Lernen

Konstruktiv lernen

Mit Kopf, Herz und Hand

In den USA unter dem Sammelbegriff 'Experiential Education' etabliert, in Deutschland noch selten praktiziert: Konstruktives Lernen. Nicht die Wissensvermittlung steht dabei im Vordergrund, sondern Lernen durch Erlebnis und Erfahrung. Zu diesem Zweck werden Mikrowelten geschaffen, kleine Lerninseln off-the-job, die Prozesse und Beziehungen des Unternehmens rekonstruieren. Wie dieses Lernen in der Praxis aussieht, erläutert Berater und Trainer Bernd Heckmair.
Kostenfrei für Abonnent/innen von managerSeminare
Downloaden
'Nein, dafür haben wir im Moment keine Zeit. Wir strukturieren momentan wieder mal um', tönt es aus dem Hörer. Der Unterton in der Stimme des Mitarbeiters lässt keinen Zweifel daran: Er hält nichts davon, dass bald wieder ein neuer Abteilungsname und eine neue Funktionsbezeichnung seine Visitenkarte zieren werden. Dass sich nämlich mit der Veränderung wirklich etwas bewegen wird in seinem Unternehmen, daran glaubt er nicht. Alles schon x-mal abgesessen und durchgestanden. Warum auch sollte es dieses Mal anders ein?

Dass großformatige, zeitaufwendige und teure Change-Projekte abgebrochen, vertagt oder ganz beerdigt werden, ist fast schon üblich in der Geschäftswelt. Doch wer trägt die Schuld am Scheitern der Veränderungsvorhaben? Nicht selten liegt der Fehler im Vorgehen der Initiatoren: Da definiert die Geschäfts- oder Projektleitung, wer was auf welche Weise und mit welchen Zielen zu lernen hat, auf dass alles anders und besser werde. Dabei helfen Belehrungen und Ratschläge kaum weiter. Eine Input-Output-Mechanik nach dem Motto 'Du musst nur den Leuten das Richtige vorbeten, dann machen sie es schon!' funktioniert ebenso wenig wie die simplifizierende Denke von Ursache und Wirkung. Denn Mitarbeiter haben Widerstände, Ängste, ihre eigenen Vorstellungen etc. - sie funktionieren schlichtweg nicht auf Knopfdruck.

Einen erfolgversprechenderen Weg, Menschen dazu zu bringen, sich auf Veränderungen einzulassen, schlagen die 'Konstruktivisten' ein. Ihr Credo: Die Menschen müssen ihre Erfahrungen selber machen, am eigenen Leib spüren, was ihr Verhalten anrichtet. Nachhaltiges Lernen entsteht ihrer Ansicht nach dann, wenn Erlebnis und Erfahrung verarbeitet werden - sowohl im Handeln selbst, wie im gemeinsamen Reflektieren hinterher.

Die Methode 'Konstruktives Lernen' stützt sich auf die handlungs- und erfahrungsorientierte Pädagogik des amerikanischen Philosophen John Dewey (1859-1952). Pragmatisch und radikal zugleich setzte er auf das freie Spiel der Kräfte und auf die 'Leitwährungen' Entwicklung und Wachstum. Sein Motto 'Learning by doing' wird heute oft mit dem Trial-and-Error-Verfahren verwechselt.

Extras:
  • Info-Kasten: Was ist Konstruktives Lernen?
  • Übersicht: Fünf Anbieter von Train-the-Trainer Seminaren zum Konstruktiven Lernen.
Autor(en): Bernd Heckmair
Quelle: managerSeminare 41, März 2000, Seite 70-76
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben