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EMCC-Kongress: Ausblicke auf die Zukunft des Coaching-Marktes

Die ersten großen Unternehmensberatungen bieten Coaching an. Müssen Coaches die Konkurrenz der Consulter fürchten? Und welche Coaching-Themen haben künftig Konjunktur? Darüber diskutierten die Besucher des Jahreskongresses des EMCC - European Mentoring and Coaching Council vom 1. bis zum 3. November 2006 in Köln.

Die Ausläufer des Sturms, der in den ersten Novembertagen 2006 im Norden Deutschlands tobte, waren in der Domstadt noch deutlich zu spüren. Jedenfalls rüttelte der Wind heftig an der Fassade des Kölner Nobelhotels, in dem sich rund 120 Coaches, Mentoren, Supervisoren und Coach-Ausbilder zum 13. Jahreskongress des European Mentoring and Coaching Council (EMCC) versammelt hatten. Vom Knarren und Pfeifen ließen sich die überwiegend aus dem angelsächsischen Sprachraum stammenden Besucher aber nicht ablenken. Ihre Aufmerksamkeit galt den Vortragenden, die mit Neuigkeiten aus den Bereichen Coaching und Human Resources im Gepäck angereist waren.

Personaler rekrutieren aus der zweiten Reihe

Die neue Personalstrategie von Randstad präsentierte etwa HR-Leiter Andreas Bolder. Das Zeitarbeitsunternehmen hat laut Bolder eine ganz eigene Taktik entwickelt, um im berüchtigten 'Kampf um die Talente' nicht auf der Strecke zu bleiben - es weicht diesem aus. Der Hintergrund: 'Gegen so beliebte Arbeitgeber wie Porsche, BMW oder L‘Oreal können wir im Wettbewerb um die besten Köpfe ohnehin nicht bestehen', räumte Bolder freimütig ein. Daher hat sich das Unternehmen darauf verlegt, gezielt Kräfte aus der zweiten Reihe - Plan-B-People, wie Bolder sie nennt - zu rekrutieren.

Das aus der Not geborene Vorgehen - in den vergangen Jahren konnte Randstad pro Jahr jeweils rund 50 Führungspositionen in Deutschland nicht besetzen - entpuppte sich als vorteilhafter Weg: 'Die Plan-B-People lassen sich besser entwicklen und bauen ein stärkeres Commitment auf als die vermeintlichen Top-Talente', so Bolders Erfahrung. Für Coaches eröffnet Bolders Taktik neue Einkommensquellen: Um die Bewerber aus der zweiten Reihe zu erstklassigen Mitarbeitern zu machen, setzt Randstad vorranig auf die Beratung unter vier Augen. Sollten weitere Unternehmen dazu übergehen, Nachwuchskräfte aus der zweiten Reihe via Coaching zu entwickeln, könnte dies dem Coaching-Markt einen deutlichen Schub geben - diese Schlußfolgerung durfte man aus Bolders Vortrag mitnehmen.

Beraterzunft springt auf den Coaching-Zug auf

Auf den ersten Blick schlechte Neuigkeiten für die Coaching-Branche verkündete Dr. Stefan Mette. Der Geschätsführer von EMCC Deutschland hat nämlich neue, kapitalkräftige Coaching-Anbieter ausgemacht: 'Die ersten großen Consulting-Unternehmen sind auf den Coaching-Zug aufgesprungen', berichtete der Marktbeobachter. Als Beispiel nannte er die weltweit tätige Unternehmensberatung Lee Hecht Harrison mit Hauptsitz in Zürich, die mittlerweile Coaching für Führungkräfte zur Verbesserung der Arbeitseffizienz sowie des Kommunikationsverhaltens offeriert.

Allerdings müssen laut Mette die Coaching-Anbieter die Consulter als Konkurrenz nicht fürchten, da sich deren Angebote vom 'klassischen' Coaching unterscheiden: 'Die Beratungsunternehmen werden sich vor allem auf internationale Konzerne konzentrieren. Diesen werden sie aber keine individuellen Coachings, sondern vor allem standardisierte Coaching-Programme anbieten', mutmaßte der EMCC-Geschäftsführer. Das konkrete Vorgehen der Berater wird nach Mette wahrscheinlich so aussehen: 'Die Beratungsunternehmen geben den Firmen Fragebogen an die Hand, mit denen sie den Coaching-Bedarf aller Führungskräfte ermitteln. Dann werden z.B. all jene mit Kommunikationsdefiziten von ein und demselben Coach nach ein und demselben Schema unterstützt.' Liegt der Coaching-Experte mit dieser Einschätzung richtig, bleibt freilich die Frage, worin der Unterschied solcher Coaching-Angebote zu Einzeltrainings besteht...

Coaches als Helfer für den Umgang mit Emotionen gefragt

Zur Frage, welche Coaching-Themen künftig Konjunktur haben werden, nahm Dr. Christine Kaul von Volkswagen Coaching Stellung: 'Zunehmender psychischer Druck am Arbeitsplatz wie im Privatleben wird dazu führen, dass emotionale Balance als Beratungsanliegen in den Vordergrund rückt', sagte die Leiterin Management Coaching. Das gelte vor allem für Führungskräfte und Mitarbeiter solcher Unternehmen, in denen die Belegschaft zum Großteil männlich ist - wie beim Automobilkonzern VW: 'Männer unter Männern neigen dazu, ihre Emotionen so lange zu unterdrücken, bis sie irgendwann unangemessen hervorbrechen', erklärte die Psychologin. Um dem entgegenzusteuern, ist in immer mehr Unternehmen Coaching das Mittel der Wahl.

Dass EMCC - European Mentoring and Coaching Council zählt europaweit ca. 1.100 Mitglieder. Erklärtes Ziel des Verbandes ist die Förderung der Qualität und Entwicklung von Coaching und Mentoring. Hierzu wurde der European Quality Award ins Leben gerufen, ein europaweit anwendbares Zertifizierungsverfahren zur Qualitätssicherung von Coaching-Ausbildungen. Der nächste EMCC-Jahreskongress findet vom 11. bis zum 13. Oktober 2007 in Stockholm statt. Infos im Internet.
Autor(en): (ama)
Quelle: Training aktuell 12/06, Dezember 2006
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