Für alle Fragen rund um unsere Webseite, unsere Medien und Abonnements finden Sie hier den passenden Ansprechpartner:
Übersicht Ansprechpartner
Obwohl die Fehlzeiten in vielen Unternehmen seit Jahren steigen, agieren die meisten Organisationen noch immer erst dann, wenn Beschäftigte bereits ausfallen. Zu dem Schluss kommen Jutta Rump und Anna-Maria Ogermann vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in ihrer empirischen Studie, an der 1.030 Beschäftigte aus Unternehmen aller Größen teilgenommen haben. Demnach sei der Anstieg bei den Fehlzeiten auf weit mehr zurückzuführen als nur „mehr Krankheit”, so die Studienautorinnen. Denn Fehlzeiten haben soziale und verhaltensbezogene Komponenten; sie sind oftmals eine Reaktion auf wahrgenommene Ungleichgewichte oder sogar ein Ausdruck von Distanzierung.
Das deckt sich mit den Zahlen der Studie: Zwar entfallen von den 24 Fehltagen, die Mitarbeitende im Schnitt jährlich verbuchen, insgesamt 14 Tage auf tatsächliche Erkrankungen oder leichte gesundheitliche Symptome. Jedoch fallen Mitarbeitende durchschnittlich fünf Tage aus, um eigene Interessen zu verfolgen oder individuelle Belastungen zu regulieren. Dieses bewusste Fernbleiben wird durch Defizite im Unternehmen begünstigt, wie etwa eine fehlende Früherkennung von Überlastung (69 Prozent Zustimmung), eine rein administrative Steuerung (64 Prozent) oder unsicheres Führungsverhalten (56 Prozent).
5 Tage im Jahr fehlen Mitarbeitende, ohne krank zu sein.
Auch der Umgang mit Fehlzeiten ist in vielen Unternehmen noch ausbaufähig. In 41 Prozent der befragten Unternehmen existieren laut Studie zwar Regelungen oder Maßnahmen zum Umgang mit Ausfällen, aber noch kein einheitliches Vorgehen. Weitere 32 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihr Umgang mit Fehlzeiten überwiegend reaktiv geprägt ist: Maßnahmen werden hier vor allem dann ergriffen, wenn Fehlzeiten bereits auftreten. Präventive Ansätze im Umgang mit Abwesenheiten sind dagegen weitaus seltener: Nur 20 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Organisation aktiv versucht, Fehlzeiten vorzubeugen, etwa durch Rückkehrgespräche oder individuelle Interventionen. Strategisch verankert, also fest in organisationalen Strukturen, Zielen oder Managementprozessen integriert, ist der Umgang mit Fehlzeiten in gerade mal sieben Prozent der Unternehmen.
Diese Defizite im Unternehmen begünstigen das bewusste Fernbleiben von Mitarbeitenden:
Dabei sind es gerade diese präventiven und strategischen Ansätze, die die Anzahl der Fehltage nachhaltig stabilisieren, wie die Untersuchungsergebnisse belegen. Reaktive und nur teilweise systematische Vorgehensweisen hingegen treten in 70 Prozent der Fälle im Zusammenhang mit steigenden Fehlzeiten auf. Und obwohl reaktive Einzelmaßnahmen oft zu kurz greifen, sind sie weiterhin der Standard und zeigten sich in der Studie über alle Fehlzeitenniveaus dominant. Konsequente Wechsel hin zu strategischen Ansätzen blieben selbst bei hohen Fehlzeitbelastungen selten. Im Angesicht dessen sehen die Studienautorinnen Fehlzeitenmanagement zunehmend als zentrale Managementaufgabe – und Unternehmen in der Pflicht, präventive, systematische und strategisch verankerte Ansätze zu implementieren, die Arbeitsbedingungen, Führung und Unternehmenskultur gleichermaßen in den Blick nehmen.
Die vollständigen Ergebnisse können unter msmagazin.info/340Fehlzeiten abgerufen werden.
Beitrag von Sophie Dériaz aus managerSeminare 340, Juli 2026