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Der Balance-Irrtum

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Druck auf der Arbeit, Hektik in der Freizeit: Die subjektive Belastung, der wir uns ausgesetzt sehen, nimmt beständig zu. Problematisch wird es vor allem, wenn wir im Umgang damit die falschen Strategien verfolgen, sagt Neuromediziner und Wissenschaftler Volker Busch. Statt auf Stressreduktion oder eine balancierte Belastungssteuerung zu zielen, sollten wir lieber auf ein dynamisches Auf und Ab zwischen Gewicht und Gegengewicht setzen – wie auf einer Wippe.

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Erschöpfende Einseitigkeit: Warum Stress nicht nur eine Folge von Überlastung ist

Wippe statt Waage: Warum die Lösung nicht in der Mitte liegt, sondern im dynamischen Ausgleichen

Entlastung ≠ Entspannung: Warum die üblichen Tipps zum Stressausgleich oft nicht helfen

Geeignetes Gegengewicht: Wie man der Einseitigkeit wirksam begegnet

Dürfen statt müssen: Welche Denkfehler zu vermeiden sind, wenn es um Ausgleich geht


Cover managerSeminare 337 vom 27.03.2026Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 337

Wenn Menschen häufig Stress erfahren, dann spielen wahrscheinlich berufsbezogene Ursachen eine wesentliche Rolle. Von denen gibt es wahrlich genug: Arbeitsverdichtung, permanente Veränderungen und nicht zuletzt das mobile Arbeiten mit dauerhafter Erreichbarkeit und einer Entgrenzung von Arbeit und Freizeit. Aber auch privat setzen wir uns oft unter Druck, sei es durch übermäßige Freizeitplanung oder durch zu hohe Ansprüche, die wir an uns selbst stellen. Einer der Hauptgründe für Stress wird meines Erachtens jedoch viel zu selten diskutiert, und der hat weniger mit Überlastung oder Hektik in Beruf und Freizeit zu tun als mit der Einseitigkeit, mit der wir beides gestalten.

Einer der Hauptgründe für Stress, der viel zu selten diskutiert wird, hat weniger mit der Überlastung in Beruf und Freizeit zu tun als mit der Einseitigkeit, mit der wir beides gestalten.

Das beginnt mit der Motorik: Den größten Teil des Tages sitzen wir auf unserem Hintern, im Durchschnitt sind es 9,2 Stunden pro Tag, wobei allein in den vergangenen zwei Jahren 30 Minuten hinzugekommen sind. Dabei spielt natürlich eine Rolle, dass die meisten Jobs immer weiter digitalisiert werden. Die Bildschirmarbeit nimmt dadurch drastisch zu, sogar beim Stationsdienst einer Pflegekraft oder meiner eigenen ärztlichen Tätigkeit. Diese Einseitigkeit bleibt in der freien Zeit bestehen: Auch zu Hause richten wir den Blick auf Bildschirme, die lediglich andere Inhalte zeigen. Beim TV-Konsum liegen wir aktuell bei 195 Minuten pro Tag, die Nutzung von Tabletts oder Smartphones kommt noch obendrauf. Bewegen tun wir uns hingegen immer weniger, jeder dritte Deutsche kommt auf nicht einmal eine halbe Stunde pro Tag. Einseitig sind auch die Orte, an denen wir uns aufhalten, überwiegend urbane Umgebungen: das Homeoffice, das Restaurant um die Ecke, das Fitnessstudio. Die Natur rückt hingegen in immer weitere Ferne. Im Schnitt müssen wir knapp 20 Kilometer zurücklegen, um in einen Wald zu kommen. Wer macht das schon außer vielleicht im Urlaub?

Was diese Einseitigkeit so problematisch macht, ist das Risiko von Fehlbelastungen. Wenn wir Belastungen, die in einem Teil unseres Lebens entstehen, nicht adäquat in einem anderen Teilbereich ausgleichen, kann Anspannung irgendwann zur anhaltenden Verspannung werden, die den Stress aufrechterhält. Einer Umfrage unter rund 2.000 Frauen und Männern aus Deutschland zufolge klagen 54 Prozent (insbesondere jüngere Menschen) darüber, dass ihnen ein solcher Ausgleich fehlt. Höchste Zeit, einmal genauer hinzuschauen, was das eigentlich ist – und wie man mehr davon bekommen kann.

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