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Beitrag von Dorette Lochner und Sybille Kuwert aus managerSeminare 340, Juli 2026
Die Falle der Mehrfach-Komplexität: Weshalb wir dringend besser reden lernen müssen
Kommunikation = Produktion: Warum es höchste Zeit ist, „Lean“ auf Arbeitsgespräche zu übertragen
Dreifacher Fokus: Wie wir unsere Kommunikation konsequent aufs Wesentliche ausrichten
Kanäle für Soziales: Auf welche Weise Emotionen und Soziales störungsfrei zu Wort kommen
Vom Muda bis zum Halbfertigwaren-Lager: Fünf praktische Prinzipien der Lean Communication
Kaizen im Mikroformat: Wie wirksames Sprechen am Arbeitsplatz zum Arbeitsalltag wird
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 340
Volatile Märkte, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten, technologischer Umbruch – Organisationen bewegen sich heute in einem Umfeld permanenter Unsicherheit. Was bedeutet: Entscheidungen müssen schneller getroffen, häufiger überprüft und unter unvollständiger Informationslage verantwortet werden. In solchen Situationen gewinnt Kommunikation eine neue strategische Bedeutung. Sie muss Orientierung geben, Komplexität handhabbar machen und gemeinsames Handeln ermöglichen. Doch genau hier geraten viele Teams aktuell unter Druck. Statt Klarheit zu schaffen, verlaufen Diskussionen im Team häufig ergebnisoffen, Entscheidungsprozesse ziehen sich, Missverständnisse häufen sich. Das kostet Zeit, Energie – und Wettbewerbsfähigkeit.
Der Grund, weshalb Kommunikation oft nicht so gelingt, wie es die komplexen Herausforderungen im Arbeitsalltag erfordern, erscheint paradox: Nicht zu wenig Kommunikationskompetenz ist das Problem, sondern zu viel davon, am falschen Ort eingesetzt. Im Kommunikationszeitalter kennen wir Kommunikationsregeln, haben die Prämissen für ein gelingendes Miteinander verinnerlicht, wissen, wie wichtig es ist, auf andere einzugehen, und bremsen uns gerade dadurch an unpassender Stelle ungewollt aus. Heißt: Wir arbeiten in Meetings mit ausführlichen Kontextschilderungen, vorsichtigen Formulierungen, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, bemühen uns, möglichst viele Perspektiven einzubeziehen – und tun all das automatisch selbst dann, wenn es „nur“ um schlichte Fragen geht wie „Wer informiert jetzt den Kunden?“ oder „Wie organisieren wir unser Projekt?“. Hinzu kommt, dass Kommunikationsstile aus digitalen Medien – etwa höfliche Bestätigungen oder ritualisierte Wertschätzungsformeln – zunehmend in Arbeitsgespräche einfließen. Doch was im sozialen Austausch sinnvoll ist, kann bei anspruchsvollen Sachthemen dazu führen, dass wichtige Debatten vermieden und klare Positionierungen seltener ausgesprochen werden. Die Diversität von Teams wird dann nicht ausgeschöpft, sondern verpufft in Harmoniewolken, (zu) langem „Gerede“ oder noch ungünstiger: im kommunikativen Nebel.
Daraus resultiert ein Verlust der Wirkkraft der gesamten Organisation. Denn ohne klare Statements, ohne eindeutige Gesprächsergebnisse und ohne Unmissverständlichkeit darüber, welche Richtung eingeschlagen wird und was die nötigen To-dos hierfür sind, kommen Teams nicht zügig und zielführend ins Handeln. Unternehmen sind daher vor die Aufgabe gestellt, Führungskräften und Teammitgliedern eine Handhabe zu geben, die es ihnen erleichtert, so miteinander umzugehen und zu reden, dass situationsgerecht stets das Nötige und Sinnvolle ausgetauscht wird – ohne Geschwurbel, ohne Pseudobeteiligungen, ohne falsche Vorsicht und ohne unpassendes thematisches Abdriften auf Nebenschauplätze. Gleichzeitig aber auch, ohne demokratische Prozesse zu gefährden und ins Ansagen-Machen zu verfallen.