20 Jahre managerSeminare

Gründer Gerhard May im Interview

Heute vor zwanzig Jahren ist die erste Ausgabe managerSeminare erschienen (siehe Abbildung). Im Interview erläutert Gerhard May, einer der Gründer und heutige Geschäftsführer von managerSeminare, wie es damals war. Und was er sich für die Zukunft wünscht.

Vor genau 20 Jahren hielten Sie die erste Ausgabe von managerSeminare in den Händen. Was war das für ein Gefühl? Gerhard May: Stolz, ein unbändiger Stolz – fast wie bei der Geburt meiner Söhne. Und auch eine gewisse Müdigkeit. Vorangegangen waren drei Monate, in denen alles neu er- und gefunden werden musste: der Titel und seine grafische Umsetzung, Inhalte und Autoren, ein sinnvolles Vertriebskonzept (zahlende Leser gab es noch nicht) und natürlich Werbekunden, die unsere Begeisterung für ein Weiterbildungsmagazin teilten. Die letzten zwei Wochen, bevor die fertigen Filme in die Druckerei gingen, waren extrem anstrengend – ein 24Stunden-Job. Wir haben kaum geschlafen.

Haben Sie Reaktionen erhalten auf die erste Ausgabe?

May: Wir sind weder für den Pulitzerpreis vorgeschlagen worden noch hat man uns den xy-Orden angetragen. Ein wenig hat mich das schon enttäuscht... Es gab eine freundliche Grundstimmung bei Lesern und Anzeigenkunden, viel mehr eigentlich nicht. Die schönste Reaktion war für mich die Resonanz aus der Branche, als wir für die zweite Ausgabe Anzeigenkunden anriefen. Viele haben bei dieser und vielen folgenden mitgemacht. Dafür bin ich noch heute dankbar. Ohne sie gäbe es managerSeminare nicht, weder die Zeitschrift noch den Verlag. An eine nette Anekdote am Rande erinnere ich mich während der didacta in Stuttgart, bei der wir keinen Stand hatten, sondern „zu Fuß“ das neue Heft vorgestellt haben: Der Anzeigenleiter eines Mitbewerbers prophezeite uns das baldige Verschwinden vom Markt. Einige Jahre später haben wir diese Publikation gekauft.

Was war für Sie selbst das Schwierigste beim Start des neuen Magazins?

May: Das hört sich wie ein Klischee an, aber die Finanzierung des Drucks hat mir die größte Mühe bereitet. Wir hatten fast 50.000 DM an Aufträgen vorliegen und benötigten ca. 20.000 DM, um das erste Heft drucken zu lassen. Unsere eigenen Mittel waren inzwischen aufgebraucht. Und es gab tatsächlich keine Bank, die uns den Betrag für einige Wochen vorstrecken wollte. Bis auf... eine kleine Sparkassen-Filiale in Bonn-Kessenich, dessen Leiter von unserem Thema angetan war und deshalb auf eigene Verantwortung das Geld zur Verfügung gestellt hat. Die Sparkasse KölnBonn ist auch heute noch unsere Hausbank.

Was war Ihre Idee, in einen ja schon bestehenden Weiterbildungsmarkt ein neues Magazin zu platzieren?

May: Ich bin ehrlich, wir kannten den Weiterbildungsmarkt und die schon bestehenden Publikationen gar nicht richtig. Aber vielleicht war ja diese jugendliche Unbekümmertheit ein Vorteil. Der damalige Chefredakteur und heutige Lektor Jürgen Graf und ich, wir kamen beide aus einem kleinen Wirtschaftsverlag und wollten Führungskräften, Unternehmern und Selbstständigen einen Quartalsüberblick über sinnvolle Qualifizierungen geben. Das, was wir bis zu diesem Zeitpunkt an Chefs erlebt hatten, war durch die Bank qualifizierungswürdig. Tatsächlich gab es zwei Publikationen, die sich zwar im Weiterbildungsmarkt bewegten, aber nicht die Menschen berührten. Ohne dass es uns bewusst war, haben wir mit managerSeminare eine Lücke gefüllt.

Was hat das Magazin aus Ihrer Sicht geschafft, was nicht?

