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Beitrag von Matthias Wallisch aus Training aktuell 05/26, Mai 2026
In der Coachingsitzung ist es ruhig. Fast fühlt es sich an, als hätte die Klientin bereits eine Lösung für sich gefunden. Sie beschreibt ihre Führungskraft sachlich, beinahe nüchtern, schon fast zu distanziert und beobachtend. Die Stimme bleibt kontrolliert, die Worte sind gewählt, die Situation wirkt äußerlich geklärt. Nichts deutet auf eine Eskalation hin, nichts scheint außer Kontrolle geraten zu sein. Erst am Ende ihrer Erzählung fällt auf, dass sie kurz innehält. Sie presst die Lippen zusammen und sagt kaum hörbar: „Es macht mich wahnsinnig. Ich bin einfach so wütend auf meinen Chef“ und fügt dann hinzu „aber ich darf mir das nicht anmerken lassen.“
Solche Momente sind im Coaching keineswegs selten. Wut ist eine Emotion, die längst kein Randphänomen mehr darstellt, sondern sich zu einem zunehmend präsenten Thema in unserer heutigen Gesellschaft entwickelt hat. Studien zur psychischen Gesundheit und zu Arbeitsbedingungen, etwa der Working Conditions Survey der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), weisen seit Jahren auf zunehmende emotionale Erschöpfung, das Gefühl von Kontrollverlust und anhaltende innere Anspannung hin. Alles Faktoren, die oft mit erhöhter Reizbarkeit, Ärger und Wut einhergehen. Entsprechend kommen immer mehr Klientinnen und Klienten in einem solchen Zustand ins Coaching. Für Coachs wächst damit die Anforderung, sich mit der Emotion Wut auseinanderzusetzen, ihr professionell zu begegnen und zu wissen, wie man Klientinnen und Klienten diesbezüglich fachlich fundiert begleiten kann. Denn: Die Art und Weise, wie im Coaching mit Wut umgegangen wird, kann den Verlauf und die Qualität des gesamten Prozesses maßgeblich beeinflussen.