Führung

Führungskompetenz Zuhören
Führungskompetenz Zuhören

Die verkannte Kunst

Am Anfang ihrer Führungskarriere hat Laura Bornmann viel geredet, bis sie gemerkt hat, dass es viel wichtiger wäre, zuzuhören – und zwar bewusst und intensiv. Doch genau das tun viele Führungskräfte nicht, beobachtet sie in ihrer aktuellen Rolle als HR-Beraterin. Paradoxerweise am wenigsten dann, wenn es am wichtigsten wäre. Überlegungen, mit Studien untermauert, wie das im hektischen Führungsalltag gelingt.

Preview

Verschenktes Vertrauen, entgangene Effektivität: Die Folgen mangelnden Zuhörens in der Führung

Mentales Missverständnis: Warum Zuhören kein passiver, sondern ein hochaktiver Prozess ist

Respectful Inquiry: Was offene Fragen und aufmerksames Zuhören bei Menschen bewirken

Zettel und Ziele: Wie bewusstes Zuhören leichter gelingt


Cover managerSeminare 337 vom 27.03.2026Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 337

Stundenlang hatte ich mich auf die Kennenlerngespräche mit meinen neuen Teammitgliedern vorbereitet. Ich war frisch in meiner ersten Führungsrolle und hatte eine klare Agenda. Ich wollte meine Ideen teilen, meine Ziele vorstellen und das Team für die Vision begeistern, die ich für die Personalentwicklung hatte. Vor allem aber wollte ich eines: beweisen, dass ich die Richtige für diese Position bin. Ich war aufgeregt und machte mir viele Gedanken: Was, wenn mich nicht alle akzeptieren? Was, wenn sie meine Ideen naiv oder unrealistisch finden? Also redete ich. Und redete. Eine Stunde verging wie im Flug.

Nach den meisten Gesprächen hatte ich ein gutes Gefühl und war zufrieden. Ich hatte alles Wichtige gesagt und meine Punkte klargemacht. Ich war mir sicher, dass jeder nun wissen würde, wo die Reise hingeht, und dass die Mehrheit den neuen Kurs begrüßte. Erst einige Wochen später realisierte ich, dass ich mir gar nicht sicher sein konnte. Zwar hatte ich versucht, zwischen den Zeilen zu lesen und Mimik sowie Gestik zu beobachten. Aber ich hatte selbst kaum Fragen gestellt. Hatten sie wirklich verstanden, wohin es gehen sollte? Sind sie bereit, diesen Weg mitzugehen? Was brauchen sie dafür? Ich hatte keine Antworten. Schlimmer noch: Nach all den intensiven Gesprächen wusste ich erschreckend wenig über die Menschen in meinem Team. Was sie wirklich beschäftigte, welche Sorgen sie umtrieben, welche Ideen in ihren Köpfen schlummerten – davon hatte ich keine Ahnung. Ich war so sehr darauf fokussiert gewesen, meine Kompetenz zu demonstrieren, dass ich das Wichtigste versäumt hatte: zuzuhören.

In meinen ersten Monaten als Führungskraft war ich so sehr damit beschäftigt, meine Kompetenz zu demonstrieren, dass ich das Wichtigste versäumte: zuzuhören.

Wenn ich heute auf meine ersten Monate als Führungskraft zurückblicke, erkenne ich eindeutig meinen größten Fehler: Ich habe zu viel geredet. Ich war getrieben von dem Bedürfnis, zu beweisen, dass ich den richtigen Weg kannte und alles im Griff hatte. Doch je mehr ich mich selbst zu beweisen suchte, desto weiter entfernte ich mich von meiner eigentlichen Aufgabe. Es klingt banal und doch scheitern viele daran. Denn Zuhören erfordert Geduld und kostet Disziplin. Es verlangt, Pausen auszuhalten, ohne sofort die eigene Meinung mitzuteilen. Es ist gerade diese Stille, die sich für viele Menschen unangenehm anfühlt.

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