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Beitrag von Laura Nastran aus Training aktuell 05/25, Mai 2025
Einer für alle und alle für einen – das Motto der drei Musketiere nach Alexandre Dumas bringt das Prinzip von „Teamquadrat“ auf den Punkt. Zwar geht es bei dem Spiel nicht darum, sich mit anderen zu duellieren. Doch die Teammitglieder treten mit vereinten Kräften gegen das Spiel selbst an. Ziel ist es, ohne miteinander zu sprechen, gemeinsam Quadrate aus verschiedenen Einzelteilen zusammenzusetzen. Dabei lernen sie sich gegenseitig einzuschätzen, müssen sich unterstützen und manchmal eigene Ideen zurückstellen und dem Gesamtziel unterordnen. Damit soll „Teamquadrat“ für Formate zu den Themen Teamentwicklung, Kommunikation und Projektmanagement geeignet sein. In der Adaption des Weiterbildungsunternehmens „Akzente – Training und Coaching“, die wir getestet haben, enthält das Spiel ausreichend Material für fünf bis zehn Spieler.
Für den Praxistest sind wir zu fünft. Als meine Kolleginnen und Kollegen zusammenkommen, habe ich schon alles vorbereitet: Aus der Holzkiste, in der alle Spielutensilien enthalten waren, habe ich fünf Quadrate herausgenommen – für jede Mitspielerin und jeden Mitspieler eines. Sie bestehen aus unterschiedlich geformten Holzteilen, die entweder aus Buche, Lerche oder Ahorn sind und entsprechend unterschiedliche Farben sowie Muster aufweisen. Die Einzelteile liegen nun bunt gemischt auf dem Tisch – in Feldern, die ich vorher mit Kreppband markiert habe. Wobei das Kreppband nicht im Lieferumfang des Spiels enthalten ist. Alle Mitspielenden haben nun an der Außenseite des Tisches jeweils ein eigenes Feld mit Holzteilen (s. Foto). In der Mitte des Tisches ist eine Fläche entstanden, die zu diesem Zeitpunkt noch leer ist, später aber als Tauschbereich dienen soll.
Die Aufgabe, der es sich zu stellen gilt: Am Ende des Spiels sollen alle ein gleich großes Quadrat vor sich liegen haben. Dazu müssen die auf dem Tisch verteilten Einzelteile hin- und hergetauscht werden. Der Haken an der Sache: Die Teammitglieder dürfen nicht miteinander sprechen und nur im eigenen Feld bzw. im Tauschbereich agieren. In die Felder der anderen darf nicht hineingegriffen werden.
Die Regeln haben wir schnell verstanden, auch wenn noch einige Fragen offen bleiben: Wenn alle ein eigenes Ziel verfolgen, nämlich am Ende ein Quadrat vor sich zu haben, was hat das mit Teamwork zu tun? Bestehen die Quadrate alle aus gleich vielen Teilen, oder ist das von Quadrat zu Quadrat unterschiedlich? In der Spielanleitung steht nichts über diese Fragen. Also lassen wir es auf uns zukommen und fangen einfach an.
Alle beginnen eifrig, ihre Holzteile zu inspizieren und zu überlegen, wie sie zu einem Quadrat zusammengesetzt werden können. Bei einer Kollegin passen die drei Teile in ihrem Bereich zufällig bereits ohne Tauschen zu einem Quadrat zusammen. Sie hat es in Sekundenschnelle geschafft. Die anderen legen Teile, die nicht zu ihrer ersten Idee für ein Quadrat passen, in den Tauschbereich und ersetzen sie durch andere, die sie im Tauschbereich finden. Eine Weile ist nur das Klackern der Holzteile zu hören, sonst herrscht nachdenkliche Stille. Nach wenigen Minuten haben alle ein gleich großes Quadrat vor sich liegen – bis auf eine Kollegin.
