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Beitrag von Henning Beck aus managerSeminare 332, November 2025
Ich müsste eigentlich schon längst verblödet sein. Zumindest wenn sich die Warnungen in meiner Kindheit und Jugend erfüllt hätten: Erst sollte ich durch das Fernsehen verdummen. Dann übernahmen „Game Boy“ und Computerspiele die Aufgabe meiner geistigen Zersetzung. Und wenn es Ende der 2000er noch kognitive Überreste gegeben hätte, die noch nicht durch Internet, Handys und Social Media vernichtet worden sein sollten, dann hätte spätestens das Smartphone denen den Rest gegeben. Meine Mathelehrer warnten uns noch, wir sollten bloß das Kopfrechnen nicht vergessen. Später hätten wir auch nicht immer einen Taschenrechner dabei. So kann man sich täuschen. Heute trage ich permanent einen Hochleistungscomputer in meiner Hosentasche, der nicht nur die Leistungsfähigkeit meines ersten „Windows 95“-PCs, sondern auch der NASA-Großrechner bei den Apollo-Mondmissionen bei Weitem übersteigt. Allerdings schaue ich mir damit Katzenvideos an, statt auf den Mond zu fliegen.
Bisher hatten Menschen neue Technik nie eingesetzt, um weniger zu denken, sondern um mehr Probleme zu lösen und um mehr neue Ideen zu entwickeln. Doch aktuell scheint diese Entwicklung in Teilen an Grenzen zu stoßen. Gut belegt ist der „Brain-Drain“-Effekt: dass ein eingeschaltetes Smartphone schon durch bloße Anwesenheit geistige Ressourcen auf sich zieht. Wir sind so sehr an die Nutzung dieser technischen Geräte gewöhnt, dass wir uns gedanklich kaum davon lösen können. Bis zu 90 Prozent aller Smartphonenutzungen gehen von uns aus. Nicht das Gerät reißt uns aus dem Rhythmus – wir selbst lenken uns mit den Geräten ab. Offenbar überschreiten wir momentan tatsächlich eine Obergrenze dessen, was wir geistig leisten können. Während frühere Geräte meistens ortsgebunden waren (Fernseher oder PC), gibt es heute keine Chance mehr, einem Smartphone zu entkommen. Das wirkt sich auf unser Denken aus, denn Menschen können sich nachweislich schlechter konzentrieren, Aufgaben priorisieren oder gedanklich abschalten, je mehr sie mit dem Smartphone multitasken.