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Work-Life-Balance

Mehr Mut zum Loslassen

Der Job wird immer härter. Das Tempo zieht an, der wirtschaftliche Druck steigt. Manager, die jetzt nachlassen, müssen fürchten, entlassen zu werden. Grundlegend ändern kann der Einzelne diese Situation meistens nicht. Er kann sich jedoch bewusst damit auseinander setzen und seinen persönlichen Weg zu mehr Ruhe und Gelassenheit finden.
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Der Erfolg kam schnell: Mit 24 Jahren war Susanne Preiss bereits Etat-Direktorin in einer großen Hamburger Werbeagentur. Ihre Kunden waren Global Player. Sie jettete um die Welt, arbeitete sieben Tage in der Woche, meist 16 Stunden am Tag. “Ich war ganz weit vorne und habe viel Geld verdient”, erzählt sie heute.

Doch schnell hat sich das Tempo auch gerächt: Die erfolgreiche Jungmanagerin bekam Depressionen und Angstzustände. Sie schreckte nachts aus dem Schlaf hoch und lag bis zum Morgengrauen wach. Sie fürchtete, in ihrem Job zu versagen. Gesprochen hat sie zu dieser Zeit nicht darüber: “Ich habe es niemandem erzählt, ich war ja lässig”, erklärt sie.

Damals wusste Preiss noch nicht, dass die Panikattacken und Depressionen in direktem Zusammenhang mit der Überlastung im Job standen. Später jedoch hat sie aus einem tiefen Bedürfnis heraus von einem Meister in Shanghai die chinesische Entspannungstechnik Qi Gong gelernt und sich intensiv mit dem Thema Stress beschäftigt. Heute ist sie Mitte 30 und leitet Entschleunigungs-Kurse für Manager: “Der Druck im Arbeitsleben steigt. Immer mehr Menschen brechen darunter zusammen”, kennt sie den Bedarf vieler Berufstätiger aus eigener Erfahrung.

Mit dieser Einschätzung steht die Qi Gong-Lehrerin nicht allein. Viele Management-Trainer, aber auch Betriebsräte, Ärzte und Wissenschaftler machen sich Sorgen um die psychische Gesundheit der Führungskräfte. So warnte kürzlich das Gelsenkirchener Institut für Arbeit und Technik in einem Bericht für die Bundesregierung: “Hochqualifizierten und ehrgeizigen Kopfarbeitern droht häufig der Burnout”. Eines der Indizien dafür: Zwischen 1984 und 1999 hat sich der Anteil der aufgrund psychischer Erkrankungen frühverrenteten Männer mehr als verdoppelt, bei den Frauen sogar vervierfacht.

Extras:
  • Info-Kasten: Zehn Tipps für mehr Zeitsouveränität: Wie Sie Ihren Zeitplan auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen können.
  • Buchtipps: Sechs Bücher rund um das Thema Work-Life-Balance.
  • Faxforum: Wie effektiv arbeiten Mitarbeiter und Selbstständige bei freier Zeiteinteilung? Die Leser von managerSeminare haben geantwortet.
Autor(en): Andrea Bittelmeyer
Quelle: managerSeminare 73, Februar 2004, Seite 28-34
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