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Beitrag von Janine Dengel aus Training aktuell 08/25, August 2025
In kleinen Gruppen Fragen zu verschiedenen Kategorien – etwa zu persönlichen Eigenschaften, Interessen oder beruflichen Herausforderungen – beantworten und gemeinsam über Thesen aus dem Arbeitsalltag diskutieren. Darum geht es bei dem Kartenspiel „Top Teamgeist Deck“. Ziel ist es, dass sich Teams (besser) kennenlernen, offener miteinander sprechen und ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl aufbauen. Laut Anbieter ist das Kartenspiel vielseitig einsetzbar und eignet sich überall dort, wo Beziehungen, Kommunikation und Teamgeist gestärkt werden sollen – sei es im Kollegenkreis oder in Workshops, Trainings und Seminaren. Entwickelt wurde es vom Spielehersteller Vertellis.
„Top Teamgeist Deck“ kommt in einer schlicht gestalteten, kompakten Pappbox daher. Enthalten sind eine Informationskarte, die den Anwenderinnen und Anwendern einen Überblick über die Entstehung, den Zweck und den Aufbau des Kartenspiels gibt, eine Spielanleitung und 101 farblich voneinander abgesetzte Spielkarten. Jede Farbe steht für eine bestimmte Kategorie bzw. Runde: Interessen (türkis), Vergangenheit (lachs), Charakter (oliv), Herausforderungen, Unsicherheiten und Bedauern (dunkelblau), Verschiedenes (orange), Arbeit und Wachstum (hellblau) sowie Thesen und Dilemmas zur Arbeitswelt (beige). Ergänzend zu den Spielkarten gibt es sieben sogenannte „Farbkarten“, die sich aus jeweils einer Karte aus jeder Kategorie zusammensetzen. Alle Karten sind einheitlich und übersichtlich gestaltet: Auf der Vorderseite ist oben links die Runde angegeben, unten rechts die jeweilige Kategorie. Auf der Rückseite jeder Karte findet sich eine thematisch passende Frage.
Ich nehme alle Karten aus der Box, sortiere sie nach Kategorien bzw. Runden und lese mir die Spielanleitung durch, aus der hervorgeht, dass es unterschiedliche Spielvarianten gibt: kurze Versionen, bei denen beispielsweise nur eine Kategorie gespielt wird oder nur die sieben Farbkarten zum Einsatz kommen. Und eine lange Version, bei der alle sieben Runden durchgespielt werden.
Um einen umfassenden Eindruck vom Spiel zu bekommen, entscheide ich mich für die letztere Variante, die ich zusammen mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen spiele. Das Spielprinzip ist einfach und schnell verstanden: Alle Karten werden – geordnet nach den sieben Runden/Kategorien – mit der Vorderseite nach oben auf dem Tisch platziert, sodass die Fragen auf der Rückseite verdeckt bleiben. Alle sieben Runden werden nacheinander durchgespielt. Dabei zieht jede Person pro Runde eine Karte vom jeweiligen Stapel, liest die Frage laut vor und beantwortet sie spontan. Wir starten mit der ersten Runde „Interessen“. Meine Kollegin zieht die Karte: „Welches Hobby würdest du gerne anfangen?“ Sie zögert einen Moment und kommentiert: „Sehr schwierig.“ Mein Kollege ruft währenddessen scherzhaft: „Wie? Jetzt schon? Wir haben doch gerade erst angefangen.“ Daraufhin müssen wir alle lachen. Schließlich antwortet meine Kollegin: „Kajakfahren. Das wollte ich schon immer mal machen, seit ich in Koblenz wohne und so nah am Wasser bin. Aber ob ich das wirklich dauerhaft durchziehen würde, weiß ich nicht.“ Dann ist mein Kollege an der Reihe: „Wie verbringst du am liebsten einen freien Tag?“ Er lacht und fragt zurück: „Mit Kind oder ohne?“, was uns alle zum Schmunzeln bringt. Mit Kind, meint er, gehe es wahrscheinlich in den Zoo, ohne Kind würde er sich mit einem Buch aufs Sofa zurückziehen. Nun zieht meine andere Kollegin eine Karte: „Welchen Podcast hörst du am meisten?“ Sie überlegt nicht lange: „Ich höre gar keine Podcasts. Aber wenn, dann würde er sicherlich etwas mit Eishockey zu tun haben.“ Wir nicken zustimmend – niemand von uns scheint überrascht zu sein, da bekannt ist, dass sie Eishockey-Fan ist. Dann ziehe ich eine Karte: „Was ist deine Lieblingsjahreszeit – und warum?“ Ich denke kurz nach: „Ich kann mich nicht festlegen. Ich mag den Frühling, weil alles aufblüht und die Tage heller werden. Und auch den Herbst – wegen der bunten Blätterfarben, dem Licht, der Stimmung. Zu beiden Jahreszeiten bin ich gerne mit Hund und Kamera unterwegs.“ – „Typisch“, kommentiert eine Kollegin. Alle lachen – und wir fahren mit den nächsten Runden fort.
