Organisation

Praxistest „Praxisbox #Diversity“
Praxistest „Praxisbox #Diversity“

Mehr Bewusstsein für Diversität

Klatsch und Tratsch gehören in vielen Büros zum Alltag. Was zunächst harmlos wirkt, kann jedoch schnell eine Eigendynamik entwickeln und Klischees, Gerüchte oder diskriminierende Narrative befeuern, was sich negativ auf das Miteinander im Team auswirkt. Hier setzt die Praxisbox #Diversity an. Das spielerische Tool will dabei helfen, Teams für das Thema Diskriminierung im Arbeitsalltag zu sensibilisieren und ihr Bewusstsein für Diversität zu stärken. Business Coach Sarah Luckat hat die Praxisbox für Training aktuell getestet.

Das Angebot

„Hast du schon gehört?“ Wer kennt sie nicht – die Geschichten, die sich im Büro an der Kaffeemaschine oder über den firmeneigenen Chat rasch verbreiten und dabei ihre eigene Dynamik entwickeln. Solche Narrative über Kolleginnen und Kollegen entstehen oft unreflektiert, tragen aber dazu bei, wie Menschen im Team wahrgenommen werden. Problematisch wird es, wenn dabei Klischees entstehen, verstärkt oder Gerüchte in Umlauf gebracht werden. Das kann nicht nur das Bild einzelner Personen verzerren, sondern auch zu Benachteiligung und Diskriminierung führen – etwa wegen der sozialen Herkunft, einer bestimmten Weltanschauung oder der geschlechtlichen Identität. Die Folgen: Das Vertrauen im Team leidet, das Miteinander wird belastet.

An diesem Punkt setzt die Praxisbox #Diversity an. Das Tool, das von den beiden Coachs Pivi Scamperle und Tobias Grewe entwickelt wurde, will Teams dabei unterstützen, sich mit Vorurteilen, Gerüchten und Diskriminierung am Arbeitsplatz gezielt auseinanderzusetzen. Es soll für diese Themen sensibilisieren und das Bewusstsein für Diversität, Vielfalt und Inklusion im Berufsalltag stärken – und das auf spielerische Art und Weise. Im Fokus der Praxisbox stehen verschiedene Rollenspiele, die auf realen Diskriminierungsfällen in Unternehmen basieren. Die Teilnehmenden schlüpfen in die Rolle von skizzierten Personen und erarbeiten in der Gruppe die Gründe eines Problems und mögliche Lösungswege. Das Tool ist laut Anbieter flexibel in der Anwendung und bietet verschiedene Einsatzvarianten: Es kann in Workshops, Trainings, Weiterbildungen und Teamentwicklungsprozessen genutzt werden.

Im Fokus der Praxisbox stehen verschiedene Rollenspiele, die auf realen Diskriminierungsfällen in Unternehmen basieren. Die Teilnehmenden schlüpfen in die Rolle von skizzierten Personen und erarbeiten in der Gruppe die Gründe eines Problems und mögliche Lösungswege.

TA-Check

Die Praxisbox #Diversity zeichnet sich auf den ersten Blick durch einen modernen Look und hochwertige Materialien aus. Der Lieferumfang umfasst ein detailliertes Handbuch mit theoretischem Hintergrundwissen zum Thema, 15 themenspezifische Spielkarten mit (fiktiven) Fallbeispielen, die alle sorgfältig gestaltet sind, und ein Poster, das die inneren, äußeren und organisatorischen Dimensionen von Diversität (z.B. ethnische und soziale Herkunft, Geschlecht, Familienstand, Einkommen, Aussehen, Managementstatus) zeigt. Die Anleitung der Box ist klar strukturiert und in einzelne Schritte gegliedert. Visuelle Hilfsmittel und Darstellungen, wie beispielsweise Diagramme, sollen die Durchführung der Übungen und den Einstieg in die Themenvielfalt erleichtern.

Im Praxistest kommt die Box mit einer Studierendengruppe zum Einsatz, die sich so einerseits dem Themenfeld Diskriminierung und Diversität in der Arbeitswelt annähert und gleichzeitig ein Trainingstool selbst erlebt, welches sie später in der Praxis in ihren Unternehmen einsetzen möchten. Für meine Testgruppe mit zehn Teilnehmenden muss ich kreativ werden, da das Spiel auf drei bis fünf Spielende ausgelegt ist. Neben den „Hauptspielenden“, die während des Spiels unterschiedliche Perspektiven einnehmen sollen (z.B. Führungskraft, Teamleitung, Kollegin oder Kollege, diskriminierte Person), fügen wir weitere Rollen hinzu: Es gibt einen Timekeeper und einen Moderator. Die anderen erhalten Beobachtungsaufträge, um später Feedback über das Geschehene im Spiel zu geben.

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Wir nehmen eine der Spielkarten und die Anleitung zur Hand und starten mit der ersten Runde. In dieser geht es um ein bisher erfolgreiches Steuerberatungsunternehmen, in dem es jedoch seit Kurzem Probleme im Team gibt: Trotz vieler Neueinstellungen zur besseren Verteilung der Aufgaben und Entlastung bestehender Kolleginnen und Kollegen werden wichtige Aufgaben zu spät erledigt, und die Arbeitsqualität hat stark abgenommen. Zudem häufen sich die Krankheitsfälle, sowohl bei den„neuen“ als auch bei den „älteren“ Kolleginnen und Kollegen. Insbesondere eine Mitarbeiterin namens Frau Herze, die schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig ist, ist sehr häufig krankgeschrieben. Die Geschäftsführung hat ein Team beauftragt, das mit den Kolleginnen und Kollegen lockere Gespräche führen soll, um die Gründe für diese Veränderungen herauszufinden.

