Editorial

Personalberatertag 2009: Relevanz durch Reflexion

Es gibt Veranstaltungen, die sind entbehrlich für den Markt, und es gibt Veranstaltungen, die sind es nicht. Zu letzterer Kategorie zählt der Personalberatertag, organisiert vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), der Anfang Mai 2009 zum 11. Mal stattfand. Relevant ist die Veranstaltung aus vielerlei Gründen: Marktdaten werden gereicht und kommentiert, die aktuellen Sorgen und Nöte der Branche werden aufgegriffen und kontrovers diskutiert, Input anderer Disziplinen wird hinzugezogen, die eigene berufliche Rolle reflektiert, Chancen und Grenzen der Gegenwart und Zukunft werden ausgeleuchtet … Kein Wunder, dass sich die Personalpresse Jahr für Jahr gern zu der Jahrestagung des Fachverbandes einfindet und anschließend berichtet. Und dieses Jahr gibt es einiges zu berichten.

Interessant sind in erster Linie die Marktdaten, die der BDU über die Branche bereitstellt. Um es kurz zu machen: Fünf Jahre lang ging es steil bergauf, 2009 jedoch rechnen die Personalberater mit einem Umsatzrückgang von fast 20 Prozent. Die Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft haben mit ihrer Personalpolitik schnell auf die Krise reagiert, aber Panik war dennoch nicht zu spüren auf dem Treffen in Königswinter. Die Aufs und Abs gehören für die Berater zum Alltag, ihr Geschäft ist in höchsten Maße konjunkturabhängig, sie wissen, dass es auf die stets richtige Aufstellung ankommt: Das Nachsehen haben aktuell Beratungsgesellschaften, die stark spezialisiert sind, etwa auf eine Branche wie Automotive oder Finanzdienstleistung.

Neben den Marktdaten und Meinungen zur rechten Aufstellung der Dienstleistung Personalberatung gab es eine Menge interessante Randthemen, die nicht nur die Personalberater interessieren dürften. Zum Beispiel: Wie sieht der künftige Manager aus? Kaum einer kann besser dazu Auskunft geben als die Personalberater. Im Auftrag der Unternehmen suchen sie die Typen, die aus Sicht der Unternehmen ihre Geschicke künftig lenken sollen. Überraschend ist die Auskunft der Recruiter nicht. Die Unternehmen setzen auf Seriosität und Seniorität, sprich: Erfahrene Manager, gern über 45 Jahre alt, sind gefragt. Glaubwürdig sollen sie sein, Vertrauen schaffen können und nachhaltiges Wirtschaften schon unter Beweis gestellt haben. Erfahrungen mit den Themen Akquisition, Ertragsverbesserung und strategische Neuausrichtung sind besonders willkommen.

Ein weiteres Thema war die Verantwortung der Personalberater für die jetzige Krise. Auf die Spitze getrieben kann man sie auch als Krise der Personalberater verstehen: Haben deren Tools und Techniken zur Managerbeschaffung versagt? Die eine Sicht: Sie haben die für die Krise verantwortlichen Personen ausgewählt. Die andere Sicht: Sie haben im Auftrag der Unternehmen gehandelt. Wie auch immer man zu dieser Frage steht: Gut ist immerhin, dass sie gestellt wird. Kontroversen wie diese bereichern eine Fachtagung. Sie führen nicht nur zur Reflexion der Berater, sondern leiten auch Unternehmen und Politik zum Nachdenken über Personalpolitik an.

Autor(en): (Nicole Bußmann)
Quelle: Training aktuell 06/09, Juni 2009
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