Dabei zeigt sich: Die lockere, humorvolle Atmosphäre der ersten Runde weicht zunehmend einer gemesseneren Stimmung. Die Fragen werden mit jeder Runde ernsthafter und drehen sich um prägende Erfahrungen, Zweifel, Bedauern und schwierige Entscheidungen im Leben. Fragen wie „Welche frühere Erfahrung hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist?“, „Wann hast du dich am verletzlichsten gefühlt?“ oder „Was war eines der schwierigsten Dinge, die du jemals getan hast?“ sind sehr persönlich und regen zum intensiven Nachdenken an. Oft fällt es schwer, die passenden Worte zu finden, und manche Antworten berühren so sehr, dass die Gruppe für einen Moment verstummt. Erst in der sechsten Runde, in der es um berufliche Themen geht, hellt sich die Stimmung wieder auf. Die Fragen sind distanzierter, weniger emotional und lauten etwa „Was sind deine langfristigen beruflichen Ziele?“, „Wie schaffst du eine gute Work-Life-Balance?“ oder „Welche berufliche Fähigkeit möchtest du in Zukunft verbessern – und warum?“.
In der siebten und letzten Runde sprechen wir abschließend über einige Thesenkarten. Ein Beispiel: „Einig oder uneinig? Flexible Arbeitszeiten sind wichtiger für die Mitarbeiterzufriedenheit als eine feste Gehaltserhöhung.“ Unsere erste Reaktion darauf ist Zustimmung: Ja, flexible Arbeitszeiten sind für viele Beschäftigte tatsächlich ein sehr wichtiger Zufriedenheitsfaktor. In der weiteren Diskussion stellen wir jedoch fest, dass man sich bei dieser These nicht so einfach festlegen kann, denn das eine könnte gegen das andere ausgespielt werden – nach dem Motto: Wer seine Arbeitszeit frei gestalten darf, muss im Gegenzug auf eine Gehaltserhöhung verzichten. Unser Fazit lautet daher: Beide Faktoren – zeitliche Flexibilität und Gehaltserhöhungen – sind gleichermaßen wichtig und tragen zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.
Nachdem wir alle Runden durchlaufen haben, nutzen wir die Gelegenheit, um unsere Eindrücke vom Kartenspiel gemeinsam zu reflektieren: Wir sind uns einig, dass die Fragen nicht immer leicht zu beantworten waren, aber zur Reflexion über die eigene Person anregten. Besonders positiv empfanden wir die erste und sechste Runde, in denen es um „Interessen“ sowie „Arbeit & Wachstum“ ging. Die Beantwortung der Fragen zu diesen Themen sorgte für eine gelöste Atmosphäre und machte Spaß. Überraschungen blieben hier eher aus, da wir uns im Team gut kennen und über einige Interessen und Sichtweisen bereits im Bilde sind. Gut gefallen hat uns auch die siebte Runde, die zu guten Diskussionen und einem Austausch über bestimmte Thesen in der Arbeitswelt führte. Dadurch wurde die Kommunikation innerhalb unseres Teams gezielt angeregt.
Die Tiefe mancher Fragen in den anderen Runden, insbesondere in den Kategorien „Vergangenheit“ und „Herausforderungen, Unsicherheiten & Bedauern“, empfanden wir hingegen als herausfordernd und teils auch zu persönlich. Die Antworten der Kollegen führten hier nicht selten zu überraschenden Momenten. Das kann zwar zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führen, setzt aber auch tiefes Vertrauen voraus und den Willen und Wunsch, Teamkollegen derart offen zu begegnen. Allenfalls denkbar wäre, diese Fragen einzig bezogen auf den beruflichen Kontext zu beantworten.
Wir empfehlen Trainerinnen und Trainern daher, die Karten vorab zu sichten und je nach Gruppenkonstellation eine geeignete Auswahl für die Durchführung zu treffen bzw. den Kontext genau zu bestimmen.
Ein gutes Kartenspiel, das das gegenseitige (bessere) Kennenlernen ermöglicht, die offene Kommunikation fördert und das Teamgefühl stärken kann. Dabei werden jedoch stellenweise sehr persönliche Themen berührt.
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