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Neues Tool: Kompetenzmessung per Videoanalyse

Das von der TU Braunschweig konzipierte Analyseverfahren act4teams misst die Stärken und Schwächen von Teams. Für die Anwendung des Verfahrens inklusive des begleitenden Teamcoachings werden hundert Trainer zertifiziert.

Die Idee stammt aus dem Sport: Beim Fußball etwa ist es schon lange üblich, bei der Nachbesprechung von Spielen auf bewegte Bilder zurückzugreifen, um die Performance der Mannschaften zu beurteilen. Die neue Teamkompetenzmessung act4teams überträgt dieses Instrument nun auf Unternehmen. Gefilmt wird ein typisches 60-minütiges Meeting, wenn gerade ein Thema verhandelt wird, das packend genug ist, dass sich alle angesprochen fühlen und entsprechend einbringen. Trotz Kamera treten dabei die ganz normalen Gesprächs- und Verhaltensmuster in der Gruppe zutage, ist German Lorenzo überzeugt. 'Das Video liefert deshalb valide Hinweise auf die Stärken und Schwächen eines Teams', so der Geschäftsführer der 4 A-SIDE GmbH, die das neue Videoanalyse-Verfahren vermarktet.

Die Analyse: 44 Kriterien definieren Kompetenz

Das Besondere des Tools: Die Videoaufzeichnung wird mit einer systematischen Analyse kombiniert, der ein umfassender Kriterienkatalog zugrunde liegt. Eigens entwickelte Hard- und Software erleichtern die Umsetzung.

Gegenstand der Untersuchung sind die Äußerungen der Teammitglieder während der aufgezeichneten Besprechung. Für die Kompetenzmessung teilen speziell ausgebildete Experten, sogenannte 'Rater', das Video zunächst in Sinn­einheiten – in der Regel einen Satz pro Person – auf. Anschließend kodieren sie diese Einheiten nach 44 Kriterien in den vier Kompetenzbereichen:
1. Fachkompetenz: Bewertet wird Inhaltliches, etwa ob eine Aussage ein Einwand, ein Lösungsvorschlag oder eine Problemerläuterung ist.
2. Methodenkompetenz: Darunter fällt, ob eine Aussage dazu dient, z.B. das Ziel in Erinnerung zu rufen, Gesagtes zusammenzufassen oder in Details abzuschweifen.
3. Sozialkompetenz: Hier geht es um die Gesprächsführung – z.B. ob dauernd die eigenen Verdienste betont werden, ob aktiv zugehört, gelobt oder getadelt wird.
4. Selbstkompetenz: Diese Kategorie bewertet die Mitwirkung des Einzelnen, z.B. durch konkrete Planung, die Übernahme von Verantwortung oder auch durch Jammern.

'In diese vier Kategorien lässt sich alles objektiv einsortieren, was auf dem Bildschirm passiert', meint Prof. Dr. Simone Kauffeld vom Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie der TU Braunschweig, die das Tool in zehnjähriger Forschungsarbeit entwickelt und für den Einsatz in Teams optimiert hat.

Der Nutzen: Maßgeschneiderte Trainingsmaßnahmen

Die Auswertung erfolgt für die ganze Gruppe: Für jedes Kriterium erhält das Team ein Balkendiagramm, an dem sich zwar ablesen lässt, wieviel z.B. gejammert wurde, aber nicht, wie sich das Jammern innerhalb der Gruppe verteilt.  So dienen die Ergebnisse vor allem als fundierte Diskussionsbasis. Bei dem Status-Report alleine sollte es allerdings nicht bleiben, findet Lorenzo: 'Die Videoanalyse funktioniert zwar auch als Einmalaktion, besser ist aber die Einbettung in einen Coachingprozess'. Aus diesem Grund hat sein Unternehmen einen solchen entwickelt: act4team-coaching umfasst neben der Vorbereitung und Durchführung der Videoanalyse auch Reflektion, Teamentwicklung und eine Überprüfung der Fortschritte in einer abschließenden Kontroll-analyse.

Trainer gesucht: Teamentwicklung mit dem Video-Tool

Für die Durchführung der act4team-Coachings suchen die Braunschweiger noch Trainer. 'Wir wollen einen ausgewählten Kreis von 100 Top-Teamentwicklern zertifizieren', erläutert Lorenzo. Die erste Qualifizierung findet vom 8. bis 10. Mai 2009 statt. Voraussetzung für die Teilnahme ist langjährige Erfahrung im Team- oder Führungskräftetraining. Details zur Ausbildung verraten die Anbieter an Infotagen, die regelmäßig in Braunschweig stattfinden, u.a. am 23. April und am 7. Mai 2009. Für die Zertifizierung wird eine Jahresgebühr von 2.500 Euro fällig.

Autor(en): (Sylvia Lipkowski)
Quelle: Training aktuell 04/09, April 2009
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