Sabine Asgodom über die Initiative „Reden für Menschlichkeit“

Das Thema Flüchtlinge ist in aller Munde. Inzwischen auch von denen, die von Berufswegen ihren Mund aufmachen. Besonders bemerkenswert in dieser Hinsicht ist Sabine Asgodom, bekannter Coach und prominente Rednerin. Sie hat mit einem Facebook-Post eine Initiative für mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander gestartet. Kommenden Sonntag startet das erste Event. managerSeminare hat sie dazu befragt.

Frau Asgodom, kommenden Sonntag findet in München eine Matinee statt, das Thema „München menschelt“. Was hat es damit auf sich?

Sabine Asgodom: Heidi Schiller, eine Redner-Kollegin aus der German Speakers Association und inzwischen Vorsitzende der Grünen in München, hat vor einer Woche in Facebook gepostet, dass sie in diesem Jahr sicher nicht aufs Oktoberfest geht und lieber Alternativen sucht. Ich habe ihr geantwortet, dann lass uns doch eine Veranstaltung zum Thema „Menschlichkeit“ machen. Wir haben telefoniert, uns zusammengesetzt und innerhalb von fünf Tagen das Programm zusammengestellt, die Location besorgt, das Ampere in der Muffathalle, und Kolleg/innen dafür begeistert. Wir wollen verschiedene Menschen erreichen, solche, die sich engagieren und solche, die Angst haben. Wir wollen Menschen ins Gespräch bringen und niemanden ausgrenzen. Wir halten nichts von Beschimpfungen, denn wir glauben an die Macht der Worte. Dabei geht unser Thema weit über die Flüchtlingssituation hinaus: Wie leben Nachbarn miteinander, wie achten wir andere? Wie gehen Vorgesetzte mit Mitarbeitern um - oder wir mit der Brötchenverkäuferin morgens um sieben? Wir möchten mit Worten verbinden, weil wir wissen: Wenn Menschen miteinander reden, wächst das Verständnis füreinander.

Die Initiative „Reden für Menschlichkeit“ geht auf ein Facebook-Posting von Ihnen zurück. Was war der Anlass dazu?

Angesichts des Flüchtlingsstroms - und mehr noch durch Hass-Attacken – habe ich vor sechs Wochen auf Facebook gepostet: „Thema Flüchtlinge - die Zeit des Schweigens ist vorbei. Jetzt müssen sich die Menschen zu Wort melden, die fühlen und mitfühlen. Wo seid Ihr, Redner und Rednerinnen, die die Gabe haben, Menschen zu begeistern und zu motivieren? Redet Ihr auch, wenn Ihr kein Geld dafür bekommt - für Menschlichkeit und friedliches Zusammenleben? Ich hab da eine Idee. Wer denkt mit darüber nach: Reden für Menschlichkeit - Veranstaltung in mehreren Städten? Im November/Dezember?“

Was für Reaktionen haben Sie auf Ihre Idee zu den „Reden für Menschlichkeit“ erhalten? Im positiven wie negativen?

Ich habe ausschließlich positive Reaktionen bekommen. Allein in den ersten zwei Tagen haben sich über 100 Kollegen und Kolleginnen gemeldet, die uns bei „Reden für Menschlichkeit“ unterstützen wollen. Inzwischen hat unsere Facebook-Gruppe knapp 400 Mitglieder. Zusammen mit Gaby S. Graupner, Peter Brandl, Angela Grabowski, Eberhard Jung, Lutz Langhoff, Inge Bell, Christina Emmer, Edgar und Ariane Itt haben wir ein Gründungs-Komitee gebildet, um das Veranstaltungs-Konzept für „Reden für Menschlichkeit“ auszuarbeiten. Unter den Unterstützern sind auch Kolleg/innen wie Michael Langheinrich, Stefan Sohst, Margit Hertlein, Jumi Vogler, Laura Baxter, Maxim Mankevich, Monika Hein, Ulrike Scheuermann, John Christoph Berndt, Felix A. Schweikert, Nils Bäumer, Karin Lohner, Sonja M. Lauterbach, Heinrich Kürzeder, Andrea Gündera, Ingrid Amon und René Borbonus... Ach, am liebsten würde ich alle nennen. Ich war so überwältigt von der Reaktion und der unglaublichen Hilfsbereitschaft!

Wie soll es mit der Initiative weitergehen?

Ziel ist es, in vielen kleinen und großen Städten Veranstaltungen aller Art zum Thema Menschlichkeit zu organisieren. Es arbeiten mehrere Gruppen an Ideen für Events und Aktionen, z.B. in Berlin und Hamburg haben sich Kolleg/innen zusammengefunden. Es gibt eine Gruppe um Gabriele Kretzer, die überlegt, was man für Flüchtlingskinder tun kann. Und unsere Vorbereitungsgruppe für einen Groß-Event plant im nächsten Jahr eine Veranstaltung in Berlin. Wir träumen von einer mehrstündigen Show mit Redner/innen, Kabarettisten, Poetry Slam und Musik – und die ersten Kontakte klingen vielversprechend. So hat uns der Musiker und Schauspieler Ron Williams („Martin Luther King“) schon zugesagt.

Können sich an Ihrer Aktion weitere Personen aus dem Umfeld der professionellen Weiterbildung beteiligen? Und wenn ja, wie?

Ja, auf jeden Fall. Wir suchen versierte Redner und Rednerinnen, die in zehn oder 20 Minuten etwas zum Themenfeld Menschlichkeit zu sagen haben, das reicht von Selbstbewusstsein bis Respekt, von Haltung bis Zuhören... Wir wünschen uns statt Vortragsroutine außergewöhnliches Engagement, Inspiration und Impulse. Wir bitten um Unterstützung von Vortragsveranstaltern und Eventplanern. Und wir suchen Firmen als Sponsoren. Alle, die sich in der Initiative „Reden für Menschlichkeit“ engagieren, machen das übrigens ehrenamtlich und ohne Werbung für sich. Wir verzichten deshalb auch auf das Auslegen von Flyern der Redner, und es gibt keine Werbe-Roll-ups!

Wer die Aktion „Reden für Menschlichkeit“ unterstützen will, kann den Initiatoren schreiben - entweder über die Facebook-Seite oder ab Montag, dem 28. September, über die neue Website.
22.09.2015
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