Medien

Rezension: WirtschaftsMediation

'Wirtschaftsmediation ist ein Prozess, bei dem die betroffenen Personen bzw. Gruppen mit unterschiedlichen Interessen unter Hinzuziehung eines neutralen Dritten, des Mediators, gemeinsam eine Lösung finden wollen.' Nüchtern leitet die Autorin des Buches 'Wirtschaftsmediation', Christa Zuberbühler, das Thema ihrer Publikation ein. Doch keineswegs nüchtern präsentiert sich die Machart des Buches im weiteren Verlauf. Die Autorin lässt den Leser an ihren Gedanken und Strategien in der Mediationsarbeit auf eine sehr persönliche und konkrete Art teilhaben. So wird der Leser etwa mit Fragestellungen konfrontiert wie 'Warum nur schließt sich die Zuberbühler eine halbe Stunde vor einem Mediationstermin in dem Gesprächsraum ein?'.

Mittels Erzählungen von Praxisfällen werden grundlegende Aspekte der Mediation nachvollziehbar und feste Bestandteile der Mediation sichtbar gemacht. Vor dem Hintergrund der jeweiligen Einzigartigkeit der Beispiele gelingt es Zuberbühler darüber hinaus, die Beweggründe für das spezifische Vorgehen in der Mediation verstehbar zu machen. Nachdem in einem Einführungskapitel u.a. die Grundsätze der Mediation geklärt wurden, dreht sich im ersten Fall alles rund um das Thema Mobbing innerhalb eines Arbeitsteams. Dabei wird deutlich, welch ungeahnten Verlauf und welch überraschendes Ende eine Mediation nehmen kann. Im zweiten Fall liegen zwei Bauunternehmen aus guter alter Familientradition miteinander im Clinch, zum Nachteil der örtlichen Baubehörde. Die Mediation versucht hier, eine neue Streitkultur zu etablieren. Der dritte Fall beschreibt die Schlichtung zwischen zwei Geschäftsführern in einem mittelständischen Betrieb und das Entstehen eines neuen Wir-Gefühls.

Trotz der literarischen Form muss der Leser nicht auf Struktur verzichten: Checklisten für die einzelnen Phasen verdichten die Fallerzählungen und eignen sich bei Bedarf zum Nachschlagen. Die Checklisten werden dabei nicht als formaler Bruch empfunden und reißen den Leser auch nicht aus dem Fluss der Falldarstellungen heraus. Dies erreicht Christa Zuberbühler dadurch, dass sie die Checklisten nicht - wie üblich - als Lehrsätze niederschreibt, sondern als Reflexionsfragen an sich selbst richtet: 'Habe ich alle biografischen Daten im Kopf (...) muss ich vor Beginn des Gesprächs noch etwas referieren (...) wie sehen die worst case- und best case-Szenarien aus?' Selbst wenn man keine professionellen Absichten verfolgt, das Buch könnte man auch aus Interesse am Verlauf der Geschichten und deren Protagonisten lesen.

Fazit: Die Lektüre liefert den Beweis, dass ein Fachbuch zugleich informativ und unterhaltsam sein kann.

Von Christa Zuberbühler, 208 S., geb., Verlag orell füssli, Zürich 2004, ISBN 3-280-05080-4, 29,50 Euro.
Autor(en): (Michael Merz)
Quelle: Training aktuell 10/04, Oktober 2004
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