußerst zufrieden. Ähnlich positiv (72 Prozent) bewerten sie ihre Arbeitssituation und die Arbeitsbedingungen. Auch die grundsätzliche Bereitschaft zu arbeiten ist hoch: Selbst wenn ein Erbe ihnen finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen würde, würden knapp zwei Drittel (65 Prozent) weiterhin einer Arbeit nachgehen. Eine zentrale Rolle spielt nach Einschätzung von Gallup vielmehr die Führung: Denn emotionale Bindung entsteht vor allem dort, wo Beschäftigte im Arbeitsalltag Orientierung, Unterstützung, Anerkennung und Entwicklungsmöglichkeiten erfahren. Gerade daran scheint es in vielen Unternehmen allerdings zu mangeln. Nur 17 Prozent der befragten Beschäftigten stimmen beispielsweise vollständig der Aussage zu, dass ihre Führungskraft sie dazu inspiriert, Dinge zu tun, die sie sich zunächst nicht zugetraut hätten. Lediglich 30 Prozent erleben, dass sich ihre Führungskraft auf ihre Stärken und positiven Eigenschaften konzentriert. Auch zeitnahes, zukunftsorientiertes und für die eigene Arbeit hilfreiches Feedback erhält nur etwa jeder fünfte Beschäftigte.
Hinzu kommt laut Gallup auch ein Vertrauensproblem der Beschäftigten zur obersten Führungsebene. Zwar ist das grundsätzliche Vertrauen in die Geschäftsführung gegenüber dem Vorjahr leicht von 25 auf 27 Prozent gestiegen. Wenn es um die Zukunft geht, fällt das Urteil jedoch schlechter aus: Nur 23 Prozent der Befragten trauen ihrer Geschäftsführung zu, kommende Herausforderungen erfolgreich zu meistern – vier Prozentpunkte weniger als 2024. Lediglich 18 Prozent fühlen sich von der Unternehmensleitung für die Zukunft begeistert, nach 21 Prozent im Vorjahr.
Die vollständige Studie kann hier heruntergeladen werden: msmagazin.info/343Mitarbeiterbindung
Beitrag von Janine Dengel aus managerSeminare 343, Oktober 2026