Management

Neue Bundesländer

Weiterbildung in neuen Ländern

Nach vier Jahren ist im Bereich Weiterbildung eines klar: Es funktioniert nicht, den Menschen in den neuen Bundesländern Weiterbildungsinhalte nach westlichem Muster aufzuzwingen. Der Verlust des gesamten Wertesystems, der mit der Wende einherging, erfordert in erster Linie den Aufbau einer neuen Identität. Erst dann können neue Bildungsinhalte verinnerlicht und erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. Ratschläge werden auf diesem Weg als solche akzeptiert und nicht als Bevormundung von 'Besser-Wessis' empfunden.
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Einer der vordringlichsten Schritte nach der politischen Vereinigung Ost- und Westdeutschlands war die Umstrukturierung der Wirtschaft in den fünf neuen Bundesländern - von der Plan- zur Marktwirtschaft. Dieser Prozeß ist nur vollziehbar, wenn sich die Erwerbstätigen weiterbilden und qualifizieren. Weiterbildung hat die Aufgabe, zum einen die Qualifikationen zu vermitteln, die eine Umstrukturierung der Wirtschaft erst ermöglicht und zum anderen durch Qualifizierung Arbeitsplätze zu sichern. Weiterbildung darf jedoch nicht bedeuten, daß die in den westlichen Bundesländern gebräuchlichen Bildungsinhalte und Wertvorstellungen den Nachbarn in den östlichen Ländern aufgedrängt werden,für die der Umbruch in der DDR gleichzeitig der Umbruch eines ganzen Wertesystems bedeutete.

Um die verschiedenen Mentalitäten und den daraus resulitierenden differierenden Weiterbildungsbedaf der Menschen in den alten und neuen Bundesländern verstehen zu können, muß man einen Blick auf die verschiedenen Grundlagen der Berufsbildung werfen. Die Fundamente der Berufsbildung beider Staaten weisen nicht nur Gegensätze auf. Die Ausbildung hatte sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands das gleiche Ziel: die Ausbildung zum qualifizierten Facharbeiter, die wiederum den wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe garantiert. Größer werden die Unterschiede jedoch, wenn man sich die Ausbildungsstrukturen ansieht. Während im Westen Beruf und Ausbildung frei gewählt werden, wurden in der DDR Art und Zahl der Ausbildungsplätze festgelegt. Im Unterschied zu Westdeutschland wurden die meisten Berufsanfänger zu 75 % in Großbetrieben (20% im Westen) ausgebildet. Rund 60 % aller Lehrlinge fanden einen Ausbildungsplatz in der Industrie- und Bauwirtschaft, während in Westdeutschland nur 40 % diese Richtung einschlugen. Dagegen befanden sich nur 5% im Bereich des Handwerks in Ausbildung, in Westdeutschland 36 %. Die Basis für den Berufsstart bildeten in Ostdeutschland industrielle Großbetriebe, im Westen sind Handwerk und Kleingewerbe die Träger der betrieblichen Ausbildung. Weitere Unterschiede zeigen sich innerhalb der Berufschulsysteme…
Autor(en): Elke Abels, Günther Mertz
Quelle: managerSeminare 17, Oktober 1994, Seite 48-54
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