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Wer Mutter ist oder wird, sieht die eigene Arbeit häufiger mit anderen Augen – und strengt sich im Job dadurch mitunter stärker an. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam um die Managementprofessorin Huiyao Liao von der Chinese University of Hong Kong. In drei Untersuchungen mit insgesamt 867 Beschäftigten mit und ohne Kinder aus China und den USA gingen die Forschenden der Frage nach, welchen Sinn Menschen ihrer Arbeit zuschreiben und wie sich eine Elternschaft darauf auswirkt. Bei zwei der Untersuchungen handelt es sich um Befragungen der Beschäftigten, bei der dritten Untersuchung schätzten die jeweiligen Führungskräfte die Arbeitsleistung der Befragten ein.
Bei der Auswertung stießen die Forschenden auf einen Zusammenhang, den sie als „Family-Centered Symbolic Meaning of Work“ bezeichnen: Eltern betrachten ihre Arbeit häufiger als Möglichkeit, ihrer Familie berufliche Werte wie Fleiß, Verantwortungsbewusstsein und moralische Grundsätze vorzuleben. Bei Müttern war diese familienbezogene Bedeutung der Arbeit noch stärker ausgeprägt als bei Vätern. Beschäftigte, die ihrer Arbeit einen solchen Sinn zuschrieben, zeigten zugleich größeren Arbeitseinsatz und häufiger sogenanntes „Organizational Citizenship Behavior“. Gemeint ist damit freiwilliges Verhalten, das über die eigentlichen Arbeitsaufgaben hinausgeht und der Organisation zugutekommt.
Die Untersuchung lenkt damit den Blick auf eine bislang weniger beachtete Seite der Elternschaft, insbesondere der Mutterschaft. Während Forschung und betriebliche Praxis häufig den „Motherhood Penalty“, also berufliche Nachteile von Müttern, thematisieren, beschreiben Liao und ihr Team einen möglichen „Motherhood Advantage“: Die Rolle als Mutter kann der beruflichen Tätigkeit zusätzliche Bedeutung verleihen und auf diese Weise das Verhalten am Arbeitsplatz beeinflussen. Die Forschenden sprechen sich deshalb dafür aus, Elternschaft, insbesondere Mutterschaft, nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt möglicher Konflikte zwischen Familie und Beruf zu betrachten.
Beitrag von Janine Dengel aus managerSeminare 343, Oktober 2026