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Beitrag von Claudia Thonet aus managerSeminare 334, Januar 2026
Retro wirkt: Wie Retrospektiven die Teamzusammenarbeit unterstützen können
Retrospektive Irrwege: Warum Rückschaumethoden in Teams manchmal wirkungslos bleiben oder sogar negative Wirkungen haben
Vorteilhafte Varianz: Wieso es sich lohnt, Retrospektiven bedarfsgerecht zu gestalten
Kein Schema F: Drei Beispiele für Retro-Varianten, die zu spezifischen Teambedarfen passen
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 334
Retrospektiven sind ein wichtiger Bestandteil der Teamzusammenarbeit. Gerade in Zeiten ständiger Veränderung ist die strukturierte Rückschau eines Teams auf die eigene Arbeit unverzichtbar. Es geht dabei darum, aus dem Vergangenen zu lernen, um in Zukunft eine bessere Zusammenarbeit zu erreichen: Wie gut haben im Zeitraum XY unsere Prozesse und unsere Tools funktioniert? Wie sind wir mit Konflikten umgegangen? Wie offen haben wir miteinander kommuniziert? Haben wir unsere Ziele erreicht? Wenn ja: Was hat uns dabei geholfen? Wenn nein: Was hat uns gehindert? Was haben wir gelernt? Wie geht es uns als Team gerade emotional? All das sind Fragestellungen, die in Retrospektiven ausgeleuchtet werden können. Dabei ist die Retrospektive ein Format, das auf der einen Seite Erkenntnisse über die Teamkultur ermöglicht, auf der anderen Seite aber auch seinerseits kulturprägend wirkt. Bestenfalls geben Retrospektiven Orientierung, schaffen Vertrauen und machen Lernen zur gelebten Praxis. Ihre Kraft entfalten sie vor allem durch die psychologischen Prozesse, die sie in Gang setzen:
So können Retrospektiven das Gefühl psychologischer Sicherheit in einem Team stärken. Psychologische Sicherheit meint, dass Menschen wissen: Sie können offen und ehrlich über Fehler, Ängste und Konflikte sprechen, ohne deswegen negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Retrospektiven bieten einen Rahmen, in dem sich ein solches Umfeld bewusst herstellen lässt – durch Moderation, klare Regeln („Was hier gesagt wird, bleibt im Raum“) und den Einsatz von Methoden, die Emotionen zulassen.
Retrospektiven können außerdem ein wirksames Mittel sein, um im Team ein Kohärenzgefühl (Sense of Coherence) entstehen zu lassen. Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat gezeigt, dass Menschen Veränderungen besser bewältigen, wenn sie ihre Welt als verstehbar, handhabbar und sinnvoll erleben. Retrospektiven können genau dazu beitragen. Sie können dadurch, dass sie Teamprozesse transparent machen, das Gefühl der Verstehbarkeit stärken. Wenn in Retros konkrete Maßnahmen vereinbart werden, zahlen sie auf das Gefühl ein, dass die Dinge handhabbar sind. Und dadurch, dass die Teammitglieder in Retrospektiven sehen, inwiefern ihre persönlichen Arbeitsleistungen zur Gesamtentwicklung des Teams beitragen, wird durch sie auch das Gefühl von Sinnhaftigkeit gestärkt.
Retrospektiven bieten zudem Schutz gegen Aktionismus. Veränderungen werden häufig mit viel Aktionsfokus vorangetrieben; schnelles Denken und Handeln stehen dabei im Vordergrund, während das Innehalten und das langsame Denken oft zu kurz kommen. Das hat fatale Folgen, denn im schnellen Denken laufen wir Gefahr, alte Denkmuster und -fehler unter dem Deckmantel des Innovierens zu wiederholen, ohne es zu merken. Nur mit echter Reflexion und Zeit zum Hinterfragen können Denkfehler identifiziert werden. Nur so ist es möglich, an die Wurzeln des Verhaltens und Denkens zu gelangen und Raum für echte Neuerungen zu schaffen. Retrospektiven können hier wie ein Mini-Retreat wirken, das die Gelegenheit bietet, Muster zu überdenken und Gefühlen Raum zu geben.
Außerdem haben Retrospektiven den Vorteil, dass sie Lernprozesse verstärken, weil sie emotionale Erfahrungen schaffen. Wenn ein Teammitglied in einer Retro beispielsweise offen über seine Unsicherheit spricht und dabei auf Wertschätzung stößt, prägt sich das tiefer ein als jede Prozessregel. Retrospektiven schaffen so emotionale Ankerpunkte, die neues Verhalten stabilisieren.
Nicht zuletzt können Retrospektiven Übergänge von einer Teamphase in die nächste erleichtern. Sie schaffen beispielsweise Klarheit in der Phase des Storming, wenn sich Interessenkonflikte zwischen den Teammitgliedern breitmachen. Sie helfen, in der Phase des Norming gemeinsame Regeln zu definieren. Und sie sichern in der Performing-Phase ab, dass bestehende Erfolgsmuster erkannt und verstärkt werden.
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