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Systemische Interventionen
Systemische Interventionen

Zwischen den Kräften

Sind in einem Team Spannungen oder Konflikte spürbar, kann das ein Zeichen für tieferliegende Dynamiken sein – für Kräfte, die in zwei Richtungen wirken. Die Kräfte auf der einen Seite werden häufig als fördernd, die auf der anderen Seite als hemmend bezeichnet. Warum beide Kräfte wichtige Funktionen übernehmen und wie diese entschlüsselt werden können.

Ob ausgesprochen oder schwelend, ob laut oder leise – in vielen Teams gehören Spannungen und Konflikte zum Alltag. Und oft sind sie nicht nur Ausdruck von Missstimmung, sondern Hinweis auf tieferliegende Dynamiken, die gehört und verstanden werden wollen. Anstatt Konflikte wegzudiskutieren oder vorschnell zu lösen, braucht es Methoden, die Beteiligte dabei unterstützen, einladend und respektvoll mit Unstimmigkeiten umzugehen – und die sie dazu ermächtigen, Unterschiede zu gestalten und die eigene Gestaltungskraft (wieder) zu entdecken. Ein wertvolles Instrument dafür kann die systemisch gerahmte Kraftfeldanalyse sein.

Oft sind Konflikte nicht nur Ausdruck von Missstimmung, sondern Hinweis auf tieferliegende Dynamiken, die gehört und verstanden werden wollen.

Diese Methode – ursprünglich entwickelt von dem Psychologen Kurt Lewin – ist ein Klassiker und gerade deshalb so kraftvoll, weil sie einfach und anschlussfähig ist. In ihrer klassischen Form unterscheidet sie zwischen fördernden und hemmenden Kräften, die auf ein gewünschtes Ziel hinwirken oder es blockieren. Systemisch betrachtet wird die Methode noch wirksamer: Denn hier geht es nicht um Richtig oder Falsch, sondern um die Funktion und Wirkung der Kräfte im jeweiligen Kontext. Um die Kraftfeldanalyse systemisch zu rahmen, braucht es drei zentrale Prinzipien:

  • Jede Kraft hat eine Funktion – auch das Störende/Hemmende ist ein Signal. In jeder systemischen Dynamik – selbst wenn sie auf den ersten Blick als hinderlich erscheint – verbirgt sich eine sinnstiftende Funktion. Widerstand kann zum Beispiel Ausdruck von Loyalität gegenüber bisherigen Erfolgsstrategien sein oder ein Versuch, Überforderung zu vermeiden. Schweigen wiederum kann Sicherheit schaffen, Zugehörigkeit sichern oder Spannungen puffern. Systemische Rahmung bedeutet hier, nicht zu werten, sondern neugierig zu erkunden: Welche Aufgabe erfüllt diese Kraft im aktuellen Gefüge? Was möchte erhalten oder geschützt werden?
  • Ambivalenz ist gestaltbar – im Sowohl-als-auch liegt der Möglichkeitsraum. Ambiguität und Dilemmata sind Ausdruck lebendiger Systeme, die sich in komplexen Wirklichkeiten bewegen. Gerade dort, wo klare Antworten fehlen, eröffnet sich der Raum für kreative Co-Konstruktion. Systemisch arbeiten heißt, Ambivalenzen als wertvolle Spannungsfelder zu würdigen, die neue Lösungen hervorbringen können – wenn sie bewusst gemacht und gestaltet werden.
  • Beteiligung erzeugt Bewegung – wer mitgestalten darf, trägt mit. Nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo Menschen sich eingeladen fühlen, mit ihrer Perspektive gesehen und gehört zu werden. Wenn Teams gemeinsam reflektieren, bewerten und Zukunftsbilder entwerfen, trägt das u.a. zu einem Gefühl der psychologischen Sicherheit bei – ein entscheidender Prädiktor für Veränderungsbereitschaft (vgl. Amy Edmondson). Systemische Rahmung lädt dazu ein, Unterschiedlichkeit als Ressource zu nutzen und durch Beteiligung kollektive Intelligenz zu aktivieren.

Unterschiedliche Kräfte erkennen

Die folgende Intervention eignet sich besonders für Teams, in denen Spannungen und Konflikte spürbar sind. Sie ist sowohl in Präsenz als auch digital durchführbar. Ziel dieser Intervention ist es, Spannungsfelder als Ausdruck unterschiedlicher Bedürfnisse und Perspektiven zu verstehen und sichtbar zu machen, Ressourcen und hemmende Kräfte zu würdigen und gemeinsam als Team nächste Schritte zu entwickeln.

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