Inspiration

Serie: Coachingtools

Die Leiter der Abstraktion

Viele Worte haben viele Facetten - jeder versteht sie etwas anders. Die sechste Teil der Serie Coaching-Tools stellt ein Denkmodell vor, das Coach und Coachee helfen soll, sich nicht in vagen Begriffen zu verlieren.
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Auch wenn wir die gleiche Sprache sprechen wie unser Gegenüber, ist die Verständigung nicht immer einfach. Gerade im Coaching stößt das gegenseitige Verständnis oft an seine Grenzen. Denn vieles ist Auslegungssache: Was zum Beispiel meint ein Coachee, wenn er sich 'mehr Freiheit' wünscht? Oder 'größere Anerkennung'? Oder 'mehr persönliche Autorität'? Diese Fragen kann nur einer beantworten: der Coachee selbst – am besten mithilfe seines Coachs. Der kann ihn ermutigen, Allgemeines in Beispiele, Oberbegriffe in konkret Fassbares zu übersetzen. Ein Denkmodell hilft dabei: die Leiter der Abstraktion. Mit ihrer Hilfe kann der Coach Wortmuscheln knacken, um Abstraktes lebendig zu machen und Bilder im Kopf des Klienten wachrufen, um eine neuronale Neucodierung einzuleiten. Nebenbei erhöht er so die emotionale Beteiligung des Klienten.

Nehmen Sie ein abstraktes Wort Ihrer Wahl, zum Beispiel 'Optimismus', 'Hoffnung', 'Emotion' oder 'Veränderung'. Probieren Sie, möglichst viele Gegenstände auf ein Blatt Papier zu zeichnen, die für Sie persönlich dieses Wort symbolisieren. Wer nicht gerne zeichnet, darf auch Wörter für Gegenstände aufschreiben. Bildhaft konkret müssen sie allerdings sein: Sie sollten sich zumindest theoretisch zeichnen lassen. Bitten Sie dann einen Freund, ein Familienmitglied oder einen anderen Seminarteilnehmer, das Gleiche zu tun.  Vergleichen Sie Ihre Gegenstände, und diskutieren Sie auf dieser Basis die Frage: Hat derselbe Oberbegriff für Sie beide auch dieselbe Bedeutung? Falls nicht: Was leiten Sie für Ihre Arbeit als Coach daraus ab? Wie wollen Sie mit abstrakten Formulierungen Ihrer Klienten umgehen? In welchen Situationen und wie wollen Sie nachhaken?

Stellen Sie sich die Leiter der Abstraktion bildhaft vor: Auf den unteren Sprossen finden sich konkrete Begriffe, zum Beispiel 'Träne' und 'Knurren', 'Faust' und 'Schlag', 'Hose' und 'Hemd'. Jedes dieser Wörter ist sinnlich erfassbar: Die Träne sehen Sie, das Knurren hören Sie, und die Faust und den Schlag – ich wünsche es Ihnen nicht! – können Sie spüren.

Im Unterschied dazu befinden sich auf der oberen Ebene der Leiter die abstrakten Begriffe. Dort ist nicht mehr von 'Träne' und 'Knurren', nur noch von 'starken Emotionen' die Rede; nicht mehr von 'Faust' und 'Schlag', nur noch von 'Aggression'; nicht mehr von 'Hose' und 'Hemd', nur noch von 'Textilien'.

Extras:
  • Abbildung: Beispiel für die 'Leiter der Abstraktion'
  • Literaturtipp: 'Die 100 besten Coaching-Übungen' von Martin Wehrle
Autor(en): Martin Wehrle
Quelle: Training aktuell 11/11, November 2011, Seite 20-22
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