Management

Outdoortrainings

Lernfeld Natur

Rafting, Climbing, Wüstenwanderung - während die Programme von Outdooranbietern vor einigen Jahren eher an Abenteuerreisen für Manager erinnerten, scheint sich nun ein Trend weg vom Spektakulären abzuzeichnen. Metapher heißt der neue Schlüsselbegriff: Outdoortrainings sollen Situationen des betrieblichen Alltags simulieren.
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Noch Mitte der 90er Jahre waren Outdoor-Trainings scheinbar völlig out. 'Diesen Schnickschnack können wir uns in Zeiten des Personalabbaus nicht leisten', lautete das Credo der meisten Personalentwickler. Ging eine Vertriebsmannschaft gemeinsam zum Wildwasserrafting, wurden in den Begleitfahrzeugen nicht selten die Bierkästen mitgeschleppt. 'Das ließ sich intern nicht verkaufen', weiß Wolfgang Reetz, Inhaber des Trainingsinstituts Scout.PE in Fahrenburg.

Den Survivaltrainings mit dem alleinigen Nutzen Selbsterfahrung erteilt das Gros der Outdooranbieter heute daher auch eher eine Absage. Heute gilt das Wort Metapher als Schlüsselbegriff im Outdoor-Training. Es wird ein Umfeld kreiert, das betriebliche Prozesse so abbildet, dass an diesem Beispiel in sehr kurzer Zeit gelernt werden kann. Das gemeinsame Erleben im ungewohnten Lernumfeld Natur schafft nach Ansicht von Michael Rehm, Leiter des Informations-Dienstes Erlebnispädagogik und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Augsburg, zudem tiefe Erinnerungsanker, getreu dem pädagogischen Prinzip: 'Tell me and I will forget it. Show me and I will remember it. Involve me and I will understand it.'

Auf Outdoortrainings zur Einführung von Gruppenarbeit setzt zum Beispiel die Goldwell GmbH, Darmstadt. Andreas Oster, Personalentwickler und Trainer bei dem Hersteller von Haarpflegemitteln, entschied sich aus mehreren Gründen für das Training, das auf Erleben setzt: Erstens ist die Vorbildung der Mitarbeiter aus dem betroffenen Bereich Produktion sehr verschieden und zweitens ist nicht für alle Mitarbeiter Deutsch die Muttersprache. Oster: 'Die Verständigung auf sprachlicher Ebene ist oft schwer. Leichter ist es, wenn die Mitarbeiter direkt in das Geschehen involviert werden.' Bewusst lädt die Firma Goldwell daher zu den Trainings Mitarbeiter unterschiedlicher Bereiche und Hierarchieebenen ein, die im Alltag zusammenarbeiten müssen. An deren Schnittstellen ergeben sich nämlich die meisten Probleme. Und bei den Outdoortrainings können sie sich viel persönlicher als beim klassischen Seminar begegnen.

Oft werden trotz der Vorteile des Lernorts Natur zunehmend In- und Outdoorelemente kombiniert. So wird beispielsweise nach der Teamerfahrung im Freien zwischenzeitlich in den Seminarraum gewechselt, um ein Teamprofil zu erstellen. Vermutlich ist die Kombination von Indoor- und Outdoorelementen auch intern leichter zu verkaufen. Denn darin sind sich fast alle Personalentwickler einig: Es dauert einige Zeit, bis im Unternehmen eine Lobby für Outdoor-Maßnahmen entsteht. Empfehlenswert ist es daher, zunächst den oberen Führungskreis zum Outdoortraining zu schicken. Schließlich müssen die nachfolgenden Teilnehmer dann nicht mehr mit dem sich hartnäckig haltenden Vorurteil kämpfen: 'Ihr fahrt ja ohnehin nur in den Urlaub'.
Autor(en): Bernhard Kuntz, Andrea Bittelmeyer
Quelle: managerSeminare 39, November 1999, Seite 86-95
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