Schlauer lernen
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Das Ideen-Pingpong

​Henning Beck erklärt, warum Brainstormings nicht dem Ziel dienen sollten, eine Lösung zu finden, sondern die Frage.

Eine unbestrittene Superkraft des Menschen ist zweifellos seine Fähigkeit, mit anderen zu kooperieren. Nirgendwo sonst in der Natur schließen sich nicht verwandte Artgenossen zusammen, um gemeinsam ein Problem zu lösen. Auch aus diesem Grund sind Großstädte pro Kopf messbar innovativer als Kleinstädte. Nicht weil die Leute dort cleverer wären, sondern weil schlicht die Wahrscheinlichkeit größer ist, auf jemanden zu treffen, der einem produktives Feedback gibt, der unterstützt oder einen noch nützlicheren Kontakt kennt.

Was im Großen funktioniert, sollte doch auch im Kleinen klappen – und schon sitzt man in einem Brainstorming. Ich führe in Kreativitäts-Workshops oftmals Brainstormings durch. Jedoch nicht um zu zeigen, wie gut sie funktionieren, sondern wie schlecht. Denn in einer Gruppe können Menschen systematisch an Denkleistung einbüßen. Insbesondere dann, wenn es darum geht, kreative Lösungen zu finden. Der Grund: Man orientiert sich im Denken an anderen, und gerade bei neuartigen Ideen kann das nachteilig werden. Denn während Sachfragen auch nüchtern und analytisch diskutiert werden können (zumindest theoretisch), bergen neue Ideen immer auch einen Moment der Verletzlichkeit: Man probiert etwas Neues aus – auf die Gefahr hin, dass man damit falschliegt. Das öffnet menschlichen Befindlichkeiten natürlich Tür und Tor: Der Schleimer wird sich in der Gruppe bereitwillig der Meinung des Vorgesetzten anschließen. Andere melden ein „Copyright“ auf die eigene Idee an, um Status und Macht zu demonstrieren. Missgünstige zerreden grundsätzlich jeden Vorschlag, nicht weil er schlecht wäre, sondern weil man die andere Person nicht mag. Und den Faulen ist ohnehin alles egal, sie lassen das Brainstorming über sich ergehen.

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„Groupthink“ nennt sich das Phänomen, dass eine Gruppe, insbesondere bei Kreativaufgaben, weniger leistet als die Summe ihrer Teile. Dagegen hilft nur: konsequentes Rückbesinnen auf die zweite Stärke des menschlichen Denkens, die Kontemplation. Menschen beschreiben nämlich oftmals Situationen, in denen sie alleine sind, wenn sie vom Geistesblitz getroffen werden. Im besten Fall, nachdem sie zuvor in einer Gruppe waren und sich mit anderen Perspektiven „aufgeladen“ haben.

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