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Beitrag von Martin Wehrle aus managerSeminare 340, Juli 2026
Sandra, Führungskraft in einem IT-Unternehmen, saß mit tiefen Augenringen im Coaching. Ihr Ziel war ambitioniert: Sie wollte in Rekordzeit die strategische Neuausrichtung ihrer Abteilung wuppen und gleichzeitig eine anspruchsvolle Zertifizierung absolvieren. Doch nun kam es ihr vor, als hätte sie sich verhoben: „Ich weiß nicht, wie ich das alles zur gleichen Zeit schaffen soll. Es wächst mir über den Kopf.“ Viele Führungskräfte begehen in solchen Krisen denselben Fehler: Sie versuchen, die Dinge im Alleingang zu regeln, statt sich Unterstützung in ihrem Umfeld zu suchen.
Um diesen Tunnelblick aufzuheben, arbeite ich gern mit der Formel-1-Methode. Der Grundgedanke ist simpel: Ein Top-Pilot gewinnt kein Rennen als Solokünstler. Er sitzt zwar am Steuer, aber hinter ihm steht eine perfekt eingespielte Crew aus Konstrukteuren, Mechanikern und Strategen. Auf das Management übertragen bedeutet das: Wer Meilensteine erreichen will, tut gut daran, seine äußeren Ressourcen zu stärken. Diese Methode zielt deshalb darauf ab, die richtigen Unterstützerinnen und Unterstützer im eigenen Umfeld zu aktivieren, Rollenmodelle zu suchen und eine verlässliche Struktur aufzubauen.
Ich stellte Sandra konkrete Fragen, wer sie in der kritischen Situation unterstützen könnte, damit es ihr möglich war, die Boxengasse mit den richtigen Menschen zu besetzen. Unter anderem fragte ich sie: „Wer kann Sie als Chef-Mechaniker entlasten – also Teile des operativen Tagesgeschäftes übernehmen, um Ihnen den Rücken freizuhalten?“ Sie kam auf die Idee, ihre Stellvertreterin mehr einzuspannen. Ich fragte weiter: „Wer kann Ihr Copilot für eine Lerngemeinschaft werden? Wer strebt gerade dasselbe Zertifikat an?“ Sofort fiel ihr ein Abteilungsleiter-Kollege ein. Und: „Welche Budgets und Unterstützung von der Rennleitung – also der Geschäftsführung – benötigen Sie, um den Kurs zu halten?“ Sie wünschte sich eine Urlaubsvertretung für ihre Assistentin. Und schließlich suchten wir Ex-Weltmeister, also Vorbilder: Welche Führungskräfte, die ähnliche Projekte schon absolviert hatten, konnten sie mit ihrem Wissen unterstützen?
Mithilfe der Metapher erkannte Sandra sofort, dass es keine Schwäche ist, sich Hilfe zu organisieren, sondern professionelles „Rennmanagement“. Wir gingen jede Position durch und definierten zusätzlich eine „Reservebank“, damit das Projekt bei Ausfällen nicht ins Schleudern gerät. Das Ergebnis nach drei Monaten? Sandra hatte den Engpass überwunden, ihre Zertifizierung absolviert, und ihr Team blühte durch das neue Vertrauen durch Delegieren auf. Ein positiver Nebeneffekt dieser Strategie: Man sorgt dafür, dass die eigenen Teammitglieder unabhängig werden. Indem Sandra lernte, sich systematisch Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren, aktivierte sie dauerhaft ihre eigenen Management-Ressourcen.
Nutzen Sie die Formel-1-Methode nicht nur, um Teammitglieder zu beraten, sondern fragen Sie sich auch selbst: Wer wechselt eigentlich Ihre Reifen, wenn es im Job brenzlig wird? Definieren Sie Ihr Team für die Boxengasse. Je besser Sie unterstützt werden, desto mehr können Sie erreichen.
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