Alle Blicke sind auf ihr Feld gerichtet, während sie versucht, aus den übrig gebliebenen Teilen ein Quadrat zusammenzusetzen. Die anderen versuchen, sie durch Fingerzeige und andere nonverbale Gesten zu unterstützen. Eine Kollegin verstößt im Eifer des Gefechts sogar gegen die Regeln und greift in das fremde Feld, bevor sie ihren Fehler bemerkt und die Hand schnell zurückzieht. Aber auch nach mehrmaligem Drehen der Teile und einigen „verzweifelten“ Lachern wird klar, dass die drei Holzteile, die bei der Kollegin liegen, nicht zusammenpassen wollen.
Hier kommt das Motto der Musketiere bzw. die Teamarbeit zum Tragen, denn damit am Ende wirklich alle ein passendes Quadrat vor sich haben, müssen wir anderen nun unsere Quadrate teilweise wieder auflösen und uns neu organisieren. Auch das sorgt bei uns für Heiterkeit, denn es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, welches Teil bei der Kollegin fehlt und wie wir dann die Quadrate der anderen wieder vervollständigen können. Bei diesem zweiten Versuch nutzen wir die Tauschfläche bewusster und müssen länger überlegen, welches Teil bei wem am besten aufgehoben ist (s. Foto). Nach insgesamt knapp zehn Minuten und einigem Ausprobieren, Tauschen und Puzzeln haben wir es geschafft. Alle haben ein gleich großes Quadrat vor sich liegen. Übrigens müssen dabei nicht alle Quadrate aus gleich vielen Teilen bestehen, bei uns ist das jedenfalls nicht der Fall.
„Warum hat es jetzt geklappt und vorher nicht?“, fragt ein Kollege und steigt damit direkt in die Reflexion des Spiels ein, für die die Spielanleitung auch einige mögliche Fragen enthält. Während wir versuchen zu rekonstruieren, wie wir am Ende das Ziel erreicht haben, müssen wir immer wieder über Missverständnisse und gedankliche Sackgassen lachen. Nur zwei oder drei Holzteile, die bei mir und einem Kollegen lagen, haben am Ende den Unterschied gemacht. Erst als wir unsere individuellen Ziele zurückgestellt und unsere Quadrate wieder aufgelöst haben, konnten wir gemeinsam die Aufgabe lösen.
Da wir nicht reden durften, mussten wir versuchen, uns in die Lage der anderen zu versetzen und ohne Worte zu verstehen, worauf sie hinauswollten. Je mehr Teile sich dabei im Tauschbereich befunden haben, desto mehr Teamwork war erforderlich, um zu entscheiden, wer welches Teil bekommt, damit es am Ende klappt. In dieser Hinsicht lässt sich das Spiel aus unserer Sicht also entgegen unserer anfänglichen Bedenken gut auf die Teamentwicklung übertragen und kann zum Beispiel als Icebreaker für den Einstieg in einen Teamworkshop dienen.
Darüber hinaus haben wir eine klare Rollenverteilung beobachtet. Einige Teammitglieder waren durch Fingerzeige oder das gezielte Platzieren eines Holzteils vor dem Feld eines anderen Teammitglieds aktiver als andere und haben einen Weg gefunden, Lösungsvorschläge auch ohne Worte voranzutreiben. So eignet sich das Spiel aus unserer Sicht gut, um Themen wie Projektmanagement oder Kommunikation zugänglicher zu machen. Dabei hätte der Schwierigkeitsgrad noch erhöht werden können, z.B. durch Zeitdruck.
Der einzige negative Punkt des Spiels ist für uns der Preis (229 Euro), der uns im Verhältnis zur Qualität der Holzteile recht hoch erscheint. Entgegen unserer Erwartung sind die Holzteile relativ dünn und teilweise unsauber geschnitten. Zudem weisen sie vereinzelt Macken auf.
Ein vielschichtiges, haptisches und unterhaltsames Spiel, das die Koordination von (Projekt-)Teams veranschaulicht und erfahrbar macht.
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