Reflexion

Coachhaltung
Coachhaltung

Wirksam durch Präsenz

„Coache ich gerade oder gebe ich Ratschläge?“, „Ich kenne die Lösung“ oder „Was frage ich als Nächstes?“ – Coachs lassen sich oft durch ihre Gedanken, Impulse und Unsicherheiten ablenken. Dabei ist Präsenz ein entscheidender Erfolgsfaktor im Coaching. Coachausbilderin Inke Schulze-Seeger erklärt, wie man es schafft, ganz im Hier und Jetzt zu sein und damit als Mensch und Coach zu wachsen.

„Was ist es, was dich im Coaching am meisten fordert?“ Ich schreibe diese Frage ans Flipchart. Stille. Wir sind in einer Coaching Masterclass, um mich herum viele erfahrene, aber auch frisch ausgebildete Coachs. Eine Teilnehmerin antwortet nachdenklich: „Ich bin ehrlich zu euch. Manchmal, wenn ich coache, denke ich, ich kann eigentlich gar nicht coachen.“ Dann lächelt sie. „Komisch, nicht?“ Andere schließen sich an: „Ja, bei mir ist es auch manchmal so“, sagt eine Sitznachbarin. „Ich habe außerdem oft das Gefühl, Leistung abliefern zu müssen. Das lenkt mich total ab oder blockiert mich und meine Arbeit.“ Ich frage nach: „Inwiefern?“ Die Teilnehmerin erklärt: „Ich fühle mich unter Druck und bin unsicher, was ich im Gespräch wohl als Nächstes sagen oder fragen soll. Total absurd.“ Ein anderer Teilnehmer sagt: „Bei mir ist es so, dass ich manchmal sauber coachen will, aber mit einem Mal anfange, schlaue Ratschläge zu geben.“ Nicken und Zustimmen in der Runde.

Ich bin sehr froh darüber, dass die Teilnehmenden so offen über diese Gedanken und inneren Ablenkungen mit mir sprechen. Ich kenne sie selbst ebenfalls. So muss niemand das Gefühl haben, nur ihr oder ihm ergehe es so. Ich selbst habe mich oft genug dabei im Coaching ertappt, abschweifenden oder einschränkenden Gedanken nachzugehen. Wenn ich zum Beispiel einfach meine Lieblingsfrage stelle, weil ich mir vorher schon ausgemalt habe, welche großartige Resonanz sie bei der Klientin auslöst.

Was im Coaching am meisten herausfordert, hat mehr mit uns selbst und mit unserem Ego zu tun als mit den Coachees und deren Anliegen.

Wenn Sie schon längere Zeit als Coach arbeiten, werden Ihnen vielleicht einige dieser Gedanken bekannt vorkommen (weitere Beispiele siehe Kasten). Und Sie rekapitulieren nun, was Ihnen sonst noch so alles durch den Kopf geht, während Sie coachen. Ich nenne diese ablenkenden Gedanken „White Noise“ (weißes Rauschen) – wie das krisselige Tanzen von weißen Punkten auf Fernsehbildschirmen nach Sendeschluss. Im Coaching ist „White Noise“ extrem störend. Es überlagert alles, was gerade wirklich passiert oder passieren will. Die Teilnehmenden der Coaching Masterclass und ich kommen jedenfalls regelmäßig darin überein, dass das, was im Coaching am meisten herausfordert, mehr mit uns selbst zu tun hat und mit unserem Ego als mit den Coachees und deren Anliegen. Was das mit Coachingpräsenz zu tun hat? Alles!

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