Politisches

Bund und Länder legen ersten nationalen Bildungsbericht vor

Ein düsteres Bild von der intellektuellen Lage der Nation zeichnet er, der erste nationale Bildungsbericht. Die Untersuchung mit dem Titel 'Bildung in Deutschland', die Anfang Juni 2006 gemeinsam von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorgelegt wurde, nimmt das 'Lernen im Lebenslauf' unter die Lupe. Und verteilt durchweg schlechte Noten für die Bildungslandschaft Deutschlands: Von der frühkindlichen Bildung über die allgemein bildenden Schulen bis hin zur Weiterbildung liegt einiges im Argen, bemängeln die Herausgeber.

Für das 'Lernen im Erwachsenenalter' weist die 300 Seiten starke Untersuchung beispielsweise auf den Widerspruch von Rhetorik und Realität hin: Zwar werde das lebenslange Lernen im öffentlichen Diskurs ständig beschworen, nur investieren wolle keiner. Die Folge: Weil öffentliche Haushalte und Unternehmen die Mittel für Weiterbildung reduzieren, nimmt die Beteiligung an der Weiterbildung stetig ab.

Darüber hinaus funktioniere die Weiterbildung noch immer nach dem Matthäus-Prinzip ('Wer hat, dem wird gegeben'), formuliert der Bericht: Gering Qualifizierte und Ältere nehmen seltener an Maßnahmen der Erwachsenenbildung teil als etwa Hochschulabsolventen. Durch diese sozial selektive Beteiligung trägt berufliche Weiterbildung eher dazu bei, den Graben zwischen gering und hoch qualifizierten Beschäftigungsgruppen weiter einzureißen, statt ihn einzuebnen.

Neu sind all diese Einsichten in die Bildungsbeteiligung nicht. Das mag an der Datenbasis der Untersuchung liegen: Der Bericht 'Bildung in Deutschland' systematisiert vorwiegend bereits verfügbare Studien zum deutschen Bildungssystem. So basieren die Aussagen zur Bildung im Erwachsenenalter etwa auf dem Berichtssystem Weiterbildung IX von 2004 und der Eurostat Arbeitskräfteerhebung aus dem Jahr 2003.

Obwohl die Untersuchung nicht durch neue Zahlen glänzen kann, hat sie eine wichtige Aufgabe: Der Bericht, der künftig alle zwei Jahre erscheinen soll, will die Leistungsfähigkeit des nationalen Bildungswesens für das Parlament festhalten. 'Durch die Bildungsberichterstattung können Bund und Länder bildungspolitische Entscheidungen auf einer deutlich verbesserten Grundlage treffen', ist Ute Erdsiek-Rave, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, sicher.
Die Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat schon angekündigt, das lebenslange Lernen mehr zu fördern: Auf dem Deutschen Volkshochschultag in Berlin kündigte sie im Mai 2006 an, die Ausgaben für berufliche Weiterbildung im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zu erhöhen. Weitere Ergebnissse des nationalen Bildungsberichts im Internet.
Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 07/06, Juli 2006
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