Bewerbermagnet

365 Ideen von 871 Personen in einem Buch

Zugegeben: Das Buch "Bewerbermagnet" hätte mich nicht so rasend interessiert, als dass ich es hätte rezensieren wollen. Dass ich doch reingelesen habe, verdankt es seiner ungewöhnlichen Entstehung: Es ist via Open Innovation enstanden und vermittelt so die Ideen von 871 Personen.

Über Open Innovation wird viel geschrieben und viel geredet. Meist werden die gleichen Beispiele für diese Art des Crowdsourcings angeführt: Tchibo, Procter & Gamble, Lego... Sie alle bauen auf die Intelligenz der Masse und lassen externe Experten via Internet Lösungen für neue Produkte und Dienstleistungen ertüfteln. Die besten Ideen werden honoriert und umgesetzt.

Ob die in "Bewerbermagnet" gesammelten Ideen umgesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt. Interessant gleichwohl ist die Idee von Axel Haitzer, Herausgeber und Mitautor des Buches. Er selbst nennt sich "Büchermacher", verkürzt "Macher", weil das in seinen Ohren "kraftvoll und flexibel" klingt. Wer das Vorwort gelesen hat, weiß, dass er kein "normales" Buch vor sich hat. Haitzer hat sich inspirieren lassen von "365 Ideen, wie man(n) Frauen nachhaltig faszinieren kann". Letztlich hat er das Prinzip abgeguckt: Er zahlte für die Einrichtung einer Ideen Lounge bei brainfloor.com und konnte damit auf das Gedankengut der Brainworker zurückgreifen. 1.207 Ideen rund um die Fragestellung "Was müssen wir tun, um effizient qualifizierte und motivierte Bewerber anzuziehen?" gingen ein. Und die hat er sortieren, bewerten, verdichten lassen. Von einer zwölfköpfigen Jury, in der sich einige namhafte Experten befinden: Klaus Kobjoll etwa und Prof. Dr. Armin Trost.

Soweit zu der eindrucksvollen Entstehung. Diese nimmt auch im Buch Raum ein: Freilich will diese Geschichte erzählt sein und auch das Gremium gebührend vorstellt werden. Nach einer Gebrauchsanleitung und einer weiteren Einleitung geht es auf Seite 67 endlich los mit den Ideen. Dieses sind gesammelte Aussagen, sortiert nach Stichworten wie "Selbstverwirklichung", "Führungskräfte, Führungsstil und Menschenbild" oder "Alternative Honorierungsmodelle". Da finden sich Aussagen wie "Bieten Sie dem Mitarbeiter im Gegenzug zu Überstunden z.B. Weiterbildungsmöglichkeiten an". Auf Seite 149 ist damit dann Schluss.

Schluss heißt jedoch nicht, dass das Buch an dieser Stelle aufhört. Es folgt einiges an Nachgeplänkel: ein Hinweis, wie man Zugriff auf die restlichen 842 Ideen, die nicht veröffentlicht wurden, erhält (eigenartig, wenn man dem Verfahren mit der Expertenjury vertraut, wohl aber einem Gespräch mit Lehrikone Vera F. Birkenbihl zu verdanken), die Namen der 871 Ideengeber (was soll man damit?), 365 Zitate zum Thema (fleißig), ein Dankeschön, ein Anhang-/Ergänzungs-/Exkurs-/Nachtrag-Kapitel. Spätestens jetzt weiß man, warum das Buch bei "Books on demand" gedruckt wird. Haitzer gibt denn auch freimutig zu, dass er alle seine Ideen verwirklicht wissen wollte und dafür lieber investiert hat als sich mit einem Verlag über die Erscheinungsform zu verstreiten.

Fazit: Als Buch schwer zugänglich. Vielleicht dient es dem "Macher" als Marketingtool. Als Datenbank im Internet könnte ich es mir besser vorstellen. Eine Website ist nach Aussage von Haitzer in Planung.

Kostenpunkt: 29,90 Euro. Erscheinungstermin: nach Aussage von Haitzer - bald :-)
16.08.2011
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