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Training quo vadis?
Training quo vadis?

Perspektiven, Positionen, Prognosen

Die Frage „Training quo vadis?“ stand beim Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) zu Jahresbeginn gleich mehrfach im Fokus: Sie rahmte Mitte Januar einen digitalen Expertentalk mit vier Branchenstimmen und wurde Ende Januar beim BDVT-Camp durch eine Meinungswand weitergeführt. Im Mittelpunkt standen hier wie dort Grundsatzfragen zur Zukunft des Trainings: Welche Rolle werden Trainerinnen und Trainer einnehmen? Wie positionieren sie sich in einem veränderten Markt? Welche Bedeutung erhält Künstliche Intelligenz? Und was erwarten Auftraggeber heute von Weiterbildung? Training aktuell mit Prognosen und Perspektiven aus beiden Verbandsformaten.
Noch bevor die erste These ausgesprochen war, ließ eine Wortwolke erahnen, wie unsicher die Branche das Jahr 2026 wahrnimmt: „KI“ war zu lesen neben „Innovation“ und „Neupositionierung“, ebenso „Budgetkürzungen“ und „herausfordernd“. Mit diesem Stimmungsbild via Mentimeter eröffnete Moderator Jonas Leimann den Talk „Training quo vadis“. Screenshot BDVT-Expertentalk Training quo vadis?

„Trainerinnen und Trainer müssen Pfadfinder sein“ – Christian Gauß-Kuntze plädierte im BDVT-Expertentalk bewusst gegen das Bild vom Trainer als allwissenden Instrukteur. Der Leiter der Fachgruppe „Neues Lernen“ konkretisierte: Es gehe nicht darum, den Weg auszubuchstabieren, sondern darum, Orientierung für die ersten Schritte zu geben, zu begleiten, ohne abzunehmen. Damit verschob Gauß-Kuntze das Rollenverständnis. In einer Welt, in der Wissen jederzeit verfügbar ist, sieht er Weiterbildende nicht mehr als Vermittler, sondern als Sortierer, Gestalter und Kulturarbeiter. Fünf Rollen hält er für zentral: den Content-Kurator, der Inhalte auswählt und einordnet, den Content Creator, der bei Bedarf selbst produziert, den Lerncoach, der Lernende begleitet, den Lernarchitekten, der Lernprozesse strukturiert, und den Lernkulturentwickler, der Wirkung über einzelne Maßnahmen hinaus sichern hilft. Seine schärfste These zielt auf die Praxis: „Ein Training ohne Transferschritt ist Zeitverschwendung.“ Lernen, so Gauß-Kuntze, müsse um konkrete Anwendung gebaut sein – sonst bleibe es Beschäftigung. Und gefragt nach der wichtigsten Kompetenz für 2026, nennt er eine Kombination, die selten zusammen gedacht wird: „Demut mit Kühnheit zu kombinieren.“ Screenshot BDVT-Expertentalk Training quo vadis?

Sandra Mareike Lang brachte im Expertentalk vor allem eines ein: eine klare Haltung zu Künstlicher Intelligenz. Für Weiterbildende sei die Technologie kein optionales Add-on, die meisten kämen nicht mehr drumherum. So widerspricht sie all jenen, die noch hoffen, dass der „KI-Kelch an ihnen vorübergeht“. Zugleich setzte die Trainerin und Verfechterin einer KI-First-Strategie einen Kontrapunkt zur ebenso weit verbreiteten Technik-Euphorie: „Bitte nicht überall KI reinpacken.“ Entscheidend sei nicht der Einsatz der Technologie an sich, sondern ihre sinnvolle Rolle im Lernprozess – etwa als Sparringspartner für Dialogübungen, zur Vorbereitung von Trainings oder zur Entwicklung neuer Ideen. „KI First“ bedeute daher nicht Technik um ihrer selbst willen, sondern die systematische Prüfung: „Kann das eine KI machen? – Sinnvoll und besser?“ Lang machte deutlich, dass sich einige zentrale Lernfelder nicht an die KI delegieren lassen. Themen wie Growth Mindset, Zwischenmenschlichkeit und Kommunikation entziehen sich ihrer Ansicht nach zum Großteil technologischen Abkürzungen. Gerade darin liegt für sie jedoch die eigentliche Zukunftsperspektive: Je mehr Technologie verfügbar wird, desto wichtiger werden jene Kompetenzen, die sie nicht komplett übernehmen kann – und die genau deshalb gezielt trainiert werden müssen. Screenshot BDVT-Expertentalk Training quo vadis?

„Präsenztraining ist tot“ – mit dieser bewusst zugespitzten These eröffnete Esther-Marie Wulf, Leiterin der Group Learning & Training bei der HDI AG, ihren Beitrag im Talk. Damit war jedoch weniger ein Abgesang auf persönliche Begegnungen gemeint, sondern eine klare Absage an ein bestimmtes Formatverständnis: Standardisierte Präsenztrainings, die ganze Tage kosten, hält Wulf für ein Auslaufmodell. Stattdessen brach sie eine Lanze für eine andere Art des Lernens: kurze Lernimpulse von 60 bis 90 Minuten. Wichtig sei, dass die Lernimpulse klar auf den nächsten Schritt abzielen: „Was mache ich morgen anders?“ Besonders spürbar wurde Wulfs Anspruch an Weiterbildung, als sie aus ihrer Rolle als Auftraggeberin sprach. Von externen Trainerinnen und Trainern erwarte sie mehr als die Wiederholung bekannter Modelle wie das Eisbergmodell. Viele Unternehmen seien inzwischen selbst in der Lage, sich mithilfe Künstlicher Intelligenz zu informieren und Ideen für Weiterbildungen zu entwickeln. Externe müssten sich dessen bewusst sein und Formate für den Arbeitsalltag entwickeln, die auf diesem Vorwissen aufsetzen. Ein weiterer Punkt betrifft die Sichtbarkeit von Weiterbildenden: Neue Trainerinnen und Speaker sucht Wulf vor allem über die Social-Media-Plattform LinkedIn. Screenshot BDVT-Expertentalk Training quo vadis?

Unter welchen Umständen wird Training 2026 erfolgreich sein? Für Oliver Hahn liegt die Antwort nicht in neuen Formaten oder dem Einsatz von KI, sondern einem anderen Maßstab: „Wenn wir einen Business Impact aufzeigen können.“ Laut dem Regional Director DACH/PL des Weiterbildungsanbieters GoodHabitz müssen Trainings stärker von den tatsächlichen Herausforderungen der Klientinnen und Klienten her gedacht werden – und nicht von den eigenen Produkten der Weiterbildenden. Damit stellt Hahn eine Logik infrage, die laut ihm in der Branche lange funktioniert hat. Er selbst räumt ein: „Früher haben wir unseren Stiefel durchgezogen.“ Diese produktzentrierte Perspektive sei heute jedoch nicht mehr tragfähig. Das betreffe auch die Inhalte selbst. In Zeiten digitalen Wandels und zunehmender KI-Nutzung gewinnen aus seiner Sicht Human Skills wie Empathie, Agilität und Resilienz an Bedeutung. Screenshot BDVT-Expertentalk Training quo vadis?
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Welche Veränderungen auf Kundenseite erlebst du als Trainer zurzeit? Wie sieht Weiterbildung in 5, 10 oder 15 Jahren aus? Was braucht es nicht mehr? Und für was braucht es uns immer noch? Angeregt durch diese Reflexionsfragen entstand auf dem BDVT-Camp in Frankfurt eine Meinungswand. Torsten Zimmermann Fotografie

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Die Autorinnen: Nicole Bußmann und Laura Nastran
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