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Beitrag von Klaus Eidenschink aus Training aktuell 08/25, August 2025
Wer sich verändern möchte, will sich – in welcher Hinsicht auch immer – besser fühlen. Was sollte uns sonst motivieren? Also: schlechte Gefühle runter, gute Gefühle hoch. Doch geht das so einfach? Gibt es den direkten Weg von unangenehmen zu angenehmen Gefühlen? Kann man unangenehme Gefühle abstellen? Sind angenehme Gefühle nie trügerisch? Sind es vielleicht manche der unangenehmen Gefühle, die uns den Weg weisen zu mehr Freiheit?
Grob geschätzt kamen 85 Prozent meiner Coaching- und Therapieklienten in den letzten 30 Jahren auch deshalb zu mir, um sich unangenehmer Gefühle zu entledigen. Was sollte nicht alles verschwinden: Ängste, Schuldgefühle, Unsicherheit, Scham, Eifersucht, Trauer, Neid, Groll, Ärger, Wut, Verzweiflung, Grauen, Grausamkeit, Ohnmacht, Leere u.a.m.! Die Strategie, seelisch unangenehme Empfindungen abschalten zu wollen, ist weit verbreitet. Das ist einleuchtend – und es hat gewaltige Nebenwirkungen. Das wird klarer, wenn man diese Vorgehensweise auf körperliche Vorgänge überträgt.
Die Strategie, seelisch unangenehme Empfindungen abschalten zu wollen, ist weit verbreitet. Das ist einleuchtend – und es hat gewaltige Nebenwirkungen.
Wer als Kind auf die heiße Herdplatte greift und sich die Handfläche so stark verbrennt, dass alle Empfindungen dort abgestorben sind, würde zu Recht sagen, er habe eine Behinderung. Denn er braucht als Erwachsener für den Fall, dass er neuerlich mit der Hand auf einer heißen Herdplatte landet, sekundäre Wahrnehmungskanäle – etwa den Geruchssinn –, um zu merken, dass etwas schiefläuft. So ist es mit unangenehmen Gefühlen auch. Sie sind unersetzliche Signale, um sich im Leben zu orientieren. Angst, Trauer, Scham, Schuld etc. sind nötig wie die Nerven in der Handfläche. Alle diese Gefühle informieren mich über die eigenen seelischen Verarbeitungsstrategien oder geben mir Hinweise, welche äußeren Reize mich in innere Schwierigkeiten bringen.