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Übersicht AnsprechpartnerZuhören ist eine der Kernkompetenzen in der Beratung. In seinem neuen Buch wendet sich Stefan Goes daher an Berater, Coachs und Therapeuten, die sich damit intensiver und wissenschaftlich fundiert auseinandersetzen wollen. Das Besondere daran ist der sowohl linguistische als auch systemische Ansatz, den der Autor wählt, um sich dem Thema zu nähern.
Der Autor geht davon aus, dass Sprache sowie nonverbale und körperliche Signale die gesamte Welt des Klienten widerspiegeln. Diese sind meist nur nicht so leicht zu erkennen. Er sieht die Gefahr des Zuhörens darin, dass man das Gehörte schnell und oft unbewusst interpretiert, eigene Hypothesen bildet und so nur noch einen Teil wahrnimmt. Als Gegenmittel empfiehlt er: innehalten, die eigenen Filter erkennen und frei zuhören, um neu zu verstehen. Das bedeutet, die innere Tendenz zur Interpretation sehr aufmerksam wahrzunehmen und sich wieder dem aktuellen Geschehen zuzuwenden.
Sehr interessant sind hier die eigenen „Hör-Filter“ und „Verführer“, die laut Goes offenes Zuhören erschweren. Zusammen mit Kollegen hat der Autor eine Liste mit 36 Filtern erstellt, darunter: sich anstrengen, die eigenen Ideen bestätigen wollen, ein ausgeprägter Wille zur Unterstützung, den Klienten führen wollen, Ungeduld und Erschöpfung. Mithilfe eines Selbsttests können die eigenen bevorzugten „Verführer“ in Haltung, Arbeitsweise, Handlungsvorlieben oder Mustern genauer identifiziert und so im Gespräch kontrolliert werden.
Der Leser erfährt eine Fülle interessanter Perspektiven und Details, die jedoch auch ein Gefühl der Überforderung auslösen können. Meiner Meinung nach fällt es beispielsweise deutlich leichter, sich der systemischen Perspektive auf die Klientensprache zuzuwenden, als sich mit der linguistischen Perspektive zu befassen, bei der unter anderem verschiedene Wortarten und ihre Funktion analysiert werden.
TA-Fazit: Ein anregendes, wissenschaftlich fundiertes und gut lesbares Buch, das viele interessante Perspektiven auf gelingendes Zuhören bietet.