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Beitrag von Daniel Hogen aus Training aktuell 04/26, April 2026
Düfte sind allgegenwärtig. Mit jedem Duft, den wir in unserer Umgebung wahrnehmen, wird unmittelbar eine emotionale Reaktion ausgelöst, die unterschiedlich stark ausfallen kann: Freude, Angst, Ekel, Ärger, Zuneigung ... Je nach den persönlichen Erfahrungen eines Menschen. Gleichzeitig sprechen sie unser Gedächtnis an. So können beim Schneiden einer Orange plötzlich längst vergessene Erinnerungen an einen schönen Sommerurlaub wieder auftauchen. Dieser Vorgang ist auch als „Proust-Effekt“ bekannt – benannt nach dem französischen Schriftsteller Marcel Proust, der in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ 1913 beschrieb, wie eine Kindheitserinnerung durch ein in Tee getunktes Madeleine wiedererweckt wurde.
Trotz dieser Wirkung auf emotionale Prozesse ist der Einsatz olfaktorischer Reize im Coaching noch nicht sehr verbreitet. Oft wird er sogar als esoterisch abgetan. Dabei handelt es sich um messbare, neurobiologische Reaktionen, die im therapeutischen Kontext bereits häufig genutzt werden. Es gibt eine Vielzahl an Studien – darunter etwa von Sandra Weber und Eva Heuberger von der Universität Wien –, die unter anderem zeigen: Düfte können auf körperlicher Ebene entzündungshemmend wirken und auf psychischer Ebene die Stimmung regulieren. Die Wirkung ist somit keine Frage des Glaubens, sondern beruht auf nachvollziehbaren biochemischen Prozessen.
Die Wirkung olfaktorischer Reize ist keine Frage des Glaubens, sondern beruht auf nachvollziehbaren biochemischen Prozessen.
Dass der Geruchssinn im Coaching häufig außen vor bleibt, könnte auch damit zusammenhängen, dass Menschen dem, was sie hören und sehen, meist allgemein mehr Vertrauen schenken als dem, was sie riechen. Dabei ist die Bedeutung des Geruchssinns keineswegs gering und die Rolle, die er im menschlichen Körper spielt, ist enorm. Drei Prozent der menschlichen Gene sind allein für den Riechsinn reserviert. Mit jedem Atemzug nehmen Menschen Geruchsmoleküle über die Nasenschleimhaut auf und damit eine Vielzahl von Informationen aus der Umwelt. Diese werden ohne Umwege an das limbische System weitergeleitet, das unter anderem Emotionen, Motivation und Gedächtnisprozesse steuert. Der Geruchssinn ist somit der einzige Sinneskanal, der eine Art neurologische Abkürzung nimmt, während visuelle oder auditive Reize zunächst über den Thalamus verarbeitet werden. In einer Studie von einer Forschungsgruppe um Jonas Olofsson von der Stockholm University konnte gezeigt werden, dass olfaktorische Reize bereits nach etwa 500 Millisekunden verarbeitet werden. Dabei werden Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin oder Noradrenalin freigesetzt. Diese neurochemische Reaktion lässt sich im Coaching nutzen, um bei Klientinnen und Klienten gezielt bestimmte Zustände anzusteuern und ihnen einen schnellen Zugang zu emotionaler Tiefe, Selbstregulation und nachhaltiger Veränderung zu ermöglichen: