Nachtrag zur GSA-Convention

Wer ist ein Speaker?

Für einen kurzen Moment hat das Herz von Siegfried Haider vermutlich ausgesetzt gehabt: dann nämlich, als ihm Samy Molcho beim Mittagessen auf der GSA-Convention Anfang September in Salzburg erklärte, dass er jetzt nicht auftreten wolle. Der Supergau für jeden Veranstalter, auch für den Vize der German Speakers Association, wäre das gewesen, war doch der Auftritt des Körpersprache-Guru eines der angekündigten Highlights der Jahresveranstaltung. Doch Haider konnte Molcho noch umstimmen. Molcho trat auf. Die Frage, die mit seinem Zögern aber im Raum stand, wird noch weiter beschäftigen: Welches Ambiente ist für welche Performance richtig? Was ist eigentlich ein Speaker? Und was dagegen ein Trainer? Es lag nicht am schlechten Essen, dass Samy Molcho ein langes Gesicht zog am zweiten Veranstaltungs-Tag der GSA-Convention in Salzburg. „Nein", erklärte er bestimmt, „er werde nur auf die Bühne treten, um zu erklären, warum er nicht auftrete“. Siggi Haider, der Vizepräsident der GSA, konnte vermutlich kaum glauben, was er da gerade zu hören bekam. Molcho war unglücklich. Mit dem Raum, mit der Bühne, mit der Stimmung, mit der Sitzordnung. Mit den runden Tischen blicke er in Rücken und könne keinen Kontakt zu seinem Publikum aufbauen. Die Stimmung sei wie im Zirkus, die Besucher seien auf Lachen und Humor eingestimmt, unpassend für seinen ruhigen Vortrag, der eben nicht von Lachern und wortgewaltigem Auftreten geprägt sei, sondern eben auch durchs Schauen, durch das Erleben der Körpersprache.

Molcho hatte mit seiner Beschreibung der Stimmung nicht ganz unrecht. Vor ihm war Michael Kerr aus Kanada aufgetreten, sein Thema: "You CAN’T Be Serious! Putting Humor to Work". Clown-gleich war der auf der Bühne rumgesprungen, dem Publikum hatte das gefallen. Danach hatte es noch einen Auftritt von Dale Irvin gegeben. Der Amerikaner begreift sich als professioneller Summarizer und fasst stets ebenso launig wie laut die Kongressinhalte zusammen: „You’ll learn what you should have learned had you been paying attention“. Molcho gefiel das alles nicht: "Ich bin kein Speaker", sagte er. Eine zugegeben nicht zu erwartende Reaktion des Gurus, der durchaus auch schon auf Großveranstaltungen wie damals jenen von Jürgen Höller aufgetreten war.

Während sich allerdings Molcho nachher auf das Thema Körpersprache versus Wort als Begründung für seine Aussage, kein Speaker zu sein, zurückzog, entbrannte bei den Teilnehmern in Flurgesprächen tatsächlich eine Diskussion: Wer oder was ist eigentlich ein Speaker? Was unterscheidet einen Speaker von einem Trainer? Und ist nicht unter Umständen "gefährlich", wenn Entscheider die Speaker sehen und erleben und ihre Performances irrtümlich für Trainings halten?

Fragen, die getrost gestellt werden dürfen und auch beantwortet werden müssen. Die GSA freilich hat ihre Definitionen gefunden, sie unterscheidet gemäß ihrem amerikanischem Vorbild nicht wirklich zwischen Speaker und Trainer (Was hierzulande Trainer heißt, ist dort im angelsächischen "Teacher"). Solange die GSA mit ihren Veranstaltungen vorwiegend Besucher anzieht, die das Reden vor Publikum lernen wollen, die sich was abgucken möchten von der tatsächlich höheren Bühnen-Performance der internationalen, vor allem angelsächsischen Speaker, ist das Abgrenzungsproblem zwischen Speaker und Trainer wenig dramatisch. Dann nämlich ist der Speaker jemand, der neben dem Werkzeugkoffers des Trainers auch noch das Handwerkszeug des Redners mitbringt: die Emotionalisierung, das Storytelling. Schwierig wird es unter Umständen, wenn sich Einkäufer unter die Teilnehmer mischen, die weniger gut zu unterscheiden wissen zwischen einer erkenntnis-vermittelnden Keynote, die das Ziel hat, Menschen zu öffnen, und einem Training, das übt und dialogorientierter von statten geht als eine Speech. Die Deutschen sind oft lange schon Trainer, bevor es sie auf die große Bühne zieht und sie Speaker werden. Ob das in anderen Ländern ähnlich ist? Die TV-Berichterstattung von der NSA zeigte jedenfalls, dass es Vortragende gibt, die sich als Speaker begreifen, nicht aber als Trainer...
15.09.2008
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