Die erste Spielrunde funktioniert sehr gut. Die Teilnehmenden tauchen in die Geschichte ein und versetzen sich unter Anleitung in die unterschiedlichen Situationen der skizzierten Personen – Teammitglieder, (neue) Kolleginnen und Kollegen, Frau Herze. Sie nehmen unterschiedliche Perspektiven und Haltungen ein und führen untereinander Gespräche zu dem Fall. Dabei kommen sie erstaunlich schnell in Diskussionen und entwickeln eigene Hypothesen über die Gründe der Veränderungen (z.B. Diskrepanzen zwischen den neu eingestellten und den „älteren“ Kolleginnen und Kollegen aufgrund von anderen Weltanschauungen und unterschiedlichen sozialen Herkünften, Entstehung von Vorurteilen, fehlender Respekt und mangelndes Verständnis im Umgang (von beiden Seiten), Diskriminierung und Ausgrenzung von Frau Herze z.B. aufgrund ihres Alters seitens der „neuen“ Kolleginnen und Kollegen) sowie mögliche Handlungsansätze, Ideen, um das Problem zu beheben (offene und ehrliche Kommunikation, Aufklärung von Missverständnissen, aktive Einbeziehung, Wertschätzung). Im Anschluss an die Diskussionen wird der Fall auf einer der Spielkarten „offiziell“ aufgelöst, und es werden Denkanstöße für mögliche Lösungswege gegeben. Dies besprechen wir gemeinsam und ziehen Vergleiche mit unseren eigenen Ergebnissen.

Sarah Luckat

Im weiteren Verlauf des Praxistests führen wir noch weitere Spielrunden durch. Dabei lässt sich beobachten, dass die Teilnehmenden sich mit jeder Runde mehr in die jeweilige Situation vertiefen. Sie werden sensibler für das Thema, und ihre Gedanken und Ideen zur Problemlösung werden tiefgründiger.

TA-Eindruck

Der Einsatz der Praxisbox #Diversity erwies sich sowohl für meine Studierendengruppe als auch für mich als eine inspirierende Erfahrung. Die thematischen Karten und interaktiven Aufgaben förderten die unmittelbare Selbsterkenntnis bei den Teilnehmenden. Besonders beeindruckend für mich war, wie einige von ihnen ihre eigenen Meinungen hinterfragten, Beispiele im Unternehmen fanden und sich auf einen intensiven Austausch einließen – ein Lernprozess, den dieses Tool stark katalysiert hat. Auch die Resonanz im Plenum fiel überwiegend positiv aus.

Viele Teilnehmende erlebten erstmals in einem geschützten Rahmen, wie vielfältig individuelle Perspektiven sein können und wie wichtig es ist, diese in Diskussionen einzubringen. Es war spannend zu sehen, wie die Teilnehmenden im Verlauf passende Interventionsmöglichkeiten entwickelt haben, die exakt so im Unternehmen Anwendung finden könnten. Die strukturierte Anleitung und die Spielkarten trugen dazu bei, Runde um Runde tiefer ins Thema einzutauchen und weiterführende Gedanken und Hypothesen zu entwickeln. Der zeitliche Rahmen war realistisch angegeben (30 bis 40 Minuten) – Trainerinnen und Trainer sollten zusätzlich ausreichend Raum für die thematische Einführung und die Reflexion schaffen.

Viele Teilnehmende des Praxistests erlebten erstmals in einem geschützten Rahmen, wie vielfältig individuelle Perspektiven sein können und wie wichtig es ist, diese in Diskussionen einzubringen.

Das Tool bietet insgesamt einen hohen didaktischen Mehrwert, einerseits durch die Verknüpfung von Theorie (aus dem Handbuch) und Praxis, andererseits da es unbewusste Konzepte und Gedanken greifbar macht und zu einem lebendigen Austausch darüber anregt. Verbesserungen sind dennoch denkbar: Einige Erklärungen könnten durch detaillierte Erläuterungen und zusätzliche Beispiele ergänzt werden, um auch Einsteigerinnen und Einsteiger besser abzuholen. Eine Integration digitaler Elemente wie eine begleitende App, die den Ablauf unterstützt oder interaktive Funktionen für den Praxistransfer bietet, könnte den Einsatz noch weiter optimieren.

IM TEST

TA-Fazit

Die Praxisbox #Diversity unterstützt die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Vielfalt im beruflichen Kontext und fördert das Bewusstsein und die Sensibilisierung für diese Themen. Aufbau und Materialien sind so konzipiert, dass sich die Box gut in Trainings- und Beratungsprozesse integrieren lässt.

Die Autorin: Sarah Luckat ist Wirtschaftspsychologin und Business Coach. Sie ist Dozentin an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning und Teamlead PB Transition Group bei der Deutsche Bank AG. Kontakt: bit.ly/TA_SarahLuckat

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