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Organisationen stehen derzeit unter enormem Transformationsdruck – Konjunkturflaute und Innovationsdruck treffen aufeinander. Und doch zeigt sich in der Praxis: Wandel funktioniert nicht einfach so. Er ist schwer zu verordnen, er kommt nicht einfach in die Köpfe, und Aktionismus ist auch keine Lösung. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen klug unterscheiden zwischen dem, was verändert, was bewahrt, was verlernt werden soll, und dem, was weg muss. Dabei gilt es, manch blinden Fleck der Wandelreflexlogik zu überwinden – und genau dabei will unser diesmaliger Heftschwerpunkt helfen.
Die erste Frage, die sich stellt, ist die nach dem Bewahrenswerten. Hier setzt der Beitrag von Horst Lempart und Dierk Söllner an. Die beiden Berater haben sich einen neuen Begriff ausgedacht: Keep Management. Plakativ rufen sie damit ins Bewusstsein, was im Veränderungsdiskurs oft keine Sprache findet: die bewusste, strategische Verteidigung des Funktionierenden. Was läuft eigentlich gut und muss gezielt geschützt werden?
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Was hingegen nicht bewahrenswert ist, muss aktiv verlernt werden – und das fällt Organisationen aus gutem Grund schwer, wie der Beitrag „Die verlernende Organisation“ von Nils-Torge Telle und Fabio Ibrahim zeigt. Selbsterhalt ist das Grundprogramm von Organisationen, da ticken sie ähnlich wie unser Gehirn. Deshalb braucht es kluge Störungen – gezielte Zweifel an lieb gewonnenen Annahmen etwa –, damit Überholtes tatsächlich aufgegeben wird, statt additiv Neues obendrauf zu packen.
Wie sich Verlernen in der Praxis anfühlt, zeigt der Bericht des Versicherers Signal Iduna, von uns betitelt mit „Entrümpeln mit Momentum“. Während das Keep Management die Haltung liefert, was geschützt werden sollte, liefert dort das sogenannte Friction Fixing das methodische Rüstzeug fürs Gegenstück: das systematische Beseitigen von Reibung, die sich über Jahre unbemerkt angesammelt hat. Über 170 dokumentierte Reibungspunkte, über 100.000 eingesparte Stunden und die Erkenntnis, dass echter Freiraum oft erst entsteht, wenn sinnlos gewordener Ballast verschwindet, sind das Ergebnis.
Bewahren, Verlernen, Reibung abbauen – all das braucht die richtigen Momente, um zu erkennen, was nötig ist. Hier setzen Anna Dollinger und Katharina Fehse an: Reflexionsräume – ob im Rollenspiel als Stakeholder, als Promi mit unerwarteter Perspektive oder mit Blick aufs Sensoren-Pult – schaffen die Pause, um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen, bevor aus einem kleinen Kursfehler ein handfestes Problem wird.
Die Conclusio könnte so lauten: Stabil durch die Transformation kommt am Ende nur, wer nicht einfach nur verändert oder einfach nur bewahrt, sondern anders und anderes verändert.
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 341, August 2026