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Beitrag von Tobias Endler aus managerSeminare 336, März 2026
Macher, Menschen, Spotlight: Wie uns die immergleichen Erfolgsmodelle einengen
Irreführendes Narrengold: Welche Kosten konventionelle Zielbilder verschweigen
Doppelter Denkfehler: Warum wir anders über Erfolg nachdenken müssen
Selbstbestimmt und sinnhaft: Was wir von Draufgängern und Blendern lernen können – und wie man sich abgrenzt
Selbstemanzipation: Wie wir eine eigenständige Idee von Erfolg entwickeln können
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 336
Vor einigen Jahren ging die Geschichte des 17-jährigen Wang Shangkun durch die Medien, weil er für das neueste Smartphone und Tablet einer damals sehr populären Marke eine seiner Nieren verkauft hat. So sehr setzte er den Besitz der prestigeträchtigen Geräte mit Erfolg gleich, dass er dafür seine Gesundheit geopfert hat und seither auf Dialyse angewiesen ist. Natürlich schütteln wir darüber den Kopf: Wie kann man einen so hohen Preis für ein paar kurzlebige Statussymbole zahlen?
Dabei ist unsere eigene Jagd nach Erfolg oft nicht minder absurd. Nicht in dem Sinn, dass wir genau dasselbe tun würden wie der junge Chinese, die meisten von uns wählen hoffentlich geeignetere und nachhaltigere Nachweise, dass sie es geschafft haben. Ähnlich handeln wir auch nicht nur insofern, dass auch wir für unser Objekt der Begierde vieles andere hintanstellen, mitunter sogar mehr als die Gesundheit. Die eigentliche Parallele zu Wang Shangkun liegt tiefer als das, was wir für den Erfolg zu tun oder in Kauf zu nehmen bereit sind: Sie liegt darin, was wir überhaupt als Erfolg ansehen.
Dabei zeigt sich, dass wir uns stark von dem beeinflussen lassen, was von außen an uns herangetragen wird. Im Fall von Wang Shangkun war es die durch Medienhype und Schulhofgeprahle genährte Hoffnung, sich durch den Besitz der High-Tech-Geräte vor seinen Klassenkameraden auszeichnen zu können, cool zu sein, dazuzugehören. In anderen Fällen geht es darum, sich als mächtiger, kultivierter oder beliebter zeigen zu können als andere. So oder so sind es oft gar nicht unsere eigenen, ureigentlichen Interessen, die bestimmen, was wir anstreben, sondern die Vorstellungen, Erwartungen und Bewertungen anderer. Als gesellschaftliche Konventionen prägen sie unser Bild davon, was Menschen erfolgreich macht. Diese Konventionen sind erstaunlich stabil und wirken unterschwellig auf uns ein. Und sie können uns – wenn wir nicht aufpassen – dazu bringen, dass wir Ziele verfolgen, die wir gar nicht wollen, und dabei Dinge tun, die uns schaden.