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Black-Box-Coaching
Black-Box-Coaching

Weniger wissen, mehr erkennen

Im Coaching müssen nicht immer alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Beim sogenannten Black-Box-Ansatz verzichtet der Coach bewusst auf detalliertes Wissen über das Anliegen seiner Klienten. Er begleitet den Prozess, ohne die Themen genau zu kennen, und bleibt damit konsequent unvoreingenommen. Für den Coachee ergibt sich die Lösung aus seinen eigenen Empfindungen, inneren Bildern und imaginativen Bewegungen.

Klaus Fischer ist 72. Er hat in seinem Leben viel geleistet. Vor 50 Jahren hat er die Firma seines Vaters übernommen. Damals bestand sie aus 20 Mitarbeitenden. Jetzt sind es 4.000. Vor Kurzem wurde Fischer von seinen Töchtern gebeten, die Firma an sie abzutreten. Beide seien hoch qualifiziert und bereit für den Job. Es sei auch gerade ein gutes Timing für die Übergabe. Mehr möchte er über seine Situation nicht verraten. Er findet es wichtig, Einzelheiten bei sich zu behalten, und vertraut mir als Coach, dass ich ihn dennoch beraten kann. Alles, was er mir über sein Anliegen verrät: Er möchte sich mit mir das Für und Wider einer Übergabe der Firma anschauen.

Das Problem als Black Box

Dass Fischer nicht mehr über sein Anliegen verraten möchte, ist nicht etwa ein K.-o.-Kriterium für das Coaching. Im Gegenteil: Im systemischen Coaching und in der Beratung geht es längst nicht mehr nur um Gespräche über den Inhalt des Problems. Immer mehr Coachs setzen auf sogenannte Black-Box-Methoden – Übungen und Interventionen, die ohne detaillierte Informationen über das Problem, die „Black Box“, auskommen. Weiterbildende reden auch von „analogen“ oder „verdeckten“ Methoden. Dabei stehen dann innere Bilder, Gedanken, Stimmungen, Körpergefühle und Bewegungen im Mittelpunkt. Die Klientin oder der Klient geht in einen inneren Monolog und entwickelt eigene Lösungswege. Methoden und Fragen aus der systemischen Beratung sowie der positiven Psychologie unterstützen die kreativen Denkprozesse, die unbewusste Ressourcen aktivieren und Selbstwirksamkeit fördern.

LITERATUR

  • Jens Förster: Black-Box-Methoden. Vandenhoeck & Ruprecht 2024, 235 Seiten.

Warum der Black-Box-Ansatz?

Die Theorie hinter dem Ansatz: Menschen erleben ihre Wirklichkeit nicht objektiv, sondern durch ihre eigene Brille. Das gilt auch für Coachs und deren Klienten. Jede Vorstellung einer Situation, jeder Begriff, jede Emotion ist individuell. Wenn der Klient über ein Haus am Meer spricht, kann das für ihn etwas komplett anderes bedeuten als für den Coach. So könnte ein Coach denken, dass es sich dabei um einen Urlaubsort im Süden handelt, in dem sich Rentner wohlfühlen, während es für den Klienten ein Zweitwohnsitz an der Nordsee ist, der ihm neben Vergnügen auch viel Renovierungsarbeiten und unliebsame Nachbarn beschert.

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