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Beitrag von Thomas Wehrs aus Training aktuell 03/26, März 2026
Seit jeher ringen Menschen mit dem Umgang mit Zeit. „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, bemerkte schon Physiker und Philosoph Blaise Pascal in seinen Pensées, die 1670 posthum veröffentlicht wurden. In der modernen „Sofort“-Kultur hat sich dieses Problem vervielfacht. Als „Sofortismus“ bezeichnet man den heutigen Trend, auf jeden Reiz umgehend reagieren zu müssen. Messenger, E-Mails und Instant-Dienste konditionieren uns auf Antworten in Minuten – was nicht sofort passiert, gilt als ineffizient. Die dauernde Beschleunigung erzeugt Ungeduld und verdrängt Ruhe und Reflexion.
Dieser Sofortismus prägt inzwischen auch die Idee von Coaching. Viele Klientinnen und Klienten erwarten in wenigen Sitzungen Aha-Erlebnisse und klare Anweisungen, um sofort leistungsfähiger zu werden. Entwicklung soll „instant“ gelingen. Doch hier prallen der Sog des Sofort und die Wirklichkeit des Menschseins aufeinander, denn echte Veränderung braucht Zeit. Wird Geschwindigkeit als Maßstab genutzt, leidet die Beziehung. Der Soziologe Hartmut Rosa warnt: Dauerbeschleunigung entfremdet, Beziehungen werden „stumm“ und verlieren Resonanz. Wo nur Reiz und Reaktion zählen, schrumpft das Gegenüber zum Objekt; Verbundenheit fehlt. So untergräbt Sofortismus die Qualität von Beziehungen und Entscheidungen – vorschnelle Lösungen bleiben oft oberflächlich und fehleranfällig.