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Beitrag von Jens Möller aus managerSeminare 339, Juni 2026
Kognitiv bedingt gelähmt: Was fehlende Entwicklungsfähigkeit mit Denkfehlern zu tun hat
Der Nirwana-Trugschluss: Wie die Illusion der perfekten Lösung Unternehmen zum Stillstand bringt
Der Tocqueville-Effekt: Warum ausgerechnet Verbesserungen Unzufriedenheit schüren
Das Gesetz der Trivialität: Wieso das Unwichtige oft zur Hauptsache wird
Fatal vereint: Wie Denkfehler zusammenwirken
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 339
Stellen Sie sich vor, Sie nehmen am Strategieworkshop eines mittelständischen Unternehmens teil, das seine Angebote im Bereich Kundenservice modernisieren möchte. Das Ziel sind KI-gestützte Chatbots, die Kundenanfragen schneller und effizienter bearbeiten. Die Zahlen zeigen deutliche Potenziale: kürzere Bearbeitungszeiten, weniger Frustration bei Kunden und einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen, die noch auf rein menschlichen Support setzen. Schnell sind sich alle einig: „Wir setzen auf KI im Kundenservice.“ Doch als es an die konkrete Umsetzung geht, verändert sich plötzlich der Fokus. Einige beginnen zu fragen, ob genügend valide Kundendaten vorliegen, um die Chatbots zu trainieren. Andere bestehen darauf, dass zuerst die bestehenden CRM-Systeme konsolidiert werden müssen. Wieder andere argumentieren, dass vorab alle rechtlichen Bestimmungen und Datenschutzanforderungen abgeklärt werden müssten.
Wenn es um Veränderung geht, kommt es in Managementteams oft zu subtilen Blockademustern. Typisch ist zum Beispiel: Konkrete Handlungsmöglichkeiten werden an Bedingungen geknüpft, die aktuell nicht erfüllt werden können. Strategische Schritte werden in eine vermeintlich bessere Zukunft verschoben, in der alle Unsicherheiten „geklärt“ sein sollen.
Die Diskussion wird differenziert, rational und verantwortungsvoll geführt; niemand blockiert offen. Doch unbemerkt entsteht ein typisches Muster: Konkrete Handlungsmöglichkeiten werden an Bedingungen geknüpft, die aktuell nicht erfüllt werden können. Strategische Schritte werden in eine vermeintlich bessere Zukunft verschoben, in der alle Unsicherheiten „geklärt“ sein sollen. Am Ende stehen keine Beschlüsse, sondern weitere Arbeitsaufträge, Analysen, Abstimmungen und ein neuer Workshop. Das eigentlich Verrückte: Alle Teilnehmenden verlassen das Meeting mit dem Gefühl, produktiv gewesen zu sein. Und doch hat sich nichts entscheidend verbessert. Das Unternehmen verliert wertvolle Zeit, während Wettbewerber bereits KI-Projekte umsetzen.
Was hier passiert, ist kein Zufall. Es ist auch kein Versagen einzelner Personen. Es ist das stille, systematische Wirken spezifischer Denkmuster, die so tief in unseren Köpfen verwurzelt sind, dass wir sie in der Regel gar nicht bemerken. Denkmuster, die uns das Gefühl geben, rational und verantwortungsbewusst mit der Lage umzugehen, die uns tatsächlich aber nur scheinbar vernünftige Gründe dafür liefern, warum Veränderung schädlich oder zu riskant ist.