#DGFPcongress 2016

Vom Silicon Valley in die Arbeitswelt von morgen

Unter dem Motto "Zukunft. Blicke" widmete sich der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Personalführung Mitte April der Arbeitswelt der Zukunft. Knapp 300 Personaler kamen nach Berlin, um sich über die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr Geschäft zu informieren. Zu den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt gaben hochkarätige Unternehmensvertreter Auskunft. managerSeminare hat mit einigen von ihnen Interviews geführt.

Die größte Taxifirma der Welt heißt Uber und hat keine Taxis, der größter Anbieter von Zimmern verfügt über keine eigenen Immobilien, es ist AirBnB, die größte Medienfirma der Welt ist Facebook, doch eigene Inhalte hat sie nicht. Mit der Beschreibung unserer durch disruptiven Wandel geprägten Welt begann der DGFP-Kongress am 20. April in Berlin. Die Beispiele zählte Christoph Keese auf. Er ist Executive Vice President des Axel Springer Verlags, einem Unternehmen, das als Medienhaus viel Erfahrungen mit Angriffen auf sein Geschäftsmodell hat.

Keese zog 2013 für ein halbes Jahr in das Epizentrum des World Wide Web: ins kalfifornische Silcon Valley. Die WG des Springers Verlags wurde nicht zuletzt durch die äußere Veränderung von Kai Diekmann legendär, der Bild-Chef kehrte mit Hipster-Bart und Brille zurück nach Deutschland. Doch obwohl die Springer-Story über den Ausflug ins mächtigste Tal der Welt bereits bekannt ist, stimmte Keeses Keynote pointiert auf das Thema ein, das sich die Deutsche Gesellschaft für Personalführung für ihren Jahreskongress gesetzt hatte: „Zukunft.Blicke“ wurde das Motto sprachlich leicht schräg auf der Einladung angekündigt, inhaltlich ging es um die Arbeitswelt von morgen.




Keese sprach als Vertreter einer Branche, deren Geschäftsgrundlagen durch die Digitalisierung radikal verändert wurden. Man kann auch sagen: Das Internet hat die Verlage in ihren Grundfesten erschüttert. Springer hat den radikalen Umbau zu einem digitalen Verlagshaus vollzogen, heute sind 80 Prozent des Anzeigengeschäfts bei Springer digital, die Stellenanzeigen etwa sind komplett nach Stepstone abgewandert. „Es reicht nicht, das Stammgeschäft digitaler zu machen“, mahnte Keese die Besucher des Kongresses an.

„Wenn die Digitalisierung von allen gesehen wird, ist es zu spät“, rief auch Christian P. Illek zum Handeln auf. Der Personalvorstand der Telekom sprach über die Ambidextrie. Gemeint ist damit die „Beidhändigkeit“, der Spagat zwischen der Exploitation, der Ausnutzung der bestehenden Geschäftsfelder, und der Exploration, der Erkundung von Neuem. Für die Telekom bedeutet die Digitalisierung daher Handeln auf verschiedenen Ebenen: etwa die Erhöhung der Effizienz bestehender Arbeitsabläufe durch Technologie (Stichwort Automatisierung). Einbeziehung der Mitarbeiter, Veränderung der Art und Weise, wie gearbeitet und auch geführt wird: partizipativer, virtueller... Last but not least: Steigerung der Innovationstätigkeit im Bereich der Telekommunikation.




„Wir sind schon mitten drin im Arbeiten 4.0, und es hat bisher kaum weh getan". In Sachen Dringlichkeit und Digitalisierung gab sich Margret Suckale gelassen. Laut ihrer Einschätzung hat die chemische Industrie erst spät mit der Digitalisierung begonnen und wird auch noch Zeit haben, sich auf die Auswirkungen vorzubereiten. Für die Arbeitsdirektorin der BASF SE ist die Digitalisierung keine Revolution, sondern eine Evolution. Die Rolle des HR-Managements sieht sie aktuell in erster Linie im Begleiten der Mitarbeiter und Sozialpartner und im Ängste nehmen, denn, daraus machte sie keinen Hehl: Viele Berufsfelder werden sich verändern, einige auch ganz wegfallen.




Wenn sich die Arbeitswelt verändert, Strukturen fluider werden, Hierarchien weniger, die Arbeit virtueller wird, muss sich auch Führung verändern. „Führung neu denken“ hieß der Vortrag von Heike Bruch, mit dem das DGFP-Vorstandsmitglied eine Antwort geben wollte. Die Professorin für Leadership unterschied zwischen transaktionaler und transformationaler Führung und betonte: Werte sind wieder en vogue. Gerade die jungen Leute wollen wieder die alten Werte.




Wie vielfältig die Antworten auf die Frage nach der Zukunft der Führung aussehen, zeigte die Ausgestaltung des Thementracks Führung. Einleitend wurde ein short cut des Films Augenhöhe gezeigt - mit Beispielen von Firmen wie Haufe umantis, die Führungskräfte wählen lassen. Es folgten die bereits erwähnten Ausführungen von Heike Bruch. Hernach wurde der St. Galler Leadership Award verliehen. Die Preisträger: allesamt große Unternehmen, die Konzepte daher nicht unbedingt revolutionär, aber immerhin mutig. Ein etwas zusammenhangloser Blick in Führung also – getreu dem Motto: „Zukunft.Blicke“.

02.05.2016
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