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Von Steinen lernen

Anpacken, voranschreiten, handeln: Im Management gilt das Primat der Tat – Zaudern zählt nicht. Angefeuert vom permanenten Ruf nach Innovation fühlen sich Manager genötigt, ständig etwas zu tun. Dabei wäre das Gegenteil oft klüger, nämlich: innehalten, nachdenken, den Verlauf von Trends abwarten – um dann mitunter zu entscheiden: Wir unternehmen nichts! Holm Friebe über eine vernachlässigte Strategie, die er schmunzelnd als 'Stein-Strategie' bezeichnet.


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'Sie sind, Frau Bundeskanzlerin, eine Last-Minute-Kanzlerin. Sie haben eine Neigung zum Nicht-Handeln, Noch-nicht-Handeln, Später-Handeln.' Diese Worte, ausgesprochen von Peer Steinbrück in einer öffentlichen Rede vor der Bundestagswahl 2013, sollten ein Vorwurf sein. Doch Steinbrück verkannte, dass seine Attacke der Bundeskanzlerin gar nichts anhaben konnte. Denn er hatte genau das zu stigmatisieren versucht, was in Wahrheit eine von Angela Merkels subtilen Stärken ist: das Abwarten.

Während Peer Steinbrück auf das etwas angestaubte Bild des Politikers als zupackendem Haudrauf mit feurigem Reformeifer referenziert, bestätigt Merkel, was der amerikanische Berater Frank Partnoy in seinem Buch 'Wait' über die Prokrastinationsneigung von Spitzensportlern, medizinischen Koryphäen und Investment-Genies herausgefunden hat: 'Top-Profis versuchen, genau zu verstehen, wie viel Zeit sie für eine Entscheidung zur Verfügung haben, um dann innerhalb dieses Zeitrahmens so lange zu warten wie irgend möglich.'

Angela Merkel zementiert auf diese Weise die Machtposition von Deutschland in Europa. 'Merkiavellismus' taufte der Soziologe Ulrich Beck in einem Interview Anfang 2013 diesen Machtstil, mit dem Merkel Deutschland zum Profiteur der europäischen Staatsschuldenkrise gemacht hat. 'In ihrem machtpokernden Jein erfahren die auf Kredit angewiesenen Länder ihre Abhängigkeit von der Zustimmung Deutschlands und immer wieder aufs Neue ihre Ohnmacht', so formuliert es Beck.

Kurz gesagt: Was bei Merkel als unschlüssiges Zaudern erscheint, ist in Wahrheit schlüssige Strategie. Eine Strategie, die nicht nur in der Politik funktioniert. Besonders im Management von Unternehmen wäre das bewusste Nicht-Handeln oder Noch-nicht-Handeln oft die erfolgreichere Alternative zum eiligen Tun.

Extras:

  • Grafik: Der Hype-Cycle
  • Literaturtipps: Hinweis auf das neue Buch des Artikelautors 'Die Stein-Strategie' und auf ein amerikanisches Buch über Entscheidungsfindung und Entscheidungstheorien

Autor(en): Holm Friebe
Quelle: managerSeminare 193, April 2014, Seite 46 - 50 , 19949 Zeichen

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