Reflexion

Denkimpuls
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Bäumchen wechsel dich

Was bedeutet eigentlich „Vielfalt“? Warum ist sie so wichtig? Und wie lässt sich ein Bewusstsein für Diversität schaffen? Diese Fragen beleuchtet Coach und Supervisor Horst Lempart – und zwar mithilfe einer floristischen Metapher.

Bäume können aus eigener Kraft ihren Standort zwar nicht wechseln, aber Bäume sind trotzdem unterwegs. Wie das? Mir kam dieser Gedanke, als ich meine Seminar-Teilnehmenden darum bat, einen Baum auf ein Blatt Papier zu malen. In Windeseile hatte ich zwölf Bäume im Raum. Oder besser gesagt: Bilder von Bäumen. Denn es waren eben KEINE Bäume. Wenn wir Bäume sehen wollen, müssen wir in den Wald gehen, in den Park oder den Garten. Vielleicht reicht auch ein Blick aus dem Fenster. Aber auf dem Papier sehen wir keine Bäume, sondern nur eine Abbildung dessen, was wir für „typisch Baum“ halten.

Die Natur lebt uns Unterschiedlichkeit vor. Das Kultivieren einer solchen Artenvielfalt stellt besondere Anforderungen an den Umgang miteinander: Einige Pflänzchen brauchen Sonne, andere Schatten, einige viel Wasser, andere wenig.

Nun ist ein Baum mehr oder weniger greifbar, ein Objekt, das wir – im Gegensatz zu abstrakteren Begriffen wie Liebe, Verantwortung oder Kommunikation – mit all unseren Sinnen erfassen können: Wir sehen einen Baum, können ihn hören, fühlen, riechen, vielleicht sogar schmecken (etwa die Rinde bestimmter Baumarten oder die Früchte, die ein Baum trägt). Und doch fielen die Ergebnisse, obwohl alle im Team den gleichen Auftrag erhielten, extrem unterschiedlich aus. Von briefmarkengroßen Abbildungen bis zur maximalen Papiergröße, von wenigen Strichen bis zur vollen Baumkrone war alles dabei. Die Teilnehmenden staunten nicht schlecht über die unterschiedlichen Ergebnisse – und die verschiedenen Blickwinkel.

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Misch- statt Monokultur

Wären die gleichen Baumbilder auf den Papieren entstanden, hätten wir „Uniformen“ erhalten: alles im gleichen Look. Die Natur nennt das Monokultur. Wohin aber Monokulturen führen können, sehen wir, wenn wir uns unsere Wälder anschauen. Verändert sich die Umwelt, sind Monokulturen kaum widerstandsfähig. Mischwald hingegen ist artenfreundlich und robust. Vielfalt ist seine Devise. Die Natur lebt uns Unterschiedlichkeit vor, heute oft als Diversität zusammengefasst. Das Kultivieren einer solchen Artenvielfalt stellt besondere Anforderungen an den Umgang miteinander: Einige Pflänzchen brauchen Sonne, andere Schatten, einige viel Wasser, andere wenig. Alle können wachsen, wenn die Rahmenbedingungen passen. Trainerinnen und Facilitatoren können sich die Metapher des Baumes zunutze machen, um mit Teammitgliedern über individuelle Standpunkte, Pflegeanleitungen und Rahmenbedingungen ins Gespräch zu kommen. Richtig kultiviert, kann dann aus einem Wäldchen ein Wald werden.

Der Autor: Horst Lempart ist Coach, Supervisor und Speaker. Er hilft seinen Coachees dabei, die eigenen Überzeugungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sich so aus festgefahrenen Situationen zu befreien. Er führt eine eigene Praxis in Koblenz und hat zahlreiche Fachartikel und Bücher rund um das Thema Coaching veröffentlicht. Kontakt: horstlempart.de 

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