May: Davon einmal abgesehen, dass der Verlag heute ca. 40 Menschen ein berufliches Zuhause bietet, in dem es Spaß macht, zu arbeiten, gibt es einen fühlbaren Einfluss auf die Branche, den ich aber nicht wirklich beweisen kann. Wir haben zusammen mit vielen anderen Menschen und Organisationen geholfen, die Weiterbildungsbranche zu qualifizieren. Sie, liebe Frau Bußmann, bringen mit der Redaktion eine journalistische Qualität in diesen wichtigen Markt, der manchmal noch nicht einmal von weitaus größeren Verlagen eingehalten wird. Das hat im Laufe der Jahre dazu geführt, dass der Weiterbildungsmarkt und alle daran Beteiligten, die Trainer, Coachs, Berater, Personalentwickler, Moderatoren, Supervisoren, Wirtschaftspsychologen etc. ernst genommen werden. Sie haben sich verschrieben, Menschen und ihre jeweiligen Organisationsformen anzustoßen, weiterzuentwickeln, kurz: die berufliche Welt lebenswerter zu machen. Dafür verdienen sie Anerkennung, die sich durch ein professionelles Leitmedium wie das unsere ausdrückt.

managerSeminare ist längst nicht mehr nur ein Printmagazin, sondern auch ein Buchverlag, ein Internetportal, ein Veranstalter... Was erfreut Sie an der Entwicklung der Marke am meisten?

May: Genau das. Wir sind auch ein Buchverlag, ein Internetportal, ein Veranstalter, ein Filmproduzent, ein fachlicher Berater, der Mittelpunkt einer Community... Wir entwickeln uns zusammen mit den Menschen, für die wir publizieren, unabhängig von dem jeweils genutzten Medium. Jeder Mitarbeiter, jeder Autor, jeder Anzeigenkunde und jeder Leser ist ein Teil von managerSeminare. Nicht wir entwickeln eine Marke und tragen sie in den Weiterbildungsmarkt, sondern alle Beteiligten sind die Marke.

Was ist Ihre persönliche Vision?

May: Die für mich persönlich wichtigsten Themen sind Führung (speziell Führungspsychologie), Macht und Ethik. Warum agieren Führungskräfte manchmal - scheinbar aus purem Egoismus - gegen das Wohl der Gesellschaft, die ihnen zu Status und Macht verholfen hat? Wer kontrolliert die Führenden der Gesellschaft (in Politik, Wirtschaft und Kirche), die keine Begrenzung ihrer Macht mehr fühlen? Ich würde mich freuen, wenn ein Weg gefunden wird, geeignete von ungeeigneten Führungspersönlichkeiten zu unterscheiden und (noch) nicht geeignete Personen entsprechend zu qualifizieren. Wobei das automatisch zu einer Wertediskussion führt: Wann ist eine Führungskraft geeignet? Wozu ist sie geeignet? Welche Führungskräfte braucht diese und jede andere Gesellschaft?

Was wünschen Sie der Weiterbildung für die kommenden 20 Jahre?

May: Im Rahmen von organisierter Weiterbildung sollte noch stärker auf die Eigenheiten des Weiterzubildenden geachtet werden, auf seine Stärken, seine Schwächen, seine psychischen Begrenzungen. Weiterbildung ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch Entwicklung von Persönlichkeiten, die in dieser Gesellschaft, mit ihr und für sie agieren. Die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde muss in allen Bereichen, auch im Berufsleben eine höhere Priorität erhalten. Das bedeutet ein Umdenken in einigen Unternehmen – auch da können die am Weiterbildungsprozess Beteiligten (Weiter-)Entwicklungshilfe leisten.

Und was wünschen Sie dem Verlag?

May: Seit zwei Dekaden kommuniziert unser Verlag über seine Publikationen wichtige Botschaften für das berufliche Zusammenleben, die länderübergreifend gültig sind. Durch das Internet und neue Medienformate wie z.B. ePaper und eBook sind wir in der Lage, Inhalte bezahlbar auch in andere Sprachen zu übersetzen und im Ausland zu verbreiten. Also vielleicht wird es Zeit, dieses Wissen zu „exportieren“.
27.09.2010
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