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Learntec 2000: Über die Flaschenhälse des Online-Lernens

Medienmix, modular aufgebaute Lerninhalte, webbasierte Lernplattformen und Bildungsportale - in Kurzform geben die Schlagworte die Themen der diesjährigen Learntec in Karlsruhe wieder. Erneut erfreute sich die Fachmesse plus Kongress zum Thema Informations- und Bildungstechnologie großer Beliebtheit: Mitte Februar 2000 trafen rund 5.000 Besucher auf 160 Aussteller. Der Zuwachs an Besuchern und Ausstellern kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Einzug der neuen Medien in die Weiterbildung noch immer nicht zum Siegeszug auf breiter Front geworden ist.

Bottleneck Medienkompetenz

So machte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn in ihrer Eröffnungsrede auf die Notwendigkeit aufmerksam, Menschen frühzeitig auf den Umgang mit IT-Technologien vorzubereiten. Ihr Appell, in der Schule anzusetzen, wies auf einen wichtigen Flaschenhals hin: die Medienkompetenz. Neben Schreiben, Rechnen und Lesen müsse sie zur vierten Kulturkompetenz werden.

Mit dem Thema Medienkompetenz - in diesem Fall die von Trainern - beschäftigt sich auch ein erstmals auf der Messe vorgestelltes Projekt der Firmen Deutsche Bahn, Lufthansa, Deutsche Post, IBM, Metro, Synergie und VW Coaching. Es handelt sich dabei um ein CBT, das über Möglichkeiten des Online-Lehrens aufklären und mediendidaktische Kompetenzen vermitteln will. Hintergedanke: Der Trainer ist mit seiner Angst vor dem Medieneinsatz der Knackpunkt bei der Weiterbildung mit CBT & Co. Das Lernprogramm soll Bestandteil einer ebenfalls neuen Ausbildung werden, mit der die Firmen Synergie, Telekom und Bonner Akademie die Trainer modular auf ihre Prozessbegleiterschaft bei der Kombination von Netz- und Präsenztrainings vorbereiten wollen (siehe News, S. xy).

Bottlenecks gibt es aber nach wie vor auch auf technischer Seite: So sind die dem Lernenden zur Verfügung stehenden Bandbreiten oft noch zu gering, um große Datenmengen für Trainings mit Videosequenzen und dergleichem zu übertragen. Einen neuen Lösungsansatz stellte die Firma InterWise, ein israelischer Anbieter von E-Learning-Technologien, mit der webbasierten Plattform 'Millennium' vor. Die integrierte Push-Technologie verschickt Kursmaterialien zu Zeiten geringer Netzauslastung bereits vor Seminarbeginn an den Arbeitsplatz und minimiert dadurch die benötigten Bandbreiten. So sind webbasierte Live-Trainings in Echtzeit möglich, bei denen Text, Audio und Video zum Einsatz kommen.

Bottleneck Anwender und Inhalt

Auch der Anwender selbst stellt einen nicht zu unterschätzenden Flaschenhals dar. Hans-Rudolf Albrecht von der albit GmbH, Mühlheim an der Ruhr, brachte es auf den Punkt: 'Das Selbstlernen am Computer hat keinen Incentive-Charakter.' Daher fehlt den Lernenden die Motivation, sich mehrere Stunden lang mit den Lerninhalten zu beschäftigen. Gefragt sind kurze, leicht rezipierbare, komprimierte Inhalte. Diese will demnächst Wolfgang Lang, Geschäftsführer von Add!Brain (vorher birkenbihl-gruppe), bieten. Mit seinem neuen Produkt Edu-TV, einer Art Wissensdatenbank, die ab Sommer 2000 erhältlich sein soll, hat er Wissenspakete von drei bis fünf Minuten Länge geschnürt. Diese Videosequenzen von Trainern wie Hans-Uwe Köhler, Brian Tracy und Lothar Seiwert ergeben jeweils insgesamt 30-Minuten-Seminare.

Damit war die birkenbihl-gruppe übrigens einer von wenigen Ausstellern, die sich um den so genannten Content für Plattformen und Bildungsportale kümmern. Obwohl 'Bildungsportal' das Wort der Worte auf der Messe war, schien kaum einer zu wissen, woher die Weiterbildungsinhalte denn kommen sollen. So schloss Felix Wenger von HQ, Weil am Rhein, der unter www.hrgate.com ein Portal für HR-Professionals aufbauen will, mit dem Satz der Sätze der Messe: 'Wir suchen noch nach Partnern, die professionellen Inhalt liefern können.'
Autor(en): (nbu)
Quelle: managerSeminare 42, Mai 2000
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