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6. September 2019 | Von Redaktion

DGFP Congress 2019: Aufruf zur vernetzten Zukunftsgestaltung

Die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt sind zu komplex, als dass Unternehmen sie alleine angehen sollten. Davon ist zumindest die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) überzeugt – und hat ihren diesjährigen Kongress unter das Motto #connectingHR gestellt. Dort wurde Anfang September nicht nur intensiv über Wege in die New Work diskutiert, sondern auch darüber, wie HR die Zukunft mitgestalten kann.

Ein Beitrag von Nicole Bußmann und Andree Martens

Am Ende der Session verteilt Catherine Marie Koffnit ihre Visitenkarte und die ihrer Kollegin Carola Garbe. Das Besondere daran: Es ist dieselbe Visitenkarte, auf der einen Seite steht Koffnits Name, auf der anderen der von Garbe. In ihrem Unternehmen, der DB Netz AG, sind die beiden nämlich eins. „Gemeinsam sind wir Chefin – zwei Frauen, ein Job“ – könnte das Modell der beiden HR-Leiterinnen überschrieben sein.

Die Session über dieses Jobsharing der besonderen Art – eine geteilte Führungsstelle – findet auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft der Personalführung Anfang September in Berlin statt, in einem der parallel laufenden Tracks. Garbe erklärt: „Shared Leadership ist unsere Antwort auf New Work“. Wobei die Betonung auf „unsere“ liegt. In der Session wird nämlich auch klar, was überall in den Vorträgen und Diskussionen auf dem Kongress anklingt und Keynoterin Janina Kugel dann so formuliert. „Die eine Zukunft der Arbeit gibt es nicht – und erst recht nicht den einen richtigen Weg.“

Vor allem um Anregungen und Hinweise zu erhalten, welche Wege für sie bzw. ihre Unternehmen am besten passen, sind die rund 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum Kongress des ältesten Personalerverbandes Deutschlands angereist. „In den Unternehmen gibt es aktuell viele Fragezeichen“, resümiert Norma Schöwe, aktuelle Geschäftsführerin der DGFP, am ersten Kongressabend. Entsprechend viele Fragen stellen die teilnehmenden Personalentwickler und HR-Verantwortlichen. In der Session von Garbe etwa diese: Wie hat das Team reagiert, als sie bekannt gaben, sich ihre Führungsstelle teilen zu wollen? Wie stimmen sich die beiden Chefinnen ab? Oder: Führen sie Mitarbeitergespräche allein oder zusammen?

Überhaupt sind es insbesondere die neuen Wege, an denen das Interesse groß ist. In der Session von Flavio Passaro von der ING Deutschland sind alle Plätze belegt. Passaro erzählt von der agilen Transformation der Bank, die dem Spotify-Modell folgt: Es gibt Tribes, Squads, Chapters, weniger Hierarchiestufen, aber nicht unbedingt weniger Führungsrollen (zum ausführlichen Nachlesen: Agilisierung bei der ING Deutschland). Lange am Stück kann Passaro nicht reden, immer wieder schnellen Hände nach oben, es hagelt geradezu Fragen: Wie wurden aus den alten Führungskräften Chapter Leads? Mit welchen Herausforderungen kämpft die Bank aktuell? Zeigt das agile Arbeiten schon Früchte? Wie ist die Stimmung? (dazu auch ein Artikel aus der SZ, aufgehängt an einer Bewertung der ING auf Kununu).

