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Beitrag von Petra Isabel Schlerit aus Training aktuell 08/25, August 2025
Hoch über dem Mars sitzt er auf einem Phönix. Unter sich sieht er die roten Ebenen, darüber die Weite des Alls. Und direkt vor sich: seine eigene Lebenslinie. Vom Studium bis heute, mit all den Momenten, die ihn geprägt haben. Konflikte, Entscheidungen, Weggabelungen – jede Station ist sichtbar und räumlich erfahrbar, denn sie wurde in 3D-Modellen inszeniert. Alles hat er mit nüchterner Präzision selbst zusammengestellt. Doch nun, aus der Vogelperspektive, weit weg von Meetings, To-do-Listen und Karrierepfaden, passiert etwas. Plötzlich versteht er, was diese Timeline wirklich zeigt: nicht nur berufliche Stationen, sondern emotionale Spuren. Er erlebt, was er vorher nur geplant hat. Natürlich ist er dafür nicht wirklich zum Mars gereist, und auch der Phönix existiert nicht in Wirklichkeit. Er befindet sich in einem Virtual-Reality(VR)-Raum, neben ihm die Trainerin, die ihn hierher navigiert hat.
Und diese emotionale Erfahrung in VR ist kein Einzelfall. Durch die immersive Umgebung wird Lernen zu einer verkörperten Erfahrung – ein Prinzip, das die Psychologin und VR-Expertin Mina Johnson-Glenberg als Embodied Learning beschreibt. Dabei werden Bewegungen und Gesten kongruent zum Lerninhalt ausgeführt, wodurch Informationen körperlich und emotional verankert werden. Das Resultat: ein intensiveres Verstehen, höhere Erinnerungsleistung und eine bessere Transferfähigkeit.
Ein Schlüssel dazu liegt im autobiografischen Gedächtnis – jenem Teil, in dem persönlich bedeutsame Ereignisse gespeichert werden. Erlebnisse in VR aktivieren und verstärken zusätzlich die emotionale Komponente in der Amygdala, was die Gedächtnisbildung über neurochemische Prozesse verstärkt. Dadurch entsteht ein inneres „Ich war dabei“-Gefühl, das besonders rationalen Menschen hilft, einen besseren Zugang zu ihren emotionalen Ebenen zu finden. VR-Umgebungen können diese emotionale Komponente gezielt nutzen – durch immersive Szenarien mit persönlicher Relevanz. Darüber hinaus fällt es vielen als Avatar leichter, neue Verhaltensweisen auszuprobieren oder heikle Themen zu reflektieren. Das stärkt auch die psychologische Sicherheit im Lernprozess.