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In Zukunft wird es kaum noch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geben. Zu diesem Schluss kommen zumindest die Autoren eines Positionspapiers der Ethik Society, einer Gemeinschaft, die sich die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zum Ziel gesetzt hat. Im Papier, das sich mit dem Wandel der Arbeitswelt im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) auseinandersetzt, hält das Autorenteam um Jürgen Linsenmaier, dem Gründer der Ethik Society, fest, dass die fortschreitende Automatisierung durch KI Berufe, Branchen und gesellschaftliche Strukturen radikal verändern wird – und zwar in so einem Maße, dass 80 Prozent der derzeit bekannten Jobs bereits bis Ende des Jahrzehnts überflüssig werden. Im Angesicht dessen müssen politische Akteure umdenken und zeitnah handeln, sind die Autoren überzeugt, und haben acht Forderungen zur neuen Arbeitswelt aufgestellt, die notwendige Weichen für die Zusammenarbeit mit KI stellen sollen.
1. Talententwicklung für alle: Die Autoren fordern ein grundlegendes Umdenken des Bildungssystems. Statt starren Lehrplänen werde es demnach entscheidend sein, dass jeder Mensch seine eigenen Talente und Stärken erkennt, versteht und gezielt entwickelt, um als aktiver Gestalter an der Seite von KI zu agieren.
2. Neue Modelle im Sozialsystem: Eine Folge der KI-Revolution ist laut Autoren die Entwicklung hin zu einer „Gig-Economy“: Das Modell der Festanstellung werde zur Ausnahme, Arbeit finde zukünftig größtenteils im Rahmen befristeter Projekte statt. Um sich dem anzupassen, schlagen die Autoren eine „Maschinensteuer“ vor, die Produktivität statt menschlicher Arbeitszeit besteuert, sowie kapitalgedeckte Vorsorgesysteme.
3. Recht auf analoges Leben: Für ältere und wenig digital affine Menschen kann die KI-Revolution eine Belastung darstellen. Die Autoren fordern daher zumindest eine vorübergehende Aufrechterhaltung analoger Zugänge, flankiert von Bildungsangeboten, die möglichst viele Menschen in die digitale Welt einbeziehen.
4. Ethische Leitlinien für KI: Die KI der Zukunft muss transparent, fair und nachhaltig sein, fordern die Autoren: Sie müsse die Denkfreiheit schützen und ökologische Auswirkungen berücksichtigen.
„Die Führungskraft der Zukunft wird nicht nur Menschen führen, sondern auch KI-Modelle.“
5. Qualifizierung von Arbeitgebern: „Die Führungskraft der Zukunft wird nicht nur Menschen führen, sondern auch KI-Modelle“, ist Co-Autor und HR-Experte Reiner Huthmacher überzeugt. Die Autoren sehen daher Arbeitgeber in der Pflicht, sich weiterzubilden: Sie müssen Kompetenzen im Umgang mit KI aufbauen, Arbeitsprozesse menschlich gestalten und eine Kultur der Offenheit fördern.
6. Teilhabe am technologischen Fortschritt: Teilhabe am Wandel müsse belohnt werden, sagen die Autoren im Papier. Um Beschäftigte fair am Produktivitätsgewinn zu beteiligen, sollten Modelle wie Gewinnbeteiligung oder eine Technologie-Dividende genutzt werden.
7. Mut zu neuen Ideen: Die Autoren sehen Innovationskultur als den Motor einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Für Unternehmen gelte es im Zuge dessen, die Rahmenbedingungen für diese Innovation zu schaffen, die Freiräume schaffen, Sicherheit geben und den Mut zum Experiment belohnen.
8. Identität in einer Welt der KI: Der Beruf als sozialer Marker werde künftig wahrscheinlich an Bedeutung verlieren. Entscheidend sei es dem Papier zufolge in diesem Fall, neue Formen von Selbstdefinition und sozialer Anerkennung abseits der Arbeit zu entwickeln.
Das Positionspapier kann unter msmagazin.info/337ZukunftKI heruntergeladen werden.
Beitrag von Sophie Dériaz aus managerSeminare 337, April 2026