Die Teilnehmenden fragen aber nicht nur die Vortragenden aus, sondern sich auch gegenseitig. Manche bleiben nach den Sessions sitzen, um weiterzureden oder ziehen mit der Diskussion an die Kaffeetische: Was ist eure Erfahrung mit agilen Methoden? Wie geht ihr mit dem Thema Transparenz um? Habt ihr schon ein Leadership-Modell für die neue Zeit entworfen? Der Wunsch nach Austausch ist auf dem diesjährigen Kongress der DGFP stark zu spüren. Das Kongressmotto, abgebildet im Hashtag #connectingHR, daher gut gewählt. Zumal der gegenseitige Austausch alternativlos ist, wie sich Wilhelm Bauer, Geschäftsführer des Fraunhofer IAO und Mitglied des DGFP-Vorstands, in seinem morgendlichen Vortrag am zweiten Kongresstag überzeugt gibt: „Die Wege in die Zukunft sind zu komplex, um sie alleine zu meistern. Deswegen muss sich HR vernetzen.“

So intensiv der Austausch analog läuft, so wenig ist davon in den Social Media zu spüren. Lediglich ein gutes Dutzend der Teilnehmenden nutzt den Hashtag, um das Wissen zu teilen. Dabei gäbe es Input genug: nicht nur aus den Keynotes und parallelen Sessions, sondern auch aus den Podiumsdiskussionen, von den Innovation-Tours zu Berliner Denkfabriken und Zukunftslabs hiesiger Unternehmen zum Auftakt des Kongresses, oder aus den diesmal erstmals stattfindenden Vorstandstalks. In diesen können die Teilnehmenden mit Unternehmensvorständen auf Tuchfühlung gehen und in kleinerer Runde in die Diskussion eintauchen. Das dafür gewählte Setting ist passend wie heimelig: ein Seminar-Kahn, der direkt vor der Kongress-Location, eine im Industrial Charme umgebaute Lagerhalle im Berliner Westhafen, am Ufer vertäut ist.

Janina Kugel ist so eine, die sich in kleiner Talkrunde den Fragen stellt, und ohnehin so etwas wie der heimliche Star des Kongresses, wenn nicht gleich der gesamten Branche. Als kürzlich bekannt wurde, dass ihr Posten als Siemens-Personalvorständin dem Ende entgegen geht, hat das in den Social Media eine Welle des Bedauerns ausgelöst. Kein Wunder, denn Kugel ist präsent, klar, fresh und cool. Auf Instagram postet sie Fotos vom Urlaub, auf dem DGFP-Kongress steht sie im Sommerkleid auf der Bühne, bringt ihre Botschaften auf den Punkt – etwa: „Über Diversität muss man nicht reden, wie soll es dann auch anderes gehen?“ – und erklärt mit Verve, wieso Change immer Chance ist.

„Chance“ heißt aber immer auch, dass es die Möglichkeit gibt, es zu verbocken. Die St. Galler Leadership-Professorin Heike Bruch verdeutlicht das in ihrem Vortrag so: „Wir stehen vor einer Weichenstellung: Entweder wird die Arbeitswelt 2025 wunderbar werden – die Leute sind motivierter, inspirierter, können sehr frei arbeiten, und die Zusammenarbeit funktioniert sehr viel besser. Oder wir haben ein eher düsteres Szenario, wo die Mitarbeiter überfordert sind, wo wir Einzelkämpfer und Vereinsamung haben und auch sehr, sehr viele Jobs bedroht sind.“

Wie es wird, hängt – darin sind sich die Inputgeber auf dem Kongress einig – auch und wesentlich von HR ab. Ariane Reinhart, Vorstandsvorsitzende der DGFP und Personalvorstand bei Continental, bringt die allgemeine Überzeugung in ihrer Begrüßung selbstbewusst auf den Punkt: „Wenn nicht wir, wer dann kann die Geschicke des Landes in so anspruchsvollen und schweren Zeiten lenken.“ Wobei sie nicht nur auf die Transformation rekurrierte, sondern auch auf die drohende Wirtschaftskrise. Diese ist auf dem Kongress zwar kein Dauerthema, kommt aber gerade in den Plenumsvorträgen immer wieder aufs Tapet.

