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Beitrag von Nico Rose aus managerSeminare 339, Juni 2026
Besser geht immer: Was Meliorismus als Geisteshaltung auszeichnet
Pragmatisches Gegenmittel: Wie uns Meliorismus vor Hoffnungslosigkeit, Überoptimismus, Errettungs- und Zerstörungsfantasien bewahrt
Machbarkeitsdenken als Trainingsaufgabe: Wie sich melioristisches Denken lernen lässt
Die melioristische Organisation: Was Unternehmen tun können, um pragmatischem Machbarkeitsdenken den Boden zu bereiten
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 339
Immer neue geopolitische Unsicherheiten, seit Jahren ein schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Kostenstrukturen: All dies schlägt sich massiv auf die Stimmung in den Führungsetagen deutscher Unternehmen nieder. So zeigt eine aktuelle Umfrage, für die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im März 2026 964 Betriebe befragt hat: 43 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre derzeitige Lage schlechter als noch 2025. Nur 14 Prozent meinen, sich in einer besseren Geschäftssituation als im vergangenen Jahr zu befinden. Und auch die Hoffnung auf zukünftige Besserung ist geschwunden. Aktuell glaubt nur noch jedes fünfte Unternehmen an eine steigende Produktion im Jahr 2026. 35 Prozent gehen hingegen davon aus, dass sich ihre Situation weiter verschlechtern wird. Die Folgen davon sind enger geschnürte Budgets, Zögern bei Neueinstellungen und eine drastisch gesunkene Investitionsbereitschaft, kurz gesagt: Management mit angezogener Handbremse.
Der um sich greifende Pessimismus ist menschlich zwar verständlich. Aber er ist, gerade weil die Lage so brisant ist, weder betriebswirtschaftlich noch psychologisch klug. Das weiß ich auch aus persönlicher Erfahrung. Seit meiner Jugendzeit werde ich episodisch immer wieder von Depressionen und einer Angststörung geplagt. Was läge da näher, als in Pessimismus zu verfallen? Doch in all den Jahren habe ich vor allem eines gelernt: Jemand mit meiner Konstitution kann sich Pessimismus im Grunde gar nicht erlauben. Zu gefährlich!
Im Meliorismus geht man davon aus, dass Menschen durch aktives Handeln ihre persönliche Situation wie auch „den Lauf der Welt“ zum Positiven verändern können.
Es ist daher vielleicht wenig überraschend, dass ich mich bereits vor mehr als 15 Jahren der Positiven Psychologie zuwandte – und nach einem Diplom in Psychologie und einer Doktorarbeit in BWL noch einen Masterstudiengang bei Martin Seligman absolvierte, dem Spiritus Rector dieses Feldes. Dort begegnete mir zum ersten Mal das Denken von William James (1842–1910). James war Philosoph und Religionswissenschaftler. Er gilt als Begründer der Psychologie als eigenständiger Wissenschaft in Nordamerika – eine Rolle, die im deutschsprachigen Raum Wilhelm Wundt einnimmt. Daneben war James überzeugter Vertreter des Pragmatismus, einer philosophischen Strömung, die – vereinfacht gesagt – den Fokus auf die Lösung konkreter Probleme legt, auf das Machbare, statt sich in theoretischen Debatten zu verlieren. Und er ist, gemeinsam mit dem Philosophen John Dewey, der wohl bekannteste Vertreter eines weiteren Gedankengebäudes: des Meliorismus.