Management

Weiterbildungscontrolling

Zeit der Erbsenzähler

Das unklare Verständnis darüber, was Weiterbildung eigentlich ist und was sie für die Mitarbeiter- und Unternehmensentwicklung leisten sollte, ist die denkbar schlechteste Voraussetzung für wirksame Controllingmaßnahmen. Nun will man den rezessionsbedingten Erfordernissen um Kostenreduktion Rechnung tragen und greift mangels Alternative zur denkbar einfachsten Maßnahme - Budgetplanung mit Kostencontrolling. Wenn sich wider Erwarten auch der spitze Bleistift als eine stumpfe Waffe erweist, sollten tiefergehende Fragen gestellt werden: Unter welchen Voraussetzungen im Unternehmen ist Weiterbildung effektiv und sinnvoll?
Kostenfrei für Abonnent/innen von managerSeminare
Downloaden
Ist es Zufall? Da greift in Personalabteilungen und Führungsetagen ein zögernder Bewußtseinswandel um sich, der Weiterbildungsmaßnahmen nicht mehr den Rang des Kostenfaktors sondern den der Investitionen zugesteht, das allerdings in einer Zeit, in der die allgemeine Investitionsbereitschaft mit zurückhaltend eher beschönigend umschrieben ist. Investitionen sind nach allgemeinem Verständnis Ausgaben des Unternehmens, die in Erwartung auf zukünftige Gewinne getätigt werden. Deshalb drängt sich die Schlußfolgerung für ein Hochlohnland, dessen wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit kaum in Bodenschätzen und deren Aufbereitung, sondern vielmehr in Bereichen der Spitzentechnologie, des Dienstleistungs- und Kommunikationssektors steckt, geradezu auf, Ausgaben in Qualifikation und Knowhow der Mitarbeiter als Investition zu begreifen. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, diesen Investitionen begleitende Controllingmaßnahmen zur Seite zu stellen. Drei Binsenweisheiten gelten dabei für Investitionen, die jedoch im Zusammenhang mit Weiterbildung als solche noch nicht so recht identifiziert worden sind:

• Investitionen tragen immer ein gewisses Risikopotential in sich. Sie werden ja in der Erwartung und nicht in der Gewißheit auf zukünftige Gewinne getätigt.
• Daher sind Investitionen erst dann sinnvoll, wenn sie nicht für eine Sammlung von ad-hoc-Maßnahmen ausgegeben werden, sondern für ein in sich schlüssiges wie glaubwürdiges Konzept, das die vorhandenen Ressourcen und Potentiale des Unternehmens nicht überfordert, sondern effizient nutzt und weiterentwickelt.
• Investitionen begleiten einen Prozeß, der helfen soll, die zukünftige und kontinuierliche Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. So sicher, wie die Einführung moderner Fertigungstechniken nicht für drei Jahre auf Eis gelegt werden kann, um sie anschließend wieder aufzunehmen, so sicher ist die Erfolglosigkeit von Weiterbildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen, die eben diese Entwicklung für die nächsten Jahre aussetzt, weil der Etat zusammengestrichen oder kurzfristig umverteilt wird…
Autor(en): Jürgen Graf
Quelle: managerSeminare 14, Januar 1994, Seite 42-47
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben