Studie

Narzisstische Führungskräfte haben zufriedenere Mitarbeiter

Psychopathie, Machiavellismus und Narzissmus – wie wirkt sich die sogenannte Dunkle Triade der Persönlichkeitseigenschaften im Führungskontext aus? Dieser Frage sind Forscherinnen der Uni Bamberg nachgegangen. Die Wirkung einer der drei als negativ geltenden Eigenschaften hat sie überrascht – denn die war ziemlich positiv.

Frau Koch, Sie haben die Auswirkungen der sogenannten Dunklen Triade im Führungskontext untersucht. Sollten wir Ihren Ergebnissen zufolge jetzt besser vom Dunklen Duo reden?

Iris Koch: Nehmen wir lieber den Begriff der Malicious Two, also der bösartigen Zwei. Unter diesem fassen manche Forscher Psychopathie und Machiavellismus zusammen, die im Unternehmenskontext als besonders kritisch gelten. Narzissmus gilt in diesem Zusammenhang als weniger schädlich.

Im Studienbericht bezeichnen Sie Narzissmus aber nicht nur als weniger schädlich, sondern sprechen sogar von einer aus Mitarbeiterperspektive hellen respektive positiven Persönlichkeitseigenschaft einer Führungskraft.

Stimmt, diesen Schluss lassen unsere Ergebnisse zu – und das hat uns selbst überrascht. Wir haben erwartet, das Wohlbefinden der Mitarbeiter nehme ab, wenn ihre Führungskraft zu Narzissmus tendiert. Denn es ist anzunehmen, dass diese sie dann weniger fachlich wie emotional unterstützt, sich die Mitarbeiter von ihr weniger wertgeschätzt und eher allein gelassen fühlen. Narzisstische Personen interessieren sich nämlich weniger für die Empfindungen und Wünsche anderer und nehmen auf diese mithin auch weniger Rücksicht. Tatsächlich konnten wir aber keinerlei Zusammenhang zwischen dem Narzissmus einer Führungskraft und dem Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter finden.

Das macht Narzissmus aber noch nicht zu einer hellen Eigenschaft von Führungskräften …

Nein, allein nicht. Wir haben aber nicht nur keine negativen Effekte von Narzissmus gefunden, sondern auch positive nachweisen können. Narzisstische Charaktermerkmale von Führungskräften haben sich als positiv für die Beförderungschancen und die Gehaltsentwicklung ihrer Mitarbeiter erwiesen. Zugespitzt formuliert: Je narzisstischer eine Führungskraft ist, desto besser werden ihre Mitarbeiter entlohnt und desto eher kommen sie im Job weiter. Mithin ist die Karrierezufriedenheit von Mitarbeitern hoch narzisstischer Führungskräfte tendenziell auch höher.

Woran liegt das?

Da können wir nur Vermutungen anstellen. Ein Hauptmerkmal von Narzissten ist, dass sie kontinuierlich nach Selbstwertbestätigung suchen, nach Anerkennung und Großartigkeit. Wenn sie ihre Mitarbeiter finanziell und karrieretechnisch weiterbringen, sichern sie sich deren Bewunderung. Das ist wahrscheinlich die Hauptmotivation. Zudem spielt sicher auch eine Rolle, dass sie auf diese Weise eine deutliche Außenwirkung erzielen können. Der Karriereerfolg der eigenen Mitarbeiter fällt natürlich auch auf sie zurück. Die Führungskraft kann sich sozusagen im Glanz ihrer Mitarbeiter sonnen.

Ist es nicht genauso denkbar, dass hoch narzisstische Führungskräfte ihre Mitarbeiter nicht stärker fördern, sondern nur intensiver nach solchen Mitarbeitern suchen, die besonders erfolgsversprechend sind?

Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich vermute, dass hochnarzisstische Führungskräfte beides machen. Wobei die Führungskraft natürlich auch im Sinne des Unternehmens handelt, wenn sie besonders gute Mitarbeiter an Land zieht – ob dahinter nun eine narzisstische Motivation steckt oder nicht. Auch so betrachtet wäre Narzissmus im Führungskontext letztlich also eine positive oder helle Eigenschaft.

Das Interview führte Andree Martens

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Foto: Die Psychologin Iris Koch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Bamberg. Zusammen mit der Lehrstuhlinhaberin Judith Volmer hat sie 811 Beschäftigte befragt. Zuerst sollten diese die Persönlichkeit ihrer direkten Führungskraft einschätzen. Drei Monate später baten die Wissenschaftlerinnen sie, den eigenen Karriereerfolg und ihr Wohlbefinden im Arbeitsumfeld zu bewerten. Fotoquelle: Vera Katzenberger/Universität Bamberg

Eine ausführlichere Darstellung der Studienergebnisse gibt es in der nächsten Ausgabe von managerSeminare zu lesen.

03.11.2016
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