Hinweise, Ideen und Impulse, wie HR dazu beitragen kann, die Weichen auf eine positive Zukunft der Arbeitswelt zu stellen, gibt es an den beiden Kongresstagen. Eine Auswahl:

_ Eine Rolle rückwärts können sich die Unternehmen jetzt nicht leisten. Im Gegenteil: Die Unternehmen brauchen die neuen Arbeitsweisen und -modelle, um in der Krise bestehen zu können (Norma Schöwe, DGFP-Geschäftsführerin)

_ Gerade in harten Zeiten kommt es auf die soften Themen an. (Norma Schöwe)

_ Wir müssen den Regler in den Organisationen stärker auf Freiheit drehen. Je dichter das Regelwerk ist, umso stärker werden die Menschen zu Regelbefolgern sozialisiert. Was wir aber brauchen, sind Querdenker, Menschen, die aus dem Rahmen denken. (Anja Förster, Initiative Rebels of Work)

_ Es muss uns gelingen, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeitern Innovation als immanenten Teil des eigenen Jobs betrachtet. (Anja Förster)

_ Menschen brauchen Zukunftsvisionen ihres Platzes in der Arbeitswelt. Ohne diese wird lebenslanges Lernen immer ein Buzzword bleiben. (Jörg Hofmann, IG Metall)

_ Es geht nicht nur darum, dass Führungskräfte lernen, Verantwortung an ihre Mitarbeitenden abzugeben. Es geht auch darum, dass Mitarbeitende lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist mindestens genauso schwer. Darüber wird aktuell noch zu wenig gesprochen. (Daniel Vonier, SAP)

_ Aktuell findet mit Aussagen wie „Chefs abschaffen? Ja bitte“ ein Führungsbashing statt. Dabei brauchen wir Führung mehr denn je. Allerdings keine hierarchische. (Heike Bruch, Professorin für Leadership, Universität St. Gallen)

_ Gebt den Lernenden ihr Lernen zurück. Statt zu versuchen, den Lernprozess zu steuern – was ohnehin nicht geht –, sollten wir uns darauf konzentrieren, optimale Bedingungen für selbstgesteuertes Lernen im Unternehmen zu schaffen. (Karlheinz Pape, Corporate Learning Community)

Was in den Vorträgen und anderen Formaten immer wieder betont wird: Wichtig ist es, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Keine Angst vor radikalen Veränderungen zu haben – zumal diese nichts sind, was vorbeigeht, sondern vielmehr die neue Normalität beschreiben wie unter anderem Janine Kugel ausführt. Und auch keine Angst vor einer möglichen Krise zu haben. Der offizielle Stargast des Kongresses, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, drückt es in seiner Keynote in bester Politiker-Manier aus: indem er einen Politiker aus alter Zeit zitiert. „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“. Nicht sehr originell? Dafür war es das, was er nachschob und womit er für einige Lacher sorgte: „Die Aussage stammt von einem großen amerikanischen Präsidenten: Theodore Roosevelt. Ja, die USA hatte einmal große Präsidenten.“

Und keine Angst sollte auch die DGFP haben, sich mit ihrem Kongress in die Zukunft zu wagen. Viel hat sie auf ihren Kongressen in den vergangenen Jahren ausprobiert, um die Teilnehmenden mehr in die Kongressgestaltung einzubinden. Nicht alles davon hat gut geklappt, vielleicht der Grund dafür, dass es dieses Mal Input wieder hauptsächlich von vorne gibt. Symbolisch auch die Reservierungen der Plätze in den vorderen Reihen für Keynoter und Vorstand, die Teilnehmenden dahinter, programmatisch zurückgestellt. Sie mit ihrem Wissen nach vorne zu holen, aus den Teilnehmenden mehr Teilgebende zu machen, ist ein Programmpunkt, den die DGFP bei der Gestaltung des Traditionskongresses im Auge behalten sollte.

Foto 1: Janina Kugel von Siemens: „Über Diversität muss man nicht reden.“
Foto 2: Leadership-Professorin Heike Bruch (links) mit DGFP-Geschäftsführerin Norma Schöwe
Foto 3: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zitiert Roosevelt: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht.“
Fotoquelle: DGFP


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, Markt & Meinung, Training & Development

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