Management

Konflikte mit Kollegen

Wenn im Job die Fetzen fliegen

Ob bei Unstimmigkeiten zwischen Vertragspartnern, dicker Luft zwischen Mitarbeitern oder Streits bei Nachfolgefragen - die Mediation läßt sich bei Konflikten aller Art einsetzen. Die Idee der in Deutschland noch wenig bekannten Methode ist simpel: Wenn zwei sich streiten…, greift ein Dritter ein. Über die sanfte Tour der Konfliktbereinigung.
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Der Generationenwechsel bei der Firma Tewells in Krefeld brachte Bewegung in die 200 Mitarbeiter des Herstellers für Back- und Kochzutaten. Als Dirk Wellen den Chefposten von seinem Vater übernahm, mußten plötzlich alle umdenken: 'Wie die Schüler zu einer Klasse mußten sich die Mitarbeiter zu einem Team zusammenraufen. Dabei versuchte jeder, seine eigene Position festzuschreiben', erzählt Kirsten Osterspey, seit vier Jahren bei der Firma Tewells für die Umstrukturierung zuständig. Als sich die Reibereien auswuchsen, suchte Osterspey Hilfe. Diese fand sie im Verfahren der Wirtschaftsmediation.

Bei der Mediation wird im Konfliktfall ein neutraler Dritter hinzugezogen, der eine Lösung der Auseinandersetzung herbeiführen soll. Diese Methode setzt auf Partnerschaft statt auf Machtausübung und berücksichtigt die Spannungen zwischen den Konfliktparteien. Der Mediator wirkt als Vermittler zwischen den Fronten und führt die Streitenden zu einer 'Win-Win-Solution', mit der alle Parteien leben können.

Der Zugriff auf externe Berater ist dann besonders wichtig, wenn Unternehmen noch über wenig Erfahrung mit Mediation verfügen. Bislang greifen vor allem große Unternehmen auf die Dienste eines externen Mediators zurück. Je mehr Wissen die externen Berater in die Unternehmen hineintragen, desto mehr Betriebe kommen aber auf die Idee, eigene Mitarbeiter zu Mediatoren ausbilden zu lassen.

Das Automobilunternehmen Ford beispielsweise hat zur Beilegung von Konflikten eigens die Abteilung 'Führung und Verhalten' eingerichtet. Rainer Rischke, Organisation Development Consultant bei Ford, kann ein Lied davon singen, welche Konflikte sich zwischen den Mitarbeitern täglich abspielen. Kommt es zu einer Problem-Situation, wird zunächst ein Einzelgespräch mit dem Betroffenen geführt. Führt das Gespräch allein noch nicht zum Erfolg, kann es angebracht sein, alle Konfliktparteien zu einem Mediationsgespräch zu bitten. 'Das kann auch schon mal ein ganzes Team sein,' erklärt Rischke.

Der Mediator schaltet sich so wenig wie möglich ein. Seine Aufgabe ist es lediglich, immer wieder die Standpunkte der Kontrahenten deutlich zu machen und auf die Einhaltung der Spielregeln zu achten. Ist eine allgemein akzeptierte Lösung gefunden, die auch umsetzbar erscheint, wird eine Übereinkunft geschlossen. Die Erfolgsquote des Mediatorenteams ist laut Rischke recht hoch. Das liegt vielleicht auch daran, daß die Ford-Crew die Mediation als Teil der Persönlichkeitsentwicklung ihrer Mitarbeiter betrachtet, während andere nur auf die Vermeidung von Gerichtskosten schielen.

'Die Praxis zeigt, daß es gerade dort zu besonders großen Zeit- und Energieverlusten sowie Kosten durch Doppelarbeiten, innere Emigration, irrationales Querschießen usw. kommt, wo Konflikte unter den Teppich gekehrt werden', schreibt Bernd M. Wittschier in seinem Buch 'Konflixt und zugenäht'. Der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens 4.2.3 Konflikt-Dialog-Mediation kann bereits auf rund 600 durchgeführte Konfliktlösungen in Unternehmen zurückblicken. 'Es gilt', so Wittschier, 'Konflikte als Wachstumschance zu sehen, sie als Auslöser für notwendige Veränderungen an sich zu begreifen.'
Autor(en): Ulrike Schäfer, Nicole Bußmann
Quelle: managerSeminare 38, September 1999, Seite